Aktualisiert 17.05.2016 12:10

Stadt Zürich30'000 Anrufe wegen einer einzigen Wohnung

Für gewisse Stadt-Wohnungen erhält man den Besichtigungstermin nur per Telefon. Die Chancen durchzukommen, sind allerdings fast gleich null – zum Ärger vieler Interessenten.

von
rom
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Um die freiwerdende, städtische Wohnung in einem der sogenannten Schindelhäuser in Zürich-Wipkingen besichtigen zu können, benötigte man einen Termin via Telefon. (Bild: rom)

Um die freiwerdende, städtische Wohnung in einem der sogenannten Schindelhäuser in Zürich-Wipkingen besichtigen zu können, benötigte man einen Termin via Telefon. (Bild: rom)

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Durchzukommen war allerdings Glückssache, wie die Liegenschaftenverwaltung bestätigt.

Durchzukommen war allerdings Glückssache, wie die Liegenschaftenverwaltung bestätigt.

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Besichtigungstermine von städtischen Wohnungen - hier die Hardau-Hochhäuser - nur per Telefon: Das ist keine Seltenheit und kommt immer dann vor, wenn die Wohnung noch vermietet ist.

Besichtigungstermine von städtischen Wohnungen - hier die Hardau-Hochhäuser - nur per Telefon: Das ist keine Seltenheit und kommt immer dann vor, wenn die Wohnung noch vermietet ist.

Keystone/Steffen Schmidt

Das Inserat las sich verlockend – wie meistens, wenn die Stadt Zürich freie Wohnungen im «Tagblatt» ausschreibt. Zwei Zimmer auf 45 Quadratmetern an der Dorfstrasse in Wipkingen. Einfacher Standard mit Dusche, Keller- und Estrichabteil für monatlich schlappe 921 Franken, keine Mietbedingungen. «Die muss ich haben», dachte Andrea Arezina. Die 32-Jährige sucht dringend eine günstige Wohnung, weil sie ihr WG-Zimmer räumen muss.

Der einzige Haken: Den Besichtigungstermin erhielt man nur auf telefonische Anfrage am Montag vor einer Woche zwischen 14 und 14.30 Uhr. «Da wir wussten, dass es schwierig wird, haben wir zu fünft einen Whatsapp-Chat gestartet und alle haben es probiert», sagt Arezina. Allein sie wählte die Telefonnummer 139-mal.

Genützt hat es trotzdem nichts – weder Arezina noch ihre vier Kolleginnen kamen durch. «Ein bescheuertes System», sagt das SP-Mitglied und hat auch gleich eine Forderung: Die Stadt soll besser ein Online-Formular einführen. «Das ist zeitgemässer, würde gleiche Chancen für alle bedeuten und der administrative Aufwand wäre überschaubar – vieles kann man automatisieren.»

«Wir hören diese Klage ab und zu»

Bei der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich (LVZ) hat man Verständnis für den Ärger der Interessenten: «Wir hören diese Klage ab und zu», sagt Sprecher Kuno Gurtner. «Doch wenn, wie in diesem Fall, die Wohnung noch bewohnt ist, verfahren wir schon seit Jahren nach diesem System.»

Grund: Würde man den Besichtigungstermin wie bei leeren Wohnungen im «Tagblatt» publizieren, hätte dies zur Folge, dass je nachdem in kurzer Zeit insgesamt bis zu 150 Personen durch die Zimmer spazieren. «Das können wir den Mietern nicht zumuten», so Gurtner.

Zudem vereinfacht das Telefon das Auswahlverfahren. In jener halben Stunde schaffen es nur 30 bis 40 Interessenten telefonisch durchzukommen – und das bei bis zu 30'000 Anrufversuchen, wie laut Gurtner eine einmalige Abklärung bei Swisscom ergeben hat: «Damit verfügen wir jeweils bereits über eine gute Auswahl von Interessenten mit Blick auf die soziale Durchmischung oder die zu erfüllenden Mietbedingungen.»

Künftig Online-Bewerbungen?

Die LVZ prüfe laufend Verbesserungen, auch Online-Bewerbungen seien ein Thema. Gurtner: «Aber unabhängig vom Verfahren steigen die Chancen für den Einzelnen nicht, wenn wir 150 Bewerbungen prüfen statt ‹nur› 35 – am Ende ist eine Wohnung zu vergeben.»

Auf Online-Bewerbungen setzt beispielsweise die Familienheim-Genossenschaft (FGZ) – mittels einer eigens entwickelten Software. Im Formular muss man Angaben etwa zur Anzahl Kinder, zum Umzugsgrund oder zum Lohn eintragen. Ein Algorithmus erstellt hernach eine Rangliste der Anwärter und erleichtert so der FGZ die Vorauswahl und macht diese transparenter. Zudem ist die Anzahl Online-Bewerbungen beschränkt.

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