Aktualisiert 26.10.2010 05:50

Schweiz

3 Prozent besitzen so viel wie der Rest

Die finanzielle Ungleichheit in der Schweiz ist extrem. Solange sich das Steuersystem nicht ändert, bleibt das gemäss der Studie «Wie Reiche denken und lenken» auch so.

von
Gérard Moinat
Die 300 reichsten Schweizer verfügen über 449 Milliarden Franken. (Bild: Colourbox)

Die 300 reichsten Schweizer verfügen über 449 Milliarden Franken. (Bild: Colourbox)

Als «ein einzig Volk von Brüdern» beschrieb Friedrich Schiller vor über 200 Jahren die Schweiz. Heute, im 21. Jahrhundert, gilt das nicht mehr: Der Anteil hoher Vermögen im Vergleich mit 20 Industrie- und Schwellenländern ist in der Eidgenossenschaft am grössten. «Die soziale Schere ist in keinem Land so gross wie in der Schweiz», zu diesem Schluss kommt der Basler Soziologie­professor Ueli Mäder in der neuen Studie «Wie Reiche denken und lenken». «In der Schweiz haben mittlerweile weniger als 3 Prozent der privaten Steuerpflichtigen gleich viel steuerbares Nettovermögen wie die restlichen 97 Prozent.»

Die soziale Schere sei in der Schweiz so stark auseinandergedriftet wie kaum sonst wo, ausser in Namibia und Singapur (siehe Box). «Überraschend war für mich gerade die enorme Zunahme des Reichtums», sagt Mäder. Die Vermögen der 300 Reichsten seien in der Schweiz in den letzten ­zwanzig Jahren von 86 auf 449 Milliarden Franken ­angestiegen. Jeder zehnte Milliardär der Welt wohnt mittlerweile in der Schweiz. Hauptgrund sind die Erbschaften: 10 Prozent der Erben in der Schweiz bekommen drei Viertel der gesamten Erbsumme von geschätzten 40 Milliarden Franken im Jahr 2010. «Eine Umverteilung findet kaum mehr statt», schreiben die Studienautoren.

Um dies zu ändern, schlagen sie vor, das Steuersystem anzupassen. So sollen etwa hohe Einkommen und Vermögen stärker besteuert werden. «Wichtig ist auch eine Kapitalgewinnsteuer für natürliche Personen.» Ausser Griechenland sei die Schweiz das einzige OECD-Land, das auf die Steuer verzichte.

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