19.11.2020 07:48

Donald Trump und das Coronavirus250’000 Covid-Tote und in Washington herrscht ein Machtvakuum

Die Coronavirus-Pandemie rückt in den USA wieder in den Vordergrund. Während Donald Trump sich nicht um die Krise kümmert, sind seinem Nachfolger Joe Biden die Hände gebunden.

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Seit Monaten machen Kritiker Donald Trump für schwere Versäumnisse im Kampf gegen das Coronavirus verantwortlich

Seit Monaten machen Kritiker Donald Trump für schwere Versäumnisse im Kampf gegen das Coronavirus verantwortlich

Reuters
Seit seiner Wahlniederlage war Donald Trump viermal auf dem Golfplatz, hatte zwei Auftritte in der Öffentlichkeit und hat auf Twitter zig Nachrichten zu angeblichem Wahlbetrug abgesetzt.

Seit seiner Wahlniederlage war Donald Trump viermal auf dem Golfplatz, hatte zwei Auftritte in der Öffentlichkeit und hat auf Twitter zig Nachrichten zu angeblichem Wahlbetrug abgesetzt.

Reuters
Es scheint, als habe der abgewählte Präsident jegliches Interesse daran verloren, das Land durch die Krise zu führen – oder sich mit ihr zu befassen.

Es scheint, als habe der abgewählte Präsident jegliches Interesse daran verloren, das Land durch die Krise zu führen – oder sich mit ihr zu befassen.

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Darum gehts

  • Donald Trump kümmert sich weiterhin kaum um die Ausbreitung des Coronavirus.

  • Seine Regierung blockiert die Übergabe an seinen Nachfolger Joe Biden.

  • Während in Washington ein Machtvakuum entstanden ist, wütet die Pandemie weiter.

Seit seiner Wahlniederlage war Donald Trump viermal auf dem Golfplatz, hatte zwei Auftritte in der Öffentlichkeit und hat auf Twitter zig Nachrichten zu angeblichem Wahlbetrug abgesetzt. Seit seiner Niederlage gegen Joe Biden starben mehr als 11’000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus – insgesamt hat das Land in der Pandemie mehr als eine Viertelmillion Tote zu beklagen. Doch es scheint, als habe der abgewählte Präsident jegliches Interesse daran verloren, das Land durch die Krise zu führen – oder sich mit ihr zu befassen.

Um zu verdeutlichen, was das bedeutet, greift der Journalist Max Boot in der «Washington Post» zu einem drastischen Gedankenspiel: «Stellen Sie sich vor, Präsident Franklin D. Roosevelt hätte im November 1942 beschlossen, sich aus dem Zweiten Weltkrieg zurückzuziehen, weil es nicht so gut lief, wie er gehofft hatte.»

Kritiker schiessen gegen Donald Trump

Seit Monaten machen Kritiker Trump für schwere Versäumnisse im Kampf gegen die Pandemie verantwortlich. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, das Coronavirus zu verharmlosen – auch trotz seiner eigenen Covid-19-Erkrankung im Oktober, nach der er die Amerikaner aufrief, «keine Angst» vor dem Virus zu haben. Im Wahlkampf behauptete er immer wieder, die USA hätten die Pandemie fast hinter sich. Die Fakten sprachen schon da eine andere Sprache. Am Wahltag wurden erstmals mehr als 100’000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet. Der Tageswert lag zuletzt im Schnitt bei rund 150’000.

Doch auch die Eskalation der Corona-Krise bringt Trump nicht aus der Deckung. Noch immer hat er seine Niederlage gegen Biden nicht eingeräumt und lässt die Tage weitgehend ohne bekannte Termine verstreichen. Seine Sprecherin Kayleigh McEnany sagte zwar am Mittwoch, der Präsident sei wegen des Coronavirus und dem Abzug von mehreren Tausend Soldaten aus Afghanistan und dem Irak schwer beschäftigt. Die Öffentlichkeit bekommt davon jedoch nicht viel mit.

Wenn sich Trump zu Corona äussert, dann im Zusammenhang mit den jüngsten Fortschritten in der Impfstoff-Entwicklung. Neue Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung kündigt er nicht an. Seit Monaten habe der amtierende Präsident zudem nicht mehr an Sitzungen der Corona-Arbeitsgruppe im Weissen Haus teilgenommen, sagte der Immunologe Anthony Fauci kürzlich.

Joe Biden sind die Hände gebunden

Der gewählte US-Präsident Joe Biden demonstriert Tatendrang, nachdem er den Kampf gegen die Pandemie im Wahlkampf zur Priorität erklärt hatte. Unmittelbar nach seinem Wahlsieg stellte Biden seinen Corona-Expertenrat vor. Zudem erinnert er die Amerikaner immer wieder an die Bedeutung des Tragens von Masken und stimmt sie auf einen «sehr dunklen Winter» ein.

Doch bis zur Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar sind dem Demokraten weitgehend die Hände gebunden. Trumps Weigerung, die Übergabe der Regierungsgeschäfte einzuleiten, könnte den Start im Weissen Haus erschweren. «Wenn wir uns nicht abstimmen, könnten mehr Menschen sterben», warnte Biden am Montag. In einer Krise wie der Pandemie sei die Übergabe der Amtsgeschäfte wichtiger denn je, mahnte auch Immunologe Fauci, der als Direktor der Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten fünf Regierungsübergaben miterlebt habe. «Es ist wie die Übergabe eines Staffelstabs in einem Rennen: Man will nicht, dass jemand anhält, gib ihn weiter und lass ihn loslaufen.»

Coronavirus-Fiasko an Thanksgiving?

Die Gouverneurin von Michigan, die Demokratin Gretchen Whitmer, zeigte sich angesichts des «Machtvakuums» in Washington alarmiert. Die Gouverneure müssten nun alles Mögliche tun, um Leben zu retten, und den Rat der Gesundheitsexperten zu befolgen, sagte sie am Montag. Viele Staaten haben ihre Corona-Auflagen inzwischen wieder verschärft. Whitmer schloss sich mit Kollegen aus anderen stark betroffenen Bundesstaaten im Mittleren Westen zusammen, um die Bevölkerung vor dem Thanksgiving-Fest kommende Woche zur Vorsicht und zum Maskentragen aufzurufen.

Das gegensätzliche Vorgehen der politischen Lager – Beschwichtigung auf der einen Seite, strenge Massnahmen auf der anderen – ist nicht folgenlos geblieben. Selbst Patienten, die im Sterben liegen, wollten nicht wahr haben, dass das Virus existiere, berichtete die Krankenschwester Jodi Doering, die im Bundesstaat South Dakota arbeitet, bei CNN. «Ihre letzten Worte sind: Das kann nicht sein, das ist nicht real.» Einige Patienten wollten lieber glauben, sie hätten Lungenkrebs. Auf Twitter schrieb sie, andere würden sie anschreien, «magische Medizin» fordern und sagen, dass Biden die USA ruinieren werde – all das, während sie nach Luft schnappten.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

(SDA)

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