Klimawandel und Überbauung – 30 Meter tiefer Tunnel soll Bangkok vor einer Wasserkatastrophe retten
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Klimawandel und Überbauung30 Meter tiefer Tunnel soll Bangkok vor einer Wasserkatastrophe retten

Überschwemmungen sollen bis 2030 die Stadt Bangkok komplett überfluten. Stadtplaner arbeiten mit Hochdruck an einem neuen, gigantischen Abwassersystem, um einer Katastrophe zu entkommen.

von
Karin Leuthold
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Der Eingang zum Bueng-Nong-Bon-Tunnel in Bangkok, der voraussichtlich im Februar 2022 eingeweiht werden soll.

Der Eingang zum Bueng-Nong-Bon-Tunnel in Bangkok, der voraussichtlich im Februar 2022 eingeweiht werden soll.

Facebook/ProgressiveThailand
Der Tunnel liegt 30 Meter unter der Erdoberfläche.

Der Tunnel liegt 30 Meter unter der Erdoberfläche.

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Er ist fünf Meter breit und verläuft auf einer Länge von 9,4 Kilometern.

Er ist fünf Meter breit und verläuft auf einer Länge von 9,4 Kilometern.

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Darum gehts

  • Bangkok könnte in weniger als zehn Jahren komplett überflutet werden.

  • Stadtplaner und -planerinnen versuchen verzweifelt, das zu verhindern.

  • Unter anderem bauen sie ein neues riesiges Abwassersystem in 30 Metern Tiefe.

Die thailändische Metropole Bangkok muss dafür sorgen, dass sie den Kopf über Wasser halten kann: Wochenlange Regenfälle könnten in Zukunft 96 Prozent der Stadt komplett überfluten - das Problem muss schnell und effektiv gelöst werden.

Die Rettung liegt - so die Hoffnung der Entwickler und Entwicklerinnen - 30 Meter unter der Erdoberfläche: In einem fünf Meter breiten Tunnel, der auf einer Länge von 9,4 Kilometern verläuft. Der Tunnel verfügt über sieben Entwässerungsstationen entlang der Strecke zum Hauptfluss Bangkoks. Im Februar sollte das Projekt eingeweiht werden, wie das Portal «Nation Thailand» berichtet.

Bis 2030 steht Bangkok unter Wasser

In einem Bericht der Umweltorganisation Greenpeace Asia von Juni schätzten Forscher und Forscherinnen, dass Bangkok bis 2030 unter Wasser stehen wird. Verantwortlich dafür sei der Klimawandel - aber nicht nur. Auch die Stadtplanung der vergangenen Jahrzehnte, die Flächen für die Wasseraufnahme nicht mehr bereithält, um Überschwemmungen zu verhindern, trage dazu bei.

Die renommierte Landschaftsarchitektin Kotchakorn Voraakhom erinnert sich an ihre Kindheit, wie sich Bangkoks Strassen in der Regenzeit in Flüsse verwandelten, sodass sie sogar mit einem kleinen Boot auf ihnen fahren konnte. Das Wasser konnte jedes Mal abfliessen, die Häuser in tieferen Lagen blieben trocken.

Der Spass hörte 2011 auf, als die Überschwemmungen einen neuen Höhepunkt erreichten und die Millionenmetropole Bangkok die schlimmste Flut in ihrer Geschichte erlebte. 800 Menschen kamen dabei ums Leben. Seither wird es von Jahr zu Jahr schlimmer: Stärkere Regenfälle verursachten, dass die Abflusskapazität von 60 Millimeter pro Stunde übersteigt, das Wasser könne heute in Städten wie Bangkok nicht mehr seinen Weg zum Abwassersystem finden, erklärt Wijitbusaba Marome, Direktor der Forschungsabteilung für urbane Zukunft und Politik an der Thammasat-Universität, zur «Bangkok Post».

«Wir müssen mit dem Wasser leben»

Dazu stünden heutzutage Hochhäuser direkt vor den Kanälen, erzählt die 58-jährige Somjai Lamlamai zu «Spiegel Online». «Wenn es heute regnet, staut sich das Wasser in meiner Hütte wie in einem Pool», sagt die Stadtbewohnerin. Landschaftsarchitektin Voraakhom weiss, wieso das passiert: Wo es früher Grünflächen gab, die das Regenwasser speichern konnten, gebe es Pflastersteine und Beton. Bangkok sei eine der Städte mit den wenigsten Grünflächen pro Kopf, so die Architektin zum Portal «designindaba».

Voraakhom arbeitet seit Jahren daran, dies zu ändern. Sie entwarf etwa den Chulalongkorn Centenary Park - die erste öffentliche «Lunge» der Stadt seit fast drei Jahrzehnten. Ein System fängt im Park das in der Regenzeit abfliessende Wasser auf und filtert es. In der Trockenzeit wird das gesammelte Wasser zur Bewässerung der Vegetation im Park verwendet.

Die Architektin betrachtet das Problem nüchtern: «Wir dürfen keine Angst vor dem Wasser haben. Wir müssen mit ihm leben. Dafür müssen wir ihm Platz machen.»

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