Aktualisiert 11.01.2012 09:15

Die Folgen sind happig260 000 Schweizer Kinder sind arm

Caritas schlägt Alarm: Über eine Viertelmillion Kinder in der Schweiz sind arm. Die Politik kehre das Thema unter den Teppich.

von
hal
Alleinerziehende haben ein erhöhtes Armutsrisiko.

Alleinerziehende haben ein erhöhtes Armutsrisiko.

Kinder, die zerschlissene Kleider tragen, mit drei Geschwistern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung hausen und noch nie in den Ferien waren: Arm sind in der Schweiz nicht nur jene, die auf der Strasse leben. Zwischen 700 000 und 900 000 Menschen in der Schweiz haben nach Schätzungen der Caritas gerade genug Geld zum Überleben. Für ein Paar mit zwei Kindern bedeutet dies beispielsweise, dass es weniger als 4600 Franken pro Monat verdient. Nach Abzug von Miete, Krankenkasse und Essen ist dann kaum mehr etwas übrig. Besonders prekär: Unter den Kindern ist der Anteil der Armen doppelt so hoch – auf 260 000 schätzt ihn die Caritas, Tendenz steigend.

Die Folgen der Armut für die Jüngsten sind happig: Sie gelten als uncool, werden von Gleichaltrigen ausgegrenzt, sind eher schlecht in der Schule und kommen oft nie aus der Armutsfalle raus. «Zudem besteht für sie eine erhöhte Gefahr, dass sie als Erwachsene psychische Probleme bekommen, in eine Sucht abrutschen oder kriminell werden», sagt Ariel Leuenberger von Caritas.

Die Politik ignoriere das Problem seit Jahren, kritisiert Leuenberger. «Armut ist ein Tabu.» Die Caritas fordert deshalb, dass endlich Massnahmen ergriffen werden: Ergänzungsleistungen sowie mehr Subventionen für Krippen, Horte und andere Betreuungsangebote. «Dann könnten Alleinerziehende wieder arbeiten gehen», so Leuenberger. Und die Kinder vielleicht doch mal in die Ferien. (hal/20 Minuten)

Herr Jenny, Sie wuchsen in ärmsten Verhältnissen auf einem Kleinbauernhof auf. Was bedeutete das für Sie? This Jenny*: Wir drei Kinder waren verwahrlost. Wir hatten für nichts Geld, unsere Eltern fast nie Zeit für uns und ich musste jeden Tag Stunden im Stall krampfen. Immer wieder mal hatten wir keinen Strom. Es war für mich die Hölle.

Herr Jenny, Sie wuchsen in ärmsten Verhältnissen auf einem Kleinbauernhof auf. Was bedeutete das für Sie? This Jenny*: Wir drei Kinder waren verwahrlost. Wir hatten für nichts Geld, unsere Eltern fast nie Zeit für uns und ich musste jeden Tag Stunden im Stall krampfen. Immer wieder mal hatten wir keinen Strom. Es war für mich die Hölle.

Was war das Schlimmste?

Dass die Eltern meiner Freunde sagten, sie sollen uns meiden. Denn man sah uns die Armut an: Die Kleider, die wir von der Winterhilfe erhielten, waren zerrissen und nie gewaschen. Ich schämte mich.

Wie haben Sie sich zum Multimillionär hochgekämpft?

Ich wollte unbedingt raus aus diesem Schlamassel und war deshalb sehr ehrgeizig. Ich machte eine Maurerlehre, wurde diplomierter Baumeister und arbeitete mich bis zum Mehrheitsbesitzer einer Baufirma mit rund 250 Angestellten hoch. Für mich ist klar: Jeder kann sich selbst aus dem Armutssumpf befreien – wenn er bereit ist, alles dafür zu geben. (hal)

* This Jenny ist SVP-Ständerat

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