Snapchat-Protokoll: 28-Jähriger plante Anschläge in der Schweiz
Aktualisiert

Snapchat-Protokoll28-Jähriger plante Anschläge in der Schweiz

In Frankreich sitzt ein Mann in Untersuchungshaft. Er hatte sich via Snapchat über einen Doppelanschlag in Genf und Lausanne ausgetauscht.

von
chi
Sollte hier ein Terrorakt verübt werden? Das Seebecken von Genf. (Archiv)

Sollte hier ein Terrorakt verübt werden? Das Seebecken von Genf. (Archiv)

Keystone/Salvatore Di Nolfi

Auf dem Handy eines 28-Jährigen wurden Snapchat-Nachrichten mit terroristischem Inhalt gefunden. In einer war zu lesen: «Wir werden Sprengsätze in Lausanne und in einer Kirche in Genf zünden. Wir sehen uns im Paradies wieder, kümmere dich um meine Frau, lass mich dem IS die Treue schwören.» Der Mann hatte offenbar zusammen mit dem Empfänger der Botschaften einen Anschlag in den genannten Städten geplant, wie die Genfer Zeitung «Le Temps» berichtet.

Der Mann mit algerisch-türkischen Wurzeln war der französischen Polizei schon bekannt gewesen. 2015 war er auf der Reise nach Syrien angehalten und vorübergehend in ein französisches Gefängnis gebracht worden. Danach hatte er den Status eines möglichen Gefährders der nationalen Sicherheit erhalten.

Besucher einer Taufe bedroht

Erst im August 2017 wurde der Mann erneut verhaftet. Grund waren jedoch nicht die Snapchat-Nachrichten, sondern ein Zwischenfall in einer Kirche in der französischen Stadt Annemasse nahe der Schweizer Grenze. Der Mann platzte in eine Taufzeremonie, bedrohte die Teilnehmer und rief «Allahu Akbar» («Allah ist gross»). Einer der Anwesenden verständigte darauf die Polizei, was zur Verhaftung führte.

Einen Tag später wurde das Handy mit den einschlägigen Nachrichten sichergestellt. Die Polizei fand es im Auto der Ehefrau des 28-Jährigen, als diese am 13. August an der schweizerisch-französischen Grenze angehalten wurde. Neben den Handys des Ehepaars beschlagnahmte die Polizei ausserdem zwei waffenscheinpflichtige Gummigeschoss-Pistolen. Die Frau wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Der 28-Jährige sitzt momentan in Lyon in Untersuchungshaft, wo er wegen Anzeichen von Schizophrenie und einer bipolaren Störung psychologisch betreut wird. Ein psychologisches Gutachten wurde angeordnet. Sofern es sein mentaler Zustand zulässt, muss er am 12. Oktober vor einem Westschweizer Gericht erscheinen.

Deine Meinung