Aktualisiert 30.03.2013 11:57

Durch Verfügung

3+ lässt offenbar TV-Quoten verstecken

Der Streit um die Zuschauer-Quoten hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Offenbar hat der Sender 3+ bewirkt, dass Dritten ein Einblick in die Zahlen verwehrt bleibt.

von
jbu

Der Streit um das neue Messsystem für TV-Zuschauerzahlen wird immer erbitterter geführt. Mit einer superprovisorischen Verfügung hat nun ein Gericht Mediapulse untersagt, Daten an Dritte weiterzugeben. Sprecher Nico Gurtner bestätigte am Donnerstag auf Anfrage eine Meldung von NZZ Online. Bislang wurden die Zahlen zwar nicht öffentlich gemacht - die Veranstalter und Vermarkter hatten aber informell Einblick.

Gemäss dem Bericht hat der Privatsender 3+, der vom Werbelogistiker Goldbach vermarktet wird, die Verfügung erwirkt. Gurtner konnte dies allerdings nicht bestätigen.

Privatsender unter Druck

Weshalb der Sender sich zu diesem Schritt entschieden hat, wird im Artikel nicht erläutert. Aus geheimen Zahlen, die 20 Minuten vorlagen, geht jedoch hervor, dass 3+ bei den neuen TV-Quoten von Mediapulse zu den grossen Verlierern gehört - zusammen mit anderen Privatsendern.

Klar ist auch: Die schlechten Zahlen sind für die betroffenen Sender verheerend. Hunderte Millionen an Werbegeldern stehen auf dem Spiel. Entsprechend heftig wird deshalb seit Wochen darüber gestritten, ob diese Zahlen stimmen.

Kein Ende des Quoten-Debakels in Sicht

Wie es mit dem Anfang Jahr in Betrieb genommenen Messsystem weiter geht, ist noch unklar. Sicher ist lediglich, dass mit dem Entscheid die Lage für die Firma Mediapulse, die sich in den letzten Wochen um Schadensbegrenzung bemüht hatte, noch ungemütlicher wird.

Am Anfang stand die Umstellung auf ein neues Messsystem für TV-Zuschauerzahlen, das das bisherige, auf analoges Fernsehen ausgerichtete System ersetzen sollte. Es soll das Verhalten der Fernsehzuschauer besser erfassen, etwa indem es auch zeitversetztes Fernsehen und TV-Konsum via Internet berücksichtigt.

Eklat im Februar

Wegen Problemen bei der Datenauswertung und Zweifeln an der Verlässlichkeit der Ergebnisse musste die Publikation der Zahlen verschoben werden. Mitte Februar kam es zum Eklat, als Mediapulse kurzfristig auf die Veröffentlichung verzichten musste.

Internationale Experten wurden beauftragt, das Messsystem unter die Lupe zu nehmen. Die beiden bestellten Berichte liegen vor, sind aber noch nicht veröffentlicht. Einer davon untersuchte, ob die internationalen Standards der Medienforschung eingehalten werden. Der andere analysiert, ob die Abbildung der regionalen Eigenheiten der Schweiz sachgerecht ist. (jbu/sda)

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