Karlsruher Prozess: 28 Jahre nach Tat – sechs Jahre Haft für Mörder
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Karlsruher Prozess28 Jahre nach Tat – sechs Jahre Haft für Mörder

Unerkannt lebte ein heute 48-jähriger Mann, der im Sommer 1987 in Karlsruhe eine Frau erwürgt hatte, während fast 30 Jahren in Basel. Jetzt fiel sein Urteil.

von
mak
In einem Wald bei Karlsruhe erdrosselte ein Mann vor 28 Jahren eine junge Italienerin. Nun wurde er verurteilt.

In einem Wald bei Karlsruhe erdrosselte ein Mann vor 28 Jahren eine junge Italienerin. Nun wurde er verurteilt.

Auf bestialische Art tötete ein heute 48-jähriger Mann vor 28 Jahren eine junge Italienerin. Nun wurde er vom Landgericht Karlsruhe verurteilt. Der Angeklagte muss wegen Mordes sechs Jahre ins Gefängnis.

Der Mann war zum Zeitpunkt der grausamen Tat 20 Jahre alt. Deshalb wurde er nach dem Jugendstrafrecht behandelt. Damit lag die Höchststrafe bei zehn Jahren, nach dem Erwachsenenstrafrecht wird Mord mit lebenslanger Haft bestraft.

Ein Sachverständiger attestierte ihm verminderte Steuerungsfähigkeit und erhebliche geistige Unreife, wie «Spiegel online» schreibt. Auch das Geständnis des Mannes wirkte sich strafmildernd aus. «Ohne dieses Geständnis wäre der Täter nie gefasst worden», sagte der vorsitzende Richter.

Die Verteidigung hatte auf Totschlag und damit auf Freispruch wegen Verjährung plädiert. Die Staatsanwaltschaft forderte sechs Jahre Haft wegen Mordes.

Polizei ging von rascher Ergreifung aus

«Sie hat mich beschimpft, dann bin ich ausgerastet», sagte der Angeklagte zum Auftakt des Prozesses. Die 25-Jährige habe ihn angesprochen und nach Pferden gefragt, während er auf einer Bank sass. Dann sei die Italienerin weggefahren. Er habe sie kurz darauf mit seinem Fahrrad verfolgt, eingeholt und von ihrem Rad gerissen, weil er mit ihr schlafen wollte.

Der 48-Jährige räumte ein, das Opfer mit blossen Händen erwürgt und mit einem Holzstück malträtiert zu haben. An viele Details konnte er sich nach eigenen Angaben nicht erinnern – etwa an den Missbrauch. Den hatte die Obduktion jedoch ergeben.

Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, den Täter schnell zu finden: Im nahegelegenen Wildparkstadion hatte damals ein Konzert mit Tina Turner stattgefunden; mehrere Zeugen hatten in der Nähe des Waldstücks einen jungen Mann gesehen. Doch weder ein Phantombild noch die Hinweise oder die hohe Belohnung von 15'000 Mark führten zum Täter.

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