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Stadt Zürich30- bis 39-Jährige landen am meisten im Hotel Suff

751 berauschte Personen sind 2016 in der Zürcher Ausnüchterungszelle gelandet. Der Aufenthalt kostet sie bis zu 600 Franken – jeder Dritte hat die Rechnung nicht bezahlt.

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Die Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle der Zürcher Stadtpolizei ...

Die Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle der Zürcher Stadtpolizei ...

Keystone/Steffen Schmidt
... zählte 2018 exakt 912 eingewiesene Personen.

... zählte 2018 exakt 912 eingewiesene Personen.

Keystone/Steffen Schmidt
Das sind zwar mehr als in den Jahren zuvor.

Das sind zwar mehr als in den Jahren zuvor.

Keystone/Melanie Duchene

Vollgas geben im Ausgang – für 751 Personen endete dieser Vorsatz letztes Jahr in der Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle (ZAB). Grund: Sie haben sich oder andere gefährdet. In einer Antwort auf eine Schriftliche Anfrage der Alternativen Liste (AL) präsentiert der Zürcher Stadtrat erstmals detaillierte Zahlen zu den zugeführten Personen.

So erfährt man, dass am häufigsten 30- bis 39-Jährige zugeführt wurden: 213 von 751 Personen oder 28 Prozent, gefolgt von den 18- bis 24-Jährigen mit 166 Personen (22 Prozent). Am wenigsten oft zugeführt wurden unter 18-Jährige mit 24 Personen (3,2 Prozent). Interessant ist überdies: Von den Zugeführten sind 628 Männer (83,6 Prozent) und 123 Frauen.

Fast zwei Drittel Auswärtige

Weiter ist aufgeschlüsselt, dass in 182 Fällen eine Eigengefährdung vorlag, weshalb die Person zugeführt wurde, in 253 Fällen war es Fremdgefährdung – also beispielsweise eine Schlägerei. 189 Fälle betrafen sowohl Eigen- als auch Fremdgefährdung. Schliesslich gab es 127 gerichtspolizeiliche Fälle. In 25 Fällen musste eine Person mit dem Rettungsdienst hospitalisiert werden.

Bereits bekannt ist, dass nur 37,8 Prozent der 751 Personen in der Stadt Zürich wohnen – die restlichen fast zwei Drittel stammen aus dem Kanton Zürich (33,4%), anderen Kantonen (16,9%), dem Ausland (7,9%) oder haben nichts angegeben (4%).

Auch von welchen Polizeien die Berauschten in die ZAB gebracht wurden, ist aufgelistet: 525 wurden via Stadtpolizei Zürich zugeführt, 201 via Kantonspolizei Zürich und 25 durch Kommunalpolizeien. Denn die ZAB hat Vereinbarungen mit 41 Gemeinden im Kanton Zürich getroffen.

In puncto Aufenthaltsdauer schreibt der Stadtrat Folgendes: 32 Personen waren weniger als eine Stunde in der ZAB. Am meisten, nämlich 303 Personen, logierten während drei bis sechs Stunden dort und bei zwölf Personen dauerte das Gastspiel über 12 Stunden.

Effektive Kosten dreimal höher

Wer in der ZAB landet, muss für den Aufenthalt zwischen 400 und 600 Franken bezahlen. Die effektiven Kosten belaufen sich aber auf das Dreifache, was die Stadt pro Jahr rund zwei Millionen Franken kostet. Das ist aber immer noch günstiger, als die Berauschten wie früher in ein Spital einzuweisen. Allerdings bezahlen nicht alle brav die Rechnung: Fast 30 Prozent kneifen und müssen hernach betrieben werden.

Der Stadtrat schliesst in seiner Antwort mit den Worten, dass der Vollbetrieb der ZAB in der Volksabstimmung vom 30. November 2014 in seiner jetzigen Form deutlich gutgeheissen wurde: «Der Grundsatz, dass keine Ausnüchterung ohne medizinische Betreuung stattfinden darf, hat sich sehr bewährt, und die medizinischen Notfälle wurden rechtzeitig erkannt.»

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