Zürich Kreis 4: 2500 Polizei-Einsätze in Gammelhäusern seit 2012
Aktualisiert

Zürich Kreis 42500 Polizei-Einsätze in Gammelhäusern seit 2012

Der Zürcher Stadtrat hat den Gammelhäuser-Kauf in eigener Kompetenz bewilligt – der Verkäufer machte Druck. Das Parlament kann sich erst in ein paar Jahren dazu äussern.

von
rom

Das sagen Sozialvorsteher Raphael Golta und Finanzvorsteher Daniel Leupi zum Kauf.

Was das Sozialdepartement bereits als Absicht geäussert hat, wird nun Tatsache: Die Stadt Zürich kauft dem umstrittenen Liegenschaftsbesitzer Peter S. drei frühere Problem-Liegenschaften im Kreis 4 ab. Zwei Häuser an der Neufrankengasse für 11,484 und 14,566 Millionen Franken sowie ein Haus an der Magnusstrasse für 6,25 Millionen Franken.

Der Zürcher Stadtrat hat den Kauf in eigener Kompetenz genehmigt, gestützt auf die Gemeindeordnung und trotz der Höhe des Preises. Grund: S. machte gemäss Mitteilung des Stadtrats zur Bedingung, dass die Verträge vor den Sportferien beurkundet werden müssen. Deshalb, so der Stadtrat, dulde das Geschäft keinen Aufschub.

«Die Häuser stehen leer, dem Besitzer gehen Einnahmen verloren und wir waren nicht die einzigen Interessenten, entsprechend macht ein Immobilienbesitzer Druck, denn er sitzt ja am längeren Hebel», sagt Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne). Dies komme immer wieder mal vor. Zudem bewege sich der Preis «im marktüblichen Rahmen». Auf dem regulären Weg über das Stadtparlament hätte es laut Leupi zu lange gedauert.

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Die Neufrankengasse 14 wurde am 15.01.16 verbarrikadiert.

Die Neufrankengasse 14 wurde am 15.01.16 verbarrikadiert.

jen
Am Dienstag, 4.1.17, fiel der Startschuss für die Räumung der Gammelhäuser an der Neufrankengasse in Zürich.

Am Dienstag, 4.1.17, fiel der Startschuss für die Räumung der Gammelhäuser an der Neufrankengasse in Zürich.

jen
Das Interesse der Öffentlichkeit war gross.

Das Interesse der Öffentlichkeit war gross.

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Dieses kann sich erst zum Kauf äussern, wenn die Liegenschaften später ins Verwaltungsvermögen übertragen werden. Das wird allerdings erst in ein paar Jahren sein. Falls das Parlament die Übertragung einzelner oder aller Liegenschaften ablehnen sollte, stehen laut Leupi die Chancen gut, dass die Häuser zum Erwerbspreis weiterverkauft werden können.

Rundgang durch die Gammelhäuser

Video: Jennifer Furer
Schnitt: Cédric Knapp

Alle drei Gebäude sind in einem schlechten Zustand, was beim Kaufpreis berücksichtigt wurde. Es ist geplant, die beiden Häuser an der Neufrankengasse erst mittelfristig instand zu setzen. Bis es soweit ist, sollen sie zwischengenutzt werden. Der Stadtrat hat deshalb Objektkredite von 1,95 und von 1,8 Millionen Franken bewilligt, um sofort die gröbsten Mängel zu beheben. Da die gesprochenen Mittel nicht im Budget 2017 enthalten sind, hat der Stadtrat hierzu zwei dringliche Zusatzkredite bewilligt. «Wir sprechen hier von einer einfachen Sanierung», so Leupi.

2500 Polizeieinsätze

«Hinter dem Kauf steht ein ganz hohes städtisches Interesse, bei diesen Liegenschaften zu intervenieren», sagt Sozialvorsteher Raphael Golta (SP). Die Zustände seine inakzeptabel gewesen und selbst Massnahmen hätte nicht mehr gegriffen. «Seit Herbst 2012 kam es dort zu rund 2500 Polizeieinsätzen», so Golta. Deshalb habe man irgendwann den Kauf in Erwägung gezogen. «Zudem waren die Häuser eine enorme Belastung für das Quartier.»

Sherry Weidmann vor den Gammelhäusern

Sherry Weidmann vor den Gammelhäusern

Die 30 Einzimmer an der Magnusstrasse will die Stadt zu einem kostendeckenden jährlichen Netto-Mietzins von 214'000 Franken gesamthaft an die Asyl-Organisation Zürich vermieten In den 44 Kleinwohnungen an Neufrankengasse 8 soll ein «offener Kreis» von Mietern einquartiert werden. Dies bei Netto-Mietzinsen für eine 22 bis 23 Quadratmeter grosse 1-Zimmer-Wohnung zwischen 879 und 919 Franken.

In den 37 Kleinwohnungen an der Neufrankengasse 14 werden sucht- und psychisch kranke Menschen Unterschlupf finden. 19 bis 23 Quadratmeter 1-Zimmer-Wohnungen kosten 678 und 821 Franken. «Um Zustände wie bisher zu verhindern, wird es hier eine Eingangskontrolle brauchen und einen Hauswart, der für Ordnung sorgt», so Golta. Ein solches Haus sei auch für die Stadt ein Experiment. «Es handelt sich ja nicht um betreutes Wohnen.»

Wie lange die Instandstellungen dauern und wann die Häuser wieder bezogen werden können, ist noch unklar. Leupi: «Das geschieht so rasch wie möglich.»

*Name der Redaktion bekannt

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