Asylbewerber war mehrfach vorbestraft - 23-Jähriger vergewaltigte Frau in SBB-Speisewagen – jetzt wurde er verurteilt
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Asylbewerber war mehrfach vorbestraft
23-Jähriger vergewaltigte Frau in SBB-Speisewagen – jetzt wurde er verurteilt

Im März 2020 wurde eine etwa 50-jährige Frau in einem Zug ausgeraubt und vergewaltigt. Nun hat das Bezirksgericht Zürich den Täter zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt.

von
Benedikt Hollenstein
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Der Raub und die anschliessende Vergewaltigung passierten in einem Speisewagen der SBB. Die Frau war zum Zeitpunkt des Angriffs alleine im Wagen, der nicht mit Sicherheitskameras ausgestattet war. (Symbolbild)

Der Raub und die anschliessende Vergewaltigung passierten in einem Speisewagen der SBB. Die Frau war zum Zeitpunkt des Angriffs alleine im Wagen, der nicht mit Sicherheitskameras ausgestattet war. (Symbolbild)

SBB
Die Angreifer entwendeten ihr Handy, ihren Laptop und ihr Portemonnaie.

Die Angreifer entwendeten ihr Handy, ihren Laptop und ihr Portemonnaie.

SBB
Die Vergewaltigung geschah etwa zehn Minuten bevor der Zug am Zürcher Hauptbahnhof eintraf.

Die Vergewaltigung geschah etwa zehn Minuten bevor der Zug am Zürcher Hauptbahnhof eintraf.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Zu Beginn des Shutdowns im März 2020 hielt sich die etwa 50-Jährige alleine in einem Speisewagen der SBB auf.

  • Dabei wurde sie von drei jungen Männern überfallen und ausgeraubt, bevor sie einer der Täter, ein Asylbewerber, vergewaltigte.

  • Jetzt hat das Bezirksgericht Zürich den 23-jährigen Marokkaner zu einer Freiheitsstrafe von 68 Monaten und einem Landesverweis von 13 Jahren verurteilt.

Der Fall vor dem Zürcher Obergericht lässt aufhorchen: Drei nordafrikanische Asylbewerber überfallen eine etwa 50-Jährige in einem Speisewagen eines fahrenden Zuges und rauben sie aus. Anschliessend vergewaltigt einer der jungen Männer die Frau. Acht Monate später wird ein Hauptverdächtiger verhaftet, verweigert vor Gericht aber jegliche Aussage.

Das Verbrechen ereignete sich zu Beginn des Shutdowns, am späten Abend des 20. März 2020. Eine etwa 50-jährige Frau arbeitete in einem Speisewagen eines fahrenden Zuges an ihrem Laptop. Der Speisewagen der SBB war nicht bedient, ausser der Dame hielt sich niemand im Zugswaggon auf. Knapp zehn Minuten vor der Einfahrt in den Zürcher Hauptbahnhof setzt sich ein junger Mann an den Tisch und habe gefragt, wieso es hier nichts zu Trinken gebe. Gleichzeitig überraschte ein zweiter Mann die Frau von hinten, der sie unvermittelt auf den Mund geküsst haben soll.

Mittäter flüchtig

Wie die «NZZ» schreibt, soll die Frau daraufhin reflexartig aufgestanden sein. Laut der Anklage drückte ihr dabei ein dritter Mann den Kopf hinunter und klaute ihr eine goldene Halskette im Wert von 2000 Franken. Daraufhin habe ihr einer der Männer die Hosen heruntergezogen und sie im Stehen wenige Sekunden lang ohne Kondom vergewaltigt. Die Täter entwendeten auch das Mobiltelefon, den Laptop und das Portemonnaie des Opfers. Im Speisewagen gab es keine Kameras, die drei Täter wurden jedoch von einer Kamera am Hauptbahnhof gefilmt. Die Frau sah zunächst von einer Anzeige ab.

Im November 2020 konnte der mittlerweile 23-jährige Marokkaner, der als Hauptverdächtiger gilt, dann verhaftet werden. Gegen die mutmasslichen Mittäter, die aus Algerien stammen und zum Tatzeitpunkt erst 16 beziehungsweise 17 Jahre alt waren, laufen Jugendstrafverfahren. Während einer von ihnen als flüchtig gilt, wird der Prozess des anderen Asylbewerbers vor einem nicht öffentlichen Jugendgericht abgehalten werden.

Täter wegen Schändung vorbestraft

Beim Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich sagte der Hauptbeschuldigte auf Arabisch lediglich: «Das habe ich nicht gemacht», wie die «NZZ» weiter schreibt. Er wisse nichts und habe nichts gesehen. Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von 66 Monaten wegen Vergewaltigung und Raub und einen Landesverweis von 13 Jahren. Da der Marokkaner bereits in Frankreich wegen Schändung und wegen anderer Delikte im Kanton Neuenburg verurteilt wurde, muss das Zürcher Urteil als Zusatzstrafe gefällt werden.

In der ersten Einvernahme hatte der 23-Jährige noch zugegeben, mit einer älteren Frau im Zug Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Dieser sei aber einvernehmlich gewesen, die Frau habe ihn zum Sex aufgefordert. In weiteren Untersuchungen entwich dem Beschuldigten kein einziges Wort mehr.

Verteidigung fordert Freispruch

Das Opfer konnte den Täter nicht identifizieren. Laut dem Gericht lag dies wahrscheinlich daran, dass die Frau überrumpelt wurde und die Täter ausnutzten, dass sie leicht alkoholisiert war. Der Verteidiger des Hauptverdächtigen forderte indessen den Freispruch für seinen Mandanten und vertritt die These, dass dieser Opfer einer Verwechslung sei, die Aussagen in Haft entsprächen nicht der Wahrheit. Ein Motiv für die Falschaussagen konnte der Verteidiger allerdings auch nicht liefern.

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten schliesslich zu einer Zusatzstrafe von 68 Monaten und einem Landesverweis von 13 Jahren. Das Richtergremium glaubt den «absolut überzeugenden und lebensnahen Aussagen» der Frau. Da die Täter in der Überzahl waren und den Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten, sei Gegenwehr nicht mehr zumutbar gewesen.

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