Aktualisiert 29.11.2011 13:56

Breiviks Diagnose

243 Seiten Einblick in ein krankes Hirn

Was bedeutet das psychiatrische Gutachten über Anders Breiviks Unzurechnungsfähigkeit? Entgeht der Massenmörder seiner gerechten Strafe? Hier werden offene Fragen beantwortet.

von
phi

Noch nie hat Norwegen eine längere Diagnose lesen müssen: 243 Seiten umfasste das Gutachten der Psychiater Torgeir Husby und Synne Sørheim, das um 9 Uhr dem Bezirksgericht von Oslo übergeben wurde: Anders Breivik war demnach unzurechnungsfähig, als er am 22. Juli in Norwegen mit einer Autobombe 8 Menschen und bei seinem Amoklauf weitere 69 tötete. Die Ärzte hatten sich 13 Mal mit dem 32-Jährigen auseinandergesetzt und die Polizeiprotokolle aus 130 Stunden Verhör gesichtet. Für die Experten stehe fest, dass Breivik eine Psychose habe, berichtet die norwegische Zeitung «VG».

Der Täter wird mit der Diagnose gar nicht einverstanden sein. Noch ist er nicht unterrichtet, doch zuvor befürchtete er einen Rufmord, schreibt das Blatt weiter. Das Strafrecht sieht bei Mord eine Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis vor, doch bei Unzurechnungsfähigkeit darf ein Täter nicht verurteilt werden. Breivik würde dann wohl in eine Klinik eingewiesen werden, wo er allerdings ebenfalls auf Jahrzehnte eingesperrt bleiben könnte. Nun sollen Gerichtsmediziner das Gutachten überprüfen, kündigte Tarjei Rygnestad von der Rechtsmedizinischen Kommission an.

Ausserdem sei laut VG relevant, wie Generalstaatsanwalt Tor Aksel Busch das Gutachten einordnet. Es wäre zwar ungewöhnlich, wenn das Dokument übergangen würde, angesichts der Schwere der Tat aber vorstellbar. Dann müssten weitere Psychiater zugezogen werden, die zu einem anderen Ergebnis als ihre Kollegen kommen. Käme Breivik in die Irrenanstalt, könnte er auch nach einer Behandlung noch ins Gefängnis geschickt werden, wenn die Justiz in ihm eine grosse Gefahr für die Gesellschaft sieht. Zu diesem Zweck würden sich die Richter alle drei Jahre treffen, um den gesundheitlichen Fortschritt zu evaluieren.

Das letzte Wort haben ohnehin die Richter um die Vorsitzende Nina Opsahl: Der Prozessbeginn ist für den 16. April 2012 geplant.

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