Strassenschlachten: 29 Menschen sterben bei Krawall in Ägypten
Aktualisiert

Strassenschlachten29 Menschen sterben bei Krawall in Ägypten

Ägypten ist immer noch tief gespalten. Am Samstag gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften. Mindestens 29 Menschen starben.

Muris-Anhänger gegen die militärischen Sicherheitskräfte: Bei den Strassenschlachten Kairo am 25. Januar 2014 starben mindestens vier Menschen.

Muris-Anhänger gegen die militärischen Sicherheitskräfte: Bei den Strassenschlachten Kairo am 25. Januar 2014 starben mindestens vier Menschen.

Überschattet von Gewalt und strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat Ägyptens Übergangsregierung den dritten Jahrestag der Revolution von 2011 gefeiert.

Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen am Samstag des Volksaufstandes in Ägypten sind mindestens 29 Menschen getötet worden. Das sagte am Samstagabend ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Kairo. Allein 26 Todesopfer habe es in der Hauptstadt und ihren Vororten gegeben, wo sich Regierungsgegner den ganzen Tag blutige Strassenschlachten mit der Polizei lieferten.

Zehntausende Anhänger der Führung strömten am Samstag mit ägyptischen Fahnen und Bildern des obersten Militärs, General Abdel Fattah al-Sisi, zum Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo.

Eher kleinere Gegenkundgebungen der Muslimbruderschaft und von Revolutionsaktivisten löste die Polizei mit Gewalt auf. Unter anderem ging die Polizei am Samstag in Kairo mit Tränengas gegen hunderte islamistische und liberale Demonstranten vor, die gegen Armee und Regierung protestierten. Die Polizei feuerte auch Schrotschüsse ab.

Autobombe in Suez

In der Hafenstadt Suez explodierte eine Autobombe in einer an die Polizeistation angrenzenden Strasse. Mindestens neun Menschen seien verletzt worden, teilte die Armee mit. Zudem wurde eine kleine Brandbombe gegen die Mauer eines Ausbildungszentrums der Polizei in Kairo geworfen. Bei der Explosion sei ein Mensch verletzt worden, erklärte das Gesundheitsministerium.

Am 25. Januar 2011 hatten auf dem Tahrir-Platz Massenproteste gegen den autoritären Polizeistaat begonnen. Sie weiteten sich auf das ganze Land aus und zwangen nach 18 Tagen den Langzeitherrscher Husni Mubarak zum Rücktritt.

Militärchef Al-Sisi lässt sich feiern

Sympathiekundgebungen für die Regierung fanden am Samstag auch in anderen Teilen Kairos und in den meisten Städten des Landes statt.

Die Demonstration der Regierungsanhänger auf dem Tahrir-Platz wirkte teils wie ein organisiertes Familienfest, teils wie eine Kampagnen-Veranstaltung für Al-Sisi. Zu sehen waren Transparente mit Aufschriften wie «Erfülle deine Mission!».

Der mächtige Militärchef hatte im vergangenen Juli den gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt, die Macht aber formal in die Hände einer zivilen Übergangsregierung gelegt. In spätestens drei Monaten sollen Präsidentenwahlen abgehalten werden. Al-Sisi hat seine Kandidatur noch nicht erklärt, sie gilt aber als wahrscheinlich.

Strenge Sicherheitsmassnahmen

Die Sicherheitsvorkehrungen am Samstag waren enorm. Militärhelikopter kreisten in der Luft. Armeepanzer und Stacheldraht riegelten den Tahrir-Platz hermetisch ab. Die Teilnehmer der Kundgebung mussten durch eigens aufgestellte Sicherheitsschleusen gehen, um das Einschmuggeln von Waffen und Bomben zu verhindern.

Gegendemonstranten konnten sich nur an einer der Zugangsstrassen formieren. Die Polizei trieb sie mit Tränengas und Schüssen in die Luft auseinander.

Bombenanschläge am Freitag steigerten die Nervosität zusätzlich. Die al-Kaida-nahe Organisation Ansar Beit al-Makdis hatte am Freitag vor der Sicherheitsdirektion der Kairoer Polizei eine Sprengladung gezündet. Bei der Explosion im Morgengrauen starben vier Menschen. Bei zwei weiteren Anschlägen waren zwei Menschen getötet worden. (sda)

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