Digitalisierung: 3-D-Druck macht den Gang zum Zahnarzt angenehmer
Aktualisiert

Digitalisierung3-D-Druck macht den Gang zum Zahnarzt angenehmer

Die Digitalisierung krempelt die Wirtschaft um. Nun erreicht sie auch die Zahntechniker. Den Patienten könnten so unangenehme Prozeduren erspart werden.

von
Kaspar Wolfensberger
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Der Gang zum Zahnarzt ist unangenehm - vor allem, wenn man sich eine Zahnkrone implantieren lassen muss.

Der Gang zum Zahnarzt ist unangenehm - vor allem, wenn man sich eine Zahnkrone implantieren lassen muss.

Keystone/Gaetan Bally
Im Gegensatz zu früher können Zahtechniker die Kronen heute allerdings digital am Computer entwerfen, wie dieses Bild zeigt.

Im Gegensatz zu früher können Zahtechniker die Kronen heute allerdings digital am Computer entwerfen, wie dieses Bild zeigt.

zVg
Eine fertige, digital-hergestellte Krone, wie sie aus der Maschine kommt.

Eine fertige, digital-hergestellte Krone, wie sie aus der Maschine kommt.

zVg

Wer sich bisher beim Zahnarzt eine Krone einsetzen liess, musste sich auf ein aufwändiges Prozedere gefasst machen. Zuerst benötigte der Zahnarzt einen Abdruck der Zähne, wofür der Patient in eine spezielle Algen-Gummimasse beissen musste. Dann wurde die Krone in aufwendiger Handarbeit vom Zahntechniker modelliert und fertig gestellt. Als Basis dafür diente dem Techniker der vom Zahnarzt gelieferte Abdruck.

Dank digitaler Technologie gehört der brechreizauslösende Biss in die Knetmasse bald der Vergangenheit an. Neu werden die Zähne mit einer speziellen Oralkamera aufgenommen oder von allen Seiten her fotografiert. Für die Patienten dürfte die Behandlung deshalb um einiges angenehmer werden, das Verfahren ist fast berührungsfrei. Sollte doch ein Würgreiz entstehen, können die Kameras jederzeit aus dem Mund der Patienten genommen werden.

Direkt online versendet

Den digitalen Abdruck, der so entsteht, sendet der Zahnarzt direkt elektronisch an das Zahnlabor. Die Bilddaten kann der Arzt vor dem Versenden nochmals am Monitor kontrollieren und gegebenenfalls nachbearbeiten. Er sieht so bereits, was bei der klassischen Abformung erst der Zahntechniker nach dem Herstellen eines Gipsmodells beobachten konnte.

Auch der Job des Zahntechnikers verändert sich durch die Digitalisierung radikal. Anstatt die Modelle und die Kronen Schritt für Schritt von Hand mit dem Wachsmesser zu fertigen, können moderne Zahntechniker direkt am Computer die Kronen entwerfen. Dazu laden sie die Daten, die ihnen vom Zahnarzt übermittelt wurden, mithilfe einer speziellen Software. Die Krone können die Zahntechniker dann direkt am Computer designen – so, dass sie perfekt in die Zahnlücke passt und den Wünschen des Patienten entspricht.

Modelle aus dem 3-D-Drucker

Praktisch an der Modellierung am Computer ist ausserdem: Mithilfe der modernen Software-Programme kann der Biss des Patienten simuliert werden. Der Computer kann so direkt feststellen, ob die Krone der längerfristigen Benutzung standhalten wird und ob sie stabil genug designt ist. Damit eine Endkontrolle trotz fehlender Gipsmodelle stattfinden kann, werden mittels 3D-Drucker Kontrollmodelle hergestellt, um die Passgenauigkeit zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Auch dieser Schritt erfolgt komplett digital.

«Wir gehen davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren fast alle unsere Zahntechniker nur noch vom Computer aus arbeiten werden», erklärt Stefan Studer, Mitinhaber des zahntechnischen Labors Baumgartner und Studer aus Zürich, wo knapp 40 Personen arbeiten. Die Zeiten der klassischen Herstellung von Zahnkronen von Hand sei definitiv vorbei. «Ehrlich gesagt hinken wir dem Ausland sogar ein bisschen hinterher, das ein bisschen schneller war als wir, was die Digitalisierung der Zahntechnik anbelangt», gesteht Studer. Doch der Wandel schreite auch bei uns unaufhaltsam voran: «Bald werden alle unsere Zahntechniker moderne, digitalaffine Zahndesigner sein.»

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