Riskante Lebensweise: 25- bis 34-Jährige erleiden mehr Schlaganfälle
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Riskante Lebensweise25- bis 34-Jährige erleiden mehr Schlaganfälle

Während ältere Menschen im Schnitt heute weniger häufig einen Hirnschlag erleiden, nimmt die Zahl bei Jüngeren deutlich zu. Schuld ist wohl der heutige Lebensstil.

von
ann
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Die Zahl der Jungen mit einem Herzinfarkt hat deutlich zugenommen. Heute gibt es bei der Gruppe der 25 bis 34-Jährigen ein Drittel mehr Schlaganfälle als zur Jahrtausendwende.

Die Zahl der Jungen mit einem Herzinfarkt hat deutlich zugenommen. Heute gibt es bei der Gruppe der 25 bis 34-Jährigen ein Drittel mehr Schlaganfälle als zur Jahrtausendwende.

Helmut Fohringer
Entsprechend besorgt sind die Mediziner. Denn jeder Vierte Schlaganfallpatient bleibt für immer behindert und kann oft auch nicht mehr arbeiten. geheh.

Entsprechend besorgt sind die Mediziner. Denn jeder Vierte Schlaganfallpatient bleibt für immer behindert und kann oft auch nicht mehr arbeiten. geheh.

Keystone/Gaetan Bally
Sie raten darum, schon früh etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen. Ganz wichtig ist, sich genügend zu bewegen. 2,5 Stunden pro Woche machen schon einen grossen Unterschied.

Sie raten darum, schon früh etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen. Ganz wichtig ist, sich genügend zu bewegen. 2,5 Stunden pro Woche machen schon einen grossen Unterschied.

AP/David Zalubowski

Junge laufen immer häufiger Gefahr, einen Hirnschlag zu erleiden. Das zeigt ein Blick in die Statistik des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan). Zwar erleidet weniger als ein Prozent der Bevölkerung unter 34 einen Schlaganfall. Doch seit der Jahrtausendwende hat bei den 25- bis 34-Jährigen die Anzahl Schlaganfälle um gut ein Drittel zugenommen.

Diese Entwicklung erfolgt zudem gegen den Trend insgesamt. Denn schaut man die Schlaganfälle aller Altersgruppen an, sind die Fälle in den letzten 20 Jahren im Vergleich zur Bevölkerungszahl zurückgegangen. Das heisst, ältere Patienten erleiden heute durchschnittlich etwas weniger Schlaganfälle als früher. Zudem konnte die Mortalität deutlich reduziert werden. Starben 1995 von je 100'000 Bewohnern noch 51 Männer und 71 Frauen an einem Schlaganfall, waren es 2014 noch 26 Männer und 41 Frauen.

Hundert junge Patienten jedes Jahr

Die Schweiz steht mit der Zunahme juveniler Schlaganfälle nicht allein da. Dieselbe Entwicklung beobachtet man in ganz Europa und den USA. Sogar Kinder unter 18 Jahren können einen Schlaganfall erleiden und auch diese Zahl nimmt zu.

Marcel Arnold, Präsident der Schweizerischen Hirnschlaggesellschaft und Leiter des Stroke Center am Inselspital in Bern, behandelt heute ebenfalls deutlich mehr junge Hirnschlagpatienten als früher. «Wir haben mehr als 100 junge Patienten jedes Jahr mit einer Streifung oder einem Schlaganfall.»

Heutige über 55-Jährige waren früher schlanker

Eine Erklärung für diese Entwicklung liegt im heutigen Lebensstil. Laut Obsan haben mehr Personen heute einen erhöhten Blutdruck, einen zu hohen Cholesterinspiegel oder leiden an Diabetes. «Eine wichtige Rolle spielen auch das Rauchen, eine ungesunde Ernährung und der Bewegungsmangel», sagt Arnold. Die meisten Leute seien sich viel zu wenig bewusst, wie sehr man das Risiko, einen Hirnschlag zu erleiden, durch eine gesunde Lebensweise senken könne.

So weiss man mittlerweile, dass die heute über 55-Jährigen im Schnitt früher schlanker waren, weniger rauchten und sich mehr bewegten. Zudem ernährte man sich früher offenbar auch gesünder und nahm mehr natürliche Stoffe, Enzyme und Spurenelemente zu sich, die sich positiv auf den Blutdruck und die Cholesterinwerte auswirken können. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Registerdaten aus den USA, die Forscher in New Brunswick und New Jersey ausgewertet haben.

Jeder Vierte bleibt ein Leben lang behindert

Die häufigsten Auslöser für Schlaganfälle sind denn auch sogenannte Embolien. Sie entstehen häufig in Arterien, die durch Fett- oder kalkhaltige Ablagerungen verengt sind. Ähnlich häufig sind Embolien im Herzen, die insbesondere bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen vorkommen. Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte sind für beide Auslöserarten wichtige Faktoren.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind auch bei jungen Patienten gravierend. In der von Marcel Arnold geleiteten Swiss Young Stroke Study verstarben drei Prozent der unter 55-jährigen Schlaganfallpatienten und rund ein Viertel aller Betroffenen blieb behindert.

Sport treiben und mit Rauchen aufhören

Arnold: «Jene mit Behinderungen haben oft langfristig eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität und schaffen den Wiedereinstieg ins Berufsleben nur mit Mühe oder gar nicht.» Arnold rät dazu, gezielt gegen jene Faktoren vorzubeugen, die einen Schlaganfall begünstigen. «Mit Rauchen aufhören, nicht zu viel Alkohol trinken, Übergewicht vermeiden, sich viel bewegen und Stress reduzieren.» (Siehe auch Box)

So schützt man sich vor einem Schlaganfall

- Blutwerte kontrollieren: Lassen Sie sich ihren Blutdruck und Blutzucker einmal jährlich messen.

- Übergewicht vermeiden.

- Salz reduzieren: Zu viel Salz erhöht die Blutmenge und somit den Blutdruck

- Mit Rauchen aufhören: Wer mit einem hohen Blutdruck auch noch raucht, verdoppelt bis vervierfacht sein Hirnschlagrisiko.

- Wenig Alkohol trinken: Trinken Sie in vernünftigem Mass

- Genügend Bewegung: Mindestens 2,5 Stunden pro Woche sollten Sie sich intensiver bewegen.

- Stress reduzieren: Chronischer Stress ist ebenfalls ungesund. Versuchen Sie deshalb, gelassen zu bleiben oder tun Sie gezielt etwas, um Stress abzubauen.

Anzeichen für einen Schlaganfall:

Bei Symptomen wie halbseitige Lähmungen, Taubheitsgefühlen, Sehstörungen oder

Sprechstörungen sofort die Notfallnummer 144 anrufen. Wichtig ist, dass Sie solche Symptome auch ernst nehmen, wenn sie wieder verschwinden, und sofort ärztliche Hilfe beanspruchen. Am besten dafür geeignet sind spezialisierte Schlaganfallabteilungen, sogenannten Stroke Centers oder Stroke Units (www.neurovasc.ch/index.php/stroke-units.html). Solche Streifungen können Vorboten eines Schlaganfalls sein.

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