Bitte nicht nachmachen: 30-Jähriger injiziert sich Magic Mushrooms – die wachsen in ihm weiter
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Bitte nicht nachmachen30-Jähriger injiziert sich Magic Mushrooms – die wachsen in ihm weiter

Um seine heftigen Stimmungsschwankungen in den Griff zu bekommen, hat sich ein Mann einen Sud aus Magic-Mushrooms gespritzt. Kurz darauf landete er mit multiplen Organversagen im Spital.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Mediziner berichten im «Journal of the Academy of Consultation-Liaison Psychiatry» von einem Mann, der sich einen Tee aus psychedelisch wirkenden Pilzen injiziert hat.

Mediziner berichten im «Journal of the Academy of Consultation-Liaison Psychiatry» von einem Mann, der sich einen Tee aus psychedelisch wirkenden Pilzen injiziert hat.

imago images/Panthermedia
Damit wollte er die Symptome seiner bipolaren Störung lindern, die nach dem Absetzen seiner vom Arzt verschriebenen Medikamente wieder aufgeflammt waren. 

Damit wollte er die Symptome seiner bipolaren Störung lindern, die nach dem Absetzen seiner vom Arzt verschriebenen Medikamente wieder aufgeflammt waren.

Getty Images/iStockphoto
Auf die Idee gekommen, dass der in Magic Mushrooms enthaltene Stoff Psyilocybin ihm Linderung verschaffen könnte, war der Mann bei Internetrecherchen. 

Auf die Idee gekommen, dass der in Magic Mushrooms enthaltene Stoff Psyilocybin ihm Linderung verschaffen könnte, war der Mann bei Internetrecherchen.

Wikimedia Commons/Scienceman71/CC BY-SA 4.0

Darum gehts

  • In den USA spritzte sich 30-jähriger Mann Magic-Mushrooms.

  • Damit wollte er die Symptome seiner bipolaren Störung lindern.

  • Sein Plan ging nicht auf. Vielmehr geriet er in Lebensgefahr.

  • Seine Ärzte warnen davor, es ihm nachzumachen.

Die Medikamente, die er von seinem Arzt wegen seiner bipolaren Störung verschrieben bekommen hatte, setzte ein 30-jähriger Amerikaner ab. Stattdessen versuchte er, die nun wieder verstärkt aufkeimenden Symptome – ein ständiger Wechsel zwischen depressiven und manischen Zuständen – auf eigene Faust in den Griff zu bekommen.

Bei seinen Recherchen stiess der Mann, der auf eine Drogenkarriere zurückblickte, auf den Stoff Psyilocybin. Der Stoff beschert den sogenannten Magic Mushrooms die psychedelische Wirkung. Gemäss früherer Studien können Mikrodosen davon helfen, schwere Depressionen oder Ängste zu lindern. Allerdings handelte es sich dabei ausschliesslich um kontrollierte Studien, bei denen die Droge oral eingenommen wurde.

Der Mann jedoch spritzte sich die Substanz, was sich als keine gute Idee herausstellte, wie es in dem im «Journal of the Academy of Consultation-Liaison Psychiatry» veröffentlichten Bericht zu dem Fall heisst.

Pilzwachstum im Blut

Der Gesundheitszustand des Mannes verschlechterte sich innert weniger Tage rapide: Als seine Familie ihn besuchte, litt er bereits unter Gelbsucht, Übelkeit, Durchfall und extremer Verwirrtheit. Zudem erbrach er Blut. Er wurde umgehend in den Notfall eingeliefert. Zum Glück.

Im Spital stellten die Ärzte eine akute Nierenfunktions- und Leberschädigung sowie multiples Organversagen fest. Auch seine Herzfrequenz war erhöht und er befand sich in einem septischen Schock, woraufhin er sofort auf die Intensivstation verlegt wurde. Dort ergaben Blutuntersuchungen, dass er sowohl eine bakterielle als auch eine Pilzinfektion im Blut hatte. Oder wie es in dem Fallbericht heisst: «Die injizierten Pilze wuchsen in seinem Blut.»

Ob diese zu seiner Verwirrung beigetragen haben könnten, ist angesichts der anderen Probleme, die zu dieser Zeit in seinem Körper auftraten, nicht eindeutig zu klären.

Gefährlicher Rausch

Die Autoren betonen, dass das Schicksal des 30-Jährigen einmal mehr die Notwendigkeit unterstreicht, «die Öffentlichkeit über die Gefahren der Verwendung von Medikamenten auf eine Art und Weise aufzuklären, wie sie nicht verschrieben werden.»

Allgemein raten Experten auch vom Verzehr der «Zauberpilze» ab: Schon vor einigen Jahren warnte die Gift-Informationsstelle Toxinfo Suisse, dass Psilocybin nicht nur euphorisch wirkt und Halluzinationen auslöst, sondern auch zu Horrortrips führen kann. Zudem könnten die Rauschzustände sehr lange dauern oder immer wieder aufflackern. Weiteres Problem: Die Menge Psylocybin variiert von Pilz zu Pilz, wodurch es schwierig ist, die Droge zu dosieren.

Hast du oder jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele, Onlineberatung für Kinder psychisch kranker Eltern

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Tel. 147

Hast du oder jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

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Deine Meinung

50 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Pilzsammler

20.01.2021, 14:38

Warum hat er es denn nicht mit Morcheln probiert. Weiss doch jeder, dass man das Problem so besser in den Griff bekommt. Trüffel sollen auch ganz ok sein.

Lezgo

20.01.2021, 13:03

Vielen dank für die aufklärung, genau jezt machen wir dies erst recht richtig nach. Wird bereits an einem impfstoff geforscht der dann den mensch immun macht gegen diese pilze?

Dr. Trump

20.01.2021, 09:05

Desinfektionsmittel spritzen hilft auch hier.