Aktualisiert 30.03.2020 08:28

Wegen Corona-Pandemie

259 Schweizer sitzen auf Kreuzfahrtschiff fest

Über 250 Schweizer sind auf der Costa Deliziosa eingeschlossen. Mehrere Passagiere kritisieren die Reederei.

von
N. Knüsel
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Über 1800 Passagiere sitzen auf der Costa Deliziosa fest. Darunter sind auch 259 Schweizer.

Über 1800 Passagiere sitzen auf der Costa Deliziosa fest. Darunter sind auch 259 Schweizer.

Reuters/Manuel Silvestri
Eigentlich hätten sie auf einer Weltreise sein sollen, doch wegen der Corona-Pandemie kam es anders: «Am 16. März wurde die Kreuzfahrt abgebrochen», sagt der Schweizer P.T. (Name bekannt).

Eigentlich hätten sie auf einer Weltreise sein sollen, doch wegen der Corona-Pandemie kam es anders: «Am 16. März wurde die Kreuzfahrt abgebrochen», sagt der Schweizer P.T. (Name bekannt).

Leser-Reporter/T.R.
Aus Unzufriedenheit mit der Situation wenden sich nun mehrere Schweizer Passagiere direkt an die italienische Reederei Costa Crociere: «Andere Reedereien haben ihren Passagieren geholfen und ihre Rückführung per Flugzeug arrangiert. Nicht so Costa», heisst es in einem Brief.

Aus Unzufriedenheit mit der Situation wenden sich nun mehrere Schweizer Passagiere direkt an die italienische Reederei Costa Crociere: «Andere Reedereien haben ihren Passagieren geholfen und ihre Rückführung per Flugzeug arrangiert. Nicht so Costa», heisst es in einem Brief.

Leser-Reporter/T.R.

Diese Ferien hatten sie sich anders vorgestellt: 259 Schweizer können bis Ende April nicht von Bord der Costa Deliziosa, einem Kreuzfahrtschiff mit insgesamt rund 1800 Passagieren und 900 Crewmitgliedern. Sie befanden sich auf einer Weltreise, die sie in die Karibik, über den Panama-Kanal nach Südamerika, Australien und weiter nach Ostasien hätte führen sollen.

Doch wegen der Corona-Pandemie kam es anders. «Am 16. März wurde die Kreuzfahrt abgebrochen», sagt der Schweizer P. T.*, der seit Beginn der Reise Anfang Januar mit dem Kreuzfahrtschiff unterwegs war. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Schiff im australischen Perth. «Ich war einer der wenigen, die dort von Bord gingen und auf eigene Faust nach Hause flogen», so T. «Am gleichen Tag legte das Schiff wieder ab, alle anderen Passagiere sind seither eingeschlossen. Es hiess, man werde Ende April wieder in Italien anlegen.»

«Ich bin wütend»

Aus Unzufriedenheit mit der Situation wenden sich nun mehrere Schweizer Passagiere direkt an die italienische Reederei Costa Crociere und kritisieren deren Kommunikationspolitik: «Wir wurden zunächst nicht informiert, dass in Perth die letzte Gelegenheit war, das Schiff zu verlassen», heisst es in einem Brief, der 20 Minuten vorliegt. Als dann die Info kam, sei es für die meisten zu spät gewesen, sich zu organisieren. Und weiter: «Andere Reedereien haben ihren Passagieren geholfen und ihre Rückführung per Flugzeug arrangiert. Nicht so Costa.»

Im Brief bemängeln die Passagiere zudem, dass auf Social Distancing kein grosser Wert gelegt werde: Es hätten Massnahmen ergriffen werden müssen, damit sich nicht mehr zu viele Passagiere auf zu engem Raum aufhalten. Wie ein Foto zeigt, wird etwa im Bordrestaurant die Abstandsregel längstens nicht eingehalten. Die Schweizerin M. B.*, die den Brief mitunterzeichnet hat, sieht da aber nicht nur die Reederei in der Pflicht: «Ich bin wütend, dass die Passagiere offenbar ihre eigene gesundheitliche Sicherheit so geringschätzen.» Die Stimmung an Bord sei bedrückt: «Viele sind wegen der fehlenden Infos verunsichert», so B.

EDA beobachtet Situation

Wie Costa Crociere auf Anfrage schreibt, werde die Gesundheitssituation an Bord ständig beobachtet. Bisher habe es keine Probleme gegeben, trotzdem seien die Hygienevorschriften verschärft worden.

Derzeit befinde sich das Schiff im Indischen Ozean und nehme Kurs auf Maskat, die Hauptstadt des Oman. Man suche zusammen mit den italienischen Behörden einen Hafen, wo die Costa Deliziosa anlegen könne. Man wolle die maximale Sicherheit für die Gäste garantieren und gleichzeitig eine rasche Heimkehr ermöglichen.

Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten EDA habe Kenntnis von der Situation auf dem Kreuzfahrtschiff, sagt Sprecher Pierre-Alain Eltschinger: «Es befinden sich 259 Schweizer Bürger an Bord.» Man beobachte die Situation sehr genau, so Eltschinger weiter. «Das EDA steht mit mehreren Passagieren in Kontakt, um sie im Rahmen des konsularischen Schutzes zu unterstützen.»

*Name der Redaktion bekannt

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