Katastrophe in Japan: 260 000 Haushalte ohne Strom
Aktualisiert

Katastrophe in Japan260 000 Haushalte ohne Strom

Viele Haushalte sind nach dem Nachbeben von Freitag ohne Strom und Gas. Die radioaktive Verseuchung des Meerwassers vor der havarierten Atomanlage Fukushima ist nach einem Medienbericht angestiegen.

Nach dem neuerlichen Erdbeben im Nordosten Japans waren am Samstag in dem betroffenen Gebiet noch immer 260 000 Menschen ohne Strom. Betroffen seien die Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima, teilte die Polizei mit. Zahlreiche Haushalte waren weiter von der Gas- und Wasserversorgung abgeschnitten.

Die Erdstösse der Stärke 7,1 in der Nacht von Donnerstag auf Freitag waren die bisher schwersten nach dem Mega-Beben vom 11. März. In vier Millionen Haushalten gingen die Lichter aus. Mehrere Atomreaktoren waren zeitweise ausgefallen.

Im Atomkraftwerk Fukushima pumpten Arbeiter am Samstag weiter Stickstoff in die Kammer eines Reaktors. Damit soll das Risiko einer Wasserstoffexplosion verringert werden.

Ausserdem leitete die Betreiberfirma Tepco weiterhin radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Damit soll Platz für die Lagerung stärker verstrahlten Wassers geschaffen werden. Die Arbeiten sollen am Sonntag abgeschlossen werden.

Ursprünglich sollte bereits ab Samstag kein verseuchtes Wasser mehr ins Meer abgelassen werden. Die Arbeiten waren aber durch das neue Erdbeben zurückgeworfen worden.

China verbietet Lebensmitteleinfuhren

China hat Lebensmitteleinfuhren aus zwölf Gebieten in der Nähe des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima verboten. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmassnahme, um zu verhindern, dass verstrahlte Lebensmittel ins Land gelangen, berichtete am Samstag die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Importe aus anderen Teilen Japans würden zudem auf Radioaktivität getestet. Alle Produkte müssten eine Bescheinigung haben, wo sie hergestellt wurden. Radioaktive Teilchen, die aus Fukushima stammten, wurden in vielen Teilen Chinas nachgewiesen.

«Lebensmittel sicher»

Auf internationalen Parkett will die japanische Regierung Ängste der Nachbarn vor radioaktiv-belasteten Nahrungsmittel nehmen. Die Lebensmittel aus Japan seien trotz aller Probleme weiter sicher.

Darauf will der japanische Aussenminister Takeaki Matsumoto am Samstag auf einm Ministertreffen der südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN in Jakarta hinweisen. Dies berichtete der staatliche japanische Fernsehsender NHK. In der indonesischen Hauptstadt soll über ASEAN-Hilfen für Japan diskutiert werden.

Der japanische Atomkraftwerkbauer Toshiba schlug der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge unterdessen einen Zehnjahresplan zur Stilllegung von vier der sechs bei dem Erdbeben am 11. März beschädigten Fukushima-Reaktoren vor. Die Regierung hatte allerdings zuletzt erklärt, für einen konkreten Fahrplan aus der Atomkrise sei es noch zu früh.

Japan war vor vier Wochen von einem starken Beben und einem anschliessenden Tsunami schwer getroffen worden. Die Zahl der Opfer der Naturkatastrophe vom 11. März wurde am Samstag von der Polizei mit 12 876 angegeben. Vermisst würden 14 865 Menschen. (sda)

Japanische Helfer finden Bargeld in Millionenhöhe

Die Japaner haben in den Trümmern der vom Tsunami getroffenen Regionen Bargeld in Millionenhöhe gefunden. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag berichtete, werden etwa in den nordöstlichen Präfekturen Iwate und Miyagi täglich Hunderte Wertgegenstände bei der Polizei abgegeben, darunter Portemonnaies mit Geld.

Weil die Behörden es in den meisten Fällen für unmöglich halten, die Besitzer aufzuspüren, fordern Überlebende, das Geld zum Wiederaufbau der verwüsteten Regionen zu verwenden. Nach japanischem Recht können Finder die Stücke behalten, sofern die Besitzer nicht innerhalb von drei Monaten zu ermitteln sind.

Bei dem Erdbeben vom 11. März und dem anschliessenden Tsunami starben wahrscheinlich fast 28'000 Menschen. 15'000 davon gelten weiter als vermisst. (sda)

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