Aktualisiert 05.09.2012 10:23

Verdächtige Substanz220 Menschen aus Briefzentrum evakuiert

Dramatische Stunden bei der Post in Zürich-Mülligen: Briefe mit weisser Substanz rufen bei Mitarbeitern Übelkeit hervor. 34 Personen werden hospitalisiert. Um welche Substanz es sich handelt, ist unklar.

von
bee/meg

Am Dienstagabend sind 220 Personen des Briefzentrums Zürich-Mülligen in Schlieren evakuiert worden. «Kurz nach 20 Uhr wurden zwei Couverts mit einer verdächtigen Substanz gefunden», sagt Werner Benz, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich zu 20 Minuten Online. Viele Mitarbeiter klagten daraufhin über gesundheitliche Probleme. Umgehend wurden Rettungskräfte alarmiert, die mit einem Grossaufgebot anrücken. Etliche der Postangestellten wurden vor Ort behandelt, 34 werden für weitere Abklärungen ins Spital gebracht.

Chemiefachberater und Mitarbeiter des Forensischen Instituts Zürich untersuchten die verdächtige Substanz. Laut erstem Ergebnis handelt es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um Stärkepulver. Das teilt die Kantonspolizei in der Nacht mit. Gegen Mitternacht wurde von offizieller Seite Entwarnung gegeben und das zuvor zur Sperrzone erklärte Postgebäude wieder zugänglich gemacht.

30 bis 40 Krankenwagen im Einsatz

Die Szenerie war gespenstisch, wie Augenzeugen berichteten. «Über Lautsprecher wurden wir alarmiert und angewiesen, das Gebäude zu verlassen», so eine Mitarbeiterin des Postzentrums. «Es sind mindestens 15 Krankenautos in einer Reihe vor Ort, die die Verletzten in die umliegenden Spitäler bringen sollen», sagte Leserreporter David de Sando gegenüber 20 Minuten Online. «Die Sirenen der Ambulanz sind die ganze Zeit zu hören. Es werden immer mehr. Es hat Wagen des Spital Urdorfs, vom Triemli-Spital und auch vom Seespital vor Ort.» Andere Augenzeugen schätzen, dass zwischen 30 und 40 Krankenwagen im Einsatz gewesen seien. Sogar solche aus den Kantonen Aargau, Schwyz, Schaffhausen, Zug und Luzern.

(Video: Leserreporter)

Die Polizei hatte bei einem der Gebäudeeingänge vier grosse Zelte aufgebaut. Dort wurden Verletzte betreut. Dazwischen stand eine grosse Maschine. «Wahrscheinlich handelt es sich um eine Sauerstoffversorgung für die Verletzten. «Spezialisten der Feuerwehr packten die Mitarbeiter in weiss-graue Anzüge ein und gaben ihnen Sauerstoffmasken. Sie werden wohl im Inneren des Gebäudes unter Quarantäne gestellt», vermutete de Sando.

Warum hatten so viele Angestellte dieselben Symptome?

Gegen Mitternacht entspannte sich die Lage: Die Postangestellten durften nach Hause gehen. Auch die Rettungstrupps wurden abgezogen. Sollte sich die erste Analyse bestätigen und es sich um Stärkepulver handeln – was hat die Reizungen und das Unwohlsein ausgelöst? Warum hatten so schnell so viele Angestellten dieselben Symptome? Wie wurden die Angestellten auf die Substanz aufmerksam?

Nach aktuellem Wissensstand ist das Gebäude weiterhin gesperrt. Aufgrund des Betriebsunterbruchs kann die Schweizerische Post das Dienstleistungsangebot bei A-Post-Briefen nicht einhalten. Betroffen sind die Briefe aus der Region Zürich und der Ostschweiz in die ganze Schweiz sowie die Zustellung von Briefen in der Region Zürich und der Ostschweiz. Insgesamt werden voraussichtlich zwischen 1,5 und 2 Millionen Sendungen erst am Donnerstag zugestellt.

Das Briefzentrum Zürich-Mülligen ist mit einer Grundfläche von 70 000 Quadratmetern und einem Betrieb auf zwei Etagen das grösste Briefzentrum der Schweizerischen Post. Es ist das einzige, das internationale Briefpost verarbeitet.

20 Minuten Online berichtet laufend über die neuesten Ereignisse zum Fall.

(Video: Live1.tv)

(Video: Leserreporter)

(Video: Leserreporter)

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