Aktualisiert 24.02.2014 07:59

Marokko

30'000 Migranten auf dem Sprung nach Europa

Zehntausende afrikanische Migranten warten an der marokkanischen Küste auf ihre Chance, über einen Grenzzaun nach Spanien zu gelangen. Ihre Hoffnung geben sie nicht auf.

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«Heute ist der Tag, an dem wir endlich über den Zaun klettern werden», sagt der 25-jährige Abou Deseigne. Jeder Tag könnte der Tag sein, stellt er klar. Der Schwarzafrikaner ist einer von rund 30'000 Flüchtlingen, die laut Angaben des spanischen Geheimdienstes an der marokkanischen Küste auf eine Gelegenheit warten, nach Spanien – und somit in die Europäische Union – zu gelangen.

Gegenüber einem Reporter der Tageszeitung «El Mundo» erzählt der junge Afrikaner, wie er sich fühlt. «Wir haben nichts zu essen und nichts zu trinken, aber wir haben Facebook. Schreib dir also meinen Namen auf, damit wir uns treffen können, sobald ich es auf die andere Seite des Zauns geschafft habe und in Madrid bin.» Denn eins ist für Deseigne klar: Er wird es schaffen.

Doppelter und 7 m hoher Stacheldrahtzaun

Mittellose Afrikaner versuchen immer wieder in einem Massenansturm von marokkanischem Gebiet aus die Grenzbefestigungen der spanischen Esklaven Ceuta und Melilla an der nordafrikanischen Küste zu durchbrechen. Dafür müssen diese Menschen – hauptsächlich Männer – einen 7 m hohen doppelten Stacheldrahtzaun überwinden.

«Seit ich hier bin, habe ich meine Mutter nicht angerufen. Ich kann ihr doch nicht sagen, wo ich bin, denn sie würde das als Misserfolg verstehen», sagte ein Mann namens François zu «El Mundo». Die jungen Männer gehen oft in ein Internet-Café im naheliegenden Nador und hoffen auf eine Nachricht von diejenigen, die es geschafft haben, über den Zaun zu klettern. «Wie viele sind schon in Melilla? 150? Ist es wahr, dass die spanische Behörden sie nicht zurückgeschickt haben?», fragen sich alle.

Die Behörden sind überfordert

Tatsächlich werden die meisten Afrikaner damit rechnen können, auf EU-Gebiet bleiben zu dürfen. Eine Abschiebung scheitert meist daran, dass ihre Herkunftsländer nicht feststellbar sind oder diese die Rücknahme ihrer Bürger verweigern.

Die Grenzbeamten seien zudem völlig überfordert, sagte kürzlich ein Sprecher der spanischen Polizeigewerkschaft UFP. «Wir sind nicht darauf vorbereitet, dem Druck von 30'000 Menschen standzuhalten», meinte Serafín Giraldo gegenüber «El País».

Auf dem Weg werden die Männer geschlagen und beklaut

Die marokkanische Polizei würde derweil alles tun, um den Migranten das Leben in den improvisierten Zeltstädten schwerzumachen, erzählen die Schwarzafrikaner weiter. «Sie verbrennen unsere Zelte oder beschlagnahmen unsere Taschen mit Kleidern.» Was ihnen lebenswichtig ist – die Bilder ihrer Frauen oder Eltern – verstecken sie in Metallbüchsen, die sie an geheimen Orten vergraben. Erst am Tag, an dem die Zaunüberquerung geplant sei, wird die Dose hervorgeholt.

«Europa ist besser als das, oder?», fragt der 17 Jahre alte Didier den Journalist von «El Mundo». Der Nigerianer Abou hofft es zumindest. «Ich habe auf dem Weg hierher vieles durchgemacht. Ich bin eingesperrt, geschlagen und bestohlen worden».

Schwarzafrikaner versuchten am 2. Februar 2014 von Marokko aus über den Grenzübergang El Tarajal nach Ceuta zu gelangen

(Quelle: Youtube/Melilla Hoy)

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