Aktualisiert 17.10.2011 18:53

Bushido & Sido«23» kann Erwartungen nicht erfüllen

Wenn die zwei profiliertesten deutschen Rapper der letzten zehn Jahre zusammenarbeiten, darf man nichts weniger erwarten als einen Klassiker. Insofern ist «23» von Sido und Bushido eine Enttäuschung.

von
Niklaus Riegg

Die beiden hätten doch eigentlich mehr zu erzählen als billige Koksdealer-(«So mach ich es») und Sex-Fantasien («Schöne neue Welt») und verkitschte Balladen («Märchen», «Erwachsen sein» mit Peter Maffay).

Dass «23» trotzdem kein Reinfall geworden ist, liegt nicht nur an der herausragenden Produktion – sondern auch an den Momenten, in denen die zwei Rapper die Genialität durchblicken lassen, die sie zu zwei der erfolgreichsten Musiker Deutschlands gemacht hat. So erinnert die arrogante Abrechnung «Und schon wieder» an die Hochzeiten von Aggro Berlin. Und mit «Auch wenn es regnet» ist auf dem Album eine Bushido-Ballade, die ohne Fremdschämen gehört werden kann.

Das Beste an «23»: Sido und Bushido profitieren voneinander. Die düstere Aura Bushidos färbt auf den einstigen Maskenmann ab. Er klingt wieder ernsthafter – und damit ernstzunehmender. Auf der anderen Seite bringt Sido eine lyrische Qualität und Detail­versessenheit mit, welche Bushido auf den letzten Alben gefehlt hat. Trotzdem: Vom Potenzial, das diese Kollaboration der zwei Ausnahmerapper gehabt hätte, ist das Endresultat meilenweit entfernt. Anstatt von ihren Differenzen, ihren Erfahrungen und ihren Visionen zu erzählen, übertreffen sie sich leider gegenseitig in altbackenen Plattitüden.

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