Aktualisiert 19.05.2007 15:06

3. Tagsatzung ohne Bischof Koch

Mehr Engagement in der sozialen Frage, keine Diskriminierungen und eine bessere Rechtskultur in der Kirche: Das sind Forderungen der Tagsatzung im Bistum Basel, an der rund 150 Katholiken teilgenommen haben.

Nicht dabei war Bischof Kurt Koch. Die Tagsatzung ist ein von Kircheninstitutionen unabhängiges Forum zur Diskussion von Reformanliegen in der Römisch-katholischen Kirche. Nach 1998 in Luzern und 2001 in Bern fand sie vom Donnerstag bis zum Samstag in Allschwil BL zum dritten Mal statt. Leitthema waren Menschenrechte in- und ausserhalb der Kirche.

In einer am Samstag verabschiedeten Schlusserklärung formulierten die Teilnehmenden insgesamt 14 Forderungen. Zudem seien an der Versammlung zehn Projekte aufgelistet worden, die nun von Arbeitsgruppen behandelt werden sollen, hiess es an einer Medienkonferenz.

Bedauern über Kochs Fernbleiben

Wie der Tagsatzungssprecher, Kapuziner Walter Ludin, zudem sagte, wurde die Abwesenheit von Bischof Kurt Koch und der Bistumsleitung bedauert. In Luzern und Bern hatte Koch noch teilgenommen. Dass sie in Allschwil nicht mit dabei sein werde, hatte die Bistumsleitung indes schon im November klar gemacht.

Sie hielt den Organisatoren vor, dass sich im Vorfeld die «eingeforderte Gesprächskultur» nicht ergeben habe. Der Vorstand des Trägervereins der Tagsatzung wies dies aber bereits damals zurück. In Allschwil sei die Abwesenheit von Koch allerdings nicht das Hauptthema gewesen, sagte Ludin.

Gegen Schmarotzer-Kampagne

In der Schlusserklärung weit vorne stand die soziale Frage: Bistum, Landeskirchen, Kirchgemeinden und Pfarreien müssten ihr mehr Aufmerksamkeit schenken. Das sei von entscheidender Bedeutung für die Glaubwürdigkeit der Kirche, die auch auch auf die Umsetzung der in der Bundesverfassung verankerten Sozialziele achten solle.

Eines der Projekte der Tagsatzung sieht zudem das Erstellen eines Sozialpapiers vor, um ein «Gegengewicht gegen Kampagnen einer bestimmten Partei» zu schaffen, wie Ludin sagte: Wer in Not ist, habe ein Recht auf Hilfe vom Staat; diese Menschen als Schmarotzer zu bezeichnen, sei ein Skandal.

Weiter will die Tagsatzung, dass die Kirchenverantwortlichen entschieden für die Beseitigung von Diskriminierungen in der Kirche eintreten. Die gegenwärtige kirchliche Praxis diskriminiere besonders Frauen, geschiedene Wiederverheiratete und Menschen gleichgeschlechtlicher Orientierung.

Klarheit bei Missio-Entzug

In der Kirche müssten zudem die Rechtskultur verbessert und der Einhaltung der Menschenrechte Nachachtung verschafft werden. Ohne den Röschenzer Priester Franz Sabo namentlich zu erwähnen, fordert die Erklärung transparente Kriterien und Entscheide auf der Basis rechtsstaatlicher Verfahren bei Erteilung oder Entzug der Missio Canonica.

Weitere Forderungen betreffen etwa das Vertrauen in Gremien der Staatskirche, Gottesdienste für reformorientierte Katholiken oder die Durchführung einer Diözesansynode. Die nächste Tagsatzung soll laut Ludin in zwei oder drei Jahren durchgeführt werden. Initiator der ersten Tagsatzung war der Freiburger Pastoraltheologe Leo Karrer.

(sda)

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