Mord an Mafia-Jäger Falcone: 24 Jahre nach Anschlag vier Mafiosi verurteilt
Aktualisiert

Mord an Mafia-Jäger Falcone24 Jahre nach Anschlag vier Mafiosi verurteilt

Vier Mafiosi müssen für den Anschlag auf den berühmtesten Gegner der organisierten Kriminalität lebenslang ins Gefängnis.

von
rup/mch
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Giovanni Falcone, seine Frau und drei Leibwächter kamen bei einem Bombenattentat ums Leben: Das Auto des Richters nach dem Anschlag bei Palermo. (23. Mai 1992)

Giovanni Falcone, seine Frau und drei Leibwächter kamen bei einem Bombenattentat ums Leben: Das Auto des Richters nach dem Anschlag bei Palermo. (23. Mai 1992)

Keystone/Bruno Mosconi
Giovanni Falcone, «Ich weiss, dass meine Schuld gegenueber des Cosa Nostra nur mit dem Tod abgegolten werden kann. Wenn sie mich toeten, dann in Palermo.»

Giovanni Falcone, «Ich weiss, dass meine Schuld gegenueber des Cosa Nostra nur mit dem Tod abgegolten werden kann. Wenn sie mich toeten, dann in Palermo.»

Keystone
«Um das Monster zu bekämpfen hast du keine Kinder gehabt. Wir sind die Kinder die du nie hattest.»

«Um das Monster zu bekämpfen hast du keine Kinder gehabt. Wir sind die Kinder die du nie hattest.»

Keystone/Alessandro Fucarini

24 Jahre nach dem Anschlag auf Mafia-Jäger Giovanni Falcone nahe Palermo sind am Dienstagabend vier Mafiosi zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht der sizilianischen Stadt Caltanissetta urteilte, dass der Mafia-Boss Salvo Madonia und drei weitere Mafiosi zu den Mandanten des Anschlags zählten.

Falcone war auf dem Weg zu seinem Ferienhaus, als Mafiosi unter der Autobahn nahe Capaci einen Sprengsatz zündeten und dabei den Juristen, seine Frau und drei Leibwächter töteten. Zwei Monate später wurde Falcones engster Kollege, Paolo Borsellino, ebenfalls durch ein Sprengstoffattentat der Mafia getötet. Die beiden hatten sich bemüht, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken und spielten eine entscheidende Rolle beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die 360 Mafiosi zu insgesamt 2665 Jahren Haft verurteilten. In Italien gelten sie noch heute als Symbolfiguren im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Fall nicht abgeschlossen

Die Morde wurden 1992 vom «Boss der Bosse» Totò Riina befohlen, der in der Mafiawelt für seine Brutalität und Skrupellosigkeit bekannt war. Während andere Bosse versuchten, Konfrontationen mit dem Staat zu vermeiden, begann Riina einen regelrechten Feldzug gegen ihn. Über mehrere Jahre liess er Richter, Politiker, Journalisten und unbeteiligte Zivilisten umbringen. 1993 wurde er in Palermo verhaftet und sitzt in Isolationshaft.

Bei einem früheren Prozess wegen der Ermordung Falcones waren bereits 39 Personen zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Zwei von ihnen sind inzwischen gestorben. Sicher ist, dass selbst nach den jüngsten Verurteilungen der Fall noch nicht abgeschlossen ist. Drei Angeklagte warten noch immer auf ihr Urteil. (rup/mch/sda)

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