Swiss Arctic Project: «28 Grad am Abend – das ist doch verrückt!»
Aktualisiert

Swiss Arctic Project«28 Grad am Abend – das ist doch verrückt!»

Die Teilnehmer des Swiss Arctic Project waren in Spitzbergen den Folgen des Klimawandels auf der Spur. 20 Minuten berichtete hautnah von den Erlebnissen der Crew.

von
D. Krähenbühl
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Am Strand von Saarstangen dösen einige Walrosse. Die Tiere sind sehr jung und haben noch keine grossen Erfahrungen mit Menschen,

Am Strand von Saarstangen dösen einige Walrosse. Die Tiere sind sehr jung und haben noch keine grossen Erfahrungen mit Menschen,

Die Teilnehmenden: Jasmin Huser (20) aus Rapperswil-Jona SG, Tessa Viglezio (21) aus Lugano TI, Joëlle Perreten (22) aus Bussigny VD, Janine Wetter (21) aus Fehraltdorf ZH und Antoine Carron (19) aus Fully VS.

Die Teilnehmenden: Jasmin Huser (20) aus Rapperswil-Jona SG, Tessa Viglezio (21) aus Lugano TI, Joëlle Perreten (22) aus Bussigny VD, Janine Wetter (21) aus Fehraltdorf ZH und Antoine Carron (19) aus Fully VS.

20M
Fast ist alles gepackt: Am 16. Juli geht es mit dem Flugzeug auf die Insel Spitzbergen.

Fast ist alles gepackt: Am 16. Juli geht es mit dem Flugzeug auf die Insel Spitzbergen.

privat

20 Minuten berichtet vom 16. Juli bis zum 7. August im Liveticker von der Arktis-Reise!

Gefütterte Stiefel, Schal, Mütze, Gletscherbrille und lange Unterhosen: Die Packliste lässt erahnen, dass die Reise mitten im Sommer nicht auf die Seychellen oder Mauritius führt, sondern weiter nördlich – viel weiter. Heute fliegen die fünf Teilnehmer des Swiss Arctic Project mit einem CO2-kompensierten Flug nach Spitzbergen und gehen dann an Bord des Forschungsschiffes MV San Gottardo.

Haben sie die 3440 Kilometer hinter sich gebracht, bleibt ihnen jedoch keine Zeit, um sich an Deck zu sonnen: Im Rahmen des Swiss Arctic Projects sollen die Teilnehmenden über die in der Arktis besonders sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels berichten. Und zwar direkt auf Social Media: Jede und Jeder soll sich so eine eigene Meinung zum Thema bilden können.

Astronomische Preise

Die Arktis-Reise fordert ihren Besuchern jedoch alles ab: Es erwarten sie tobende Stürme auf dem Polarmeer, Temperaturen im Minusbereich und hungrige Eisbären an Land. Nervös sind die Teilnehmenden im Vorfeld der Expedition jedoch nicht: «Unser Team kennt sich noch nicht sehr lange, aber wir verstehen uns trotzdem schon fast blind», sagt Antoine Carron (19) aus Fully VS. Jasmin Huser (20) stimmt ihm zu: «Am meisten freue ich mich darauf, Zeit mit dem Team verbringen zu können – die letzten Tage waren nämlich recht stressig.»

In den letzten Tagen mussten die Teilnehmenden einige Vorbereitungen für ihre Reise treffen. Sie mussten sich beispielsweise einem ärztlichen Check-up unterziehen. Bei einem Notfall würde es rund zwei Tage dauern, bis man Hilfe organisieren könnte. Ein weiteres Problem während der Expedition stellt die Internetverbindung dar.

Heutzutage ist es alltäglich, entweder per Smartphone oder Computer unbegrenzt Daten zu empfangen oder zu versenden. In der Arktis gilt dies nicht: Für 1 Gigabyte bezahlt man auf dem Boot bis zu 16'000 Franken (14'000 Euro). Dass die internationalen Forscher in Ny-Ålesund und Longyearbyen ihre Glasfaserkabel auch für die Klima-Forscher aus der Schweiz freigeben, ist daher ein Glücksfall.

Diverse Experimente geplant

Die Teilnehmenden surfen jedoch nicht den ganzen Tag auf Instagram, sondern betreiben diverse Experimente mit dafür mitgebrachtem Labor-Equipment während der Expedition. «Mit einem Netz sammeln wir Mikroplastik und analysieren, welche Bakterien auf dem Plastik leben. So wird man vielleicht eine Bakterienart finden, die den Mikroplastik abbaut», sagt ETH-Studentin Janine Wetter (21), die nach Ende der Klima-Expedition ein Austauschsemester an der Uni Spitzbergen verbringen wird.

Andere Experimente beinhalten das Sammeln von Wasserproben für eine norwegische Universität, die Entnahme von Bodenproben und Temperatur-Messungen im arktischen Permafrost in Zusammenarbeit mit lokalen Forschern. «Unsere Leser sind auf jedem Schritt der Reise dabei – langweilig wird es sicher nicht», sagt Wetter.

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