Aktualisiert 07.10.2006 17:55

30'000 Ungarn demonstrieren wegen Lügenskandal

In Budapest haben am Samstagabend wieder tausende Anhänger der rechtsnationalen Opposition den Rücktritt des sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany verlangt.

Er steht seit drei Wochen wegen des so genannten Lügenskandals unter Druck.

Die Zahl der Demonstranten war am frühen Abend zunächst deutlich geringer als am Freitagabend, als sich zur Rede des Oppositionsführers Viktor Orban von der Partei FIDESZ etwa 100 000 Menschen versammelt hatten.

Die Internet-Zeitung index.hu sprach am Samstag von mehreren tausend, die Nachrichtenagentur MTI von mehreren zehntausend Demonstranten, während der oppositionsnahe Sender Hir TV 30 000 Teilnehmer angab. Andere Quellen sprachen von 15 000 Demonstranten.

Auf der friedlichen Kundgebung sprach der Vizefraktionsvorsitzende der FIDESZ Janos Ader zu den Demonstranten. Im Anschluss daran trat der in Ungarn populäre Theaterregisseur Imre Kerenyi ans Rednerpult. Nach etwa einer Stunde löste sich die Menge wieder auf.

FIDESZ-Chef Orban hatte am Freitag dazu aufgerufen, jeden Tag zwischen 17.00 und 18.00 Uhr zu demonstrieren, bis Gyurcsany zurücktrete. Er selbst werde an der Kundgebung am Samstag nicht teilnehmen, hatte er angekündigt.

Vor drei Wochen war die Tonaufnahme einer parteiinternen Rede des Ministerpräsidenten veröffentlicht worden, in der Gyurcsany einräumt, das Volk belogen zu haben, um die Parlamentswahl im April 2006 zu gewinnen. Der Vorfall löste eine immer noch andauernde innenpolitische Krise mit zeitweise gewaltsamen Massenprotesten aus.

Gyurcsany hatte am Freitag im Parlament die Vertrauensfrage gestellt. Er war erwartungsgemäss mit 207 zu 165 Stimmen im Amt bestätigt worden.

(sda)

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