Zürcher Oberland: 25-Jährige im Bus bespuckt – und keiner hilft
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Zürcher Oberland25-Jährige im Bus bespuckt – und keiner hilft

Martina B. aus dem Zürcher Oberland war abends mit dem Bus auf dem Heimweg, als ein Mann sie bedrohte und sogar anspuckte. Niemand hat reagiert.

von
fro
In einem Bus der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) wurde Martina B. rüde angegriffen.

In einem Bus der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) wurde Martina B. rüde angegriffen.

Nach einem langen Arbeitstag war Martina B.* auf dem Weg nach Hause. Wie jeden Tag nahm sie den Bus von Schwerzenbach nach Uster. An diesem Freitag gegen 20 Uhr waren nur noch drei Fahrgäste und die Chauffeurin im Bus. «Ich setzte mich hin und telefonierte noch kurz mit einer Kollegin», so B. Nachdem sie aufgelegt hatte, sei ihr ein Mann auf den Fuss getreten. «Zuerst habe ich nicht reagiert. Ich dachte, es handle sich um ein Versehen», sagt die 25-jährige Fotografin. «Doch als er es noch mal tat, fragte ich ihn, was das sollte.»

Daraufhin sei der etwa 30-jährige Mann ausgerastet. «Unter anderem hat er gedroht, dass er mir mein Gesicht kaputtmache, wenn ich nicht sofort aussteigen würde. Dann spuckte er mich an.» Sie habe ihn aufgefordert, sich zu entschuldigen und habe erneut gefragt, wieso er so etwas tue. «Er murmelte nur, dass er wegen dem Ramadan kaputt sei und ich nun endlich aussteigen sollte.» Weinend habe sie den Bus verlassen.

«Albträume haben mich verfolgt»

Von den Fahrgästen habe ihr niemand geholfen. «Alle haben es mitgekriegt, doch keiner hat reagiert – ich habe mich total hilflos und gedemütigt gefühlt», sagt B. Zwar ging es ihr nun wieder gut, doch an jenem Wochenende hätten sie Albträume verfolgt. «Ich respektiere alle Religionen – doch wenn man mangels Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr zu solchen Gewalttaten fähig ist, habe ich sehr grosse Mühe damit, diesen Respekt aufrechtzuerhalten.»

Den Vorfall hat sie sofort beim Kundendienst der ZVV gemeldet. «Dort sagte man mir, dass die Chauffeure für solche Vorfälle geschult werden und dass die Buschauffeurin hätte eingreifen müssen», so B. «Ich wurde vom ZVV ermutigt, eine Anzeige gegen Unbekannt ohne Beweismittel zu machen.» Die 25-Jährige habe sich jedoch dagegen entschieden, da eine Anzeige ohne Beweismittel sinnlos wäre. «Der Bus hatte keine Kameras, die den Vorfall hätten aufnehmen können.»

Sofort Kontakt zum Chauffeur suchen

Katrin Piazza, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG), bestätigt, dass eine Meldung eingegangen ist. Sie bedauert den Vorfall sehr: «Doch es ist schwierig für die Chauffeure, während der Fahrt zu beurteilen, ob die Situation bedrohlich ist und eskaliert oder nicht.» Deshalb empfehlen die VBG, bei einer Bedrohung den Fahrer konkret um Hilfe zu bitten, damit dieser reagieren kann. «Denn alle Chauffeure haben eine Sicherheitsschulung absolviert», so Piazza.

In diesem Fall habe die Buschauffeurin laut eigenen Angaben die Diskussion wahrgenommen. «Doch da die Passagierin den Mann geduzt hat, ist sie von einem Streit unter Bekannten ausgegangen», so Piazza. Zudem seien beide nicht laut geworden und die junge Frau habe den Bus durch die vordere Tür verlassen, ohne die Chauffeurin anzusprechen. Deshalb habe sie den Vorfall nicht als bedrohlich eingestuft. «Der Mann hat später auch auf die Buschauffeurin eingeredet», sagt Piazza. «Sie hat daraufhin ihre Kollegen via Funk informiert.» Doch glücklicherweise sei die Situation nicht eskaliert. Laut Piazza sind fast alle Busse mit einer Kamera ausgestattet. «Leider ist dieser Bus noch eine Ausnahme.»

* Name geändert

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