Aktualisiert 26.05.2016 18:36

FCZ-Präsident Canepa30 Millionen ins Brackwasser gesetzt?

Am 23. Juli beginnt für den FC Zürich eine neue Zeitrechnung. Sportlich, aber auch finanziell. Die Aussichten sind düster.

von
Sandro Compagno
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3. August 2015 Nach nur zwei Wochen in der Meisterschaft entlässt FCZ-Präsident Ancillo Canepa Trainer Urs Meier: «Es war die drohende Gefahr der Negativspirale.» Im «Tages-Anzeiger» sagt der 63-Jährige zu dieser Aktion: «Kritische Fragen dazu lassen mich ruhig.»

3. August 2015 Nach nur zwei Wochen in der Meisterschaft entlässt FCZ-Präsident Ancillo Canepa Trainer Urs Meier: «Es war die drohende Gefahr der Negativspirale.» Im «Tages-Anzeiger» sagt der 63-Jährige zu dieser Aktion: «Kritische Fragen dazu lassen mich ruhig.»

Keystone/Walter Bieri
28. September 2015 Nach dem 0:1 gegen Luzern und Tabellenrang 8 sagt Canepa gegenüber 20 Minuten: «Langsam brauchen wir Punkte, aber vielleicht gelingt uns ja am nächsten Sonntag ein Befreiungsschlag.» Gegen Leader FCB? Immerhin reicht es dem FCZ zu einem 2:2 im Letzigrund.

28. September 2015 Nach dem 0:1 gegen Luzern und Tabellenrang 8 sagt Canepa gegenüber 20 Minuten: «Langsam brauchen wir Punkte, aber vielleicht gelingt uns ja am nächsten Sonntag ein Befreiungsschlag.» Gegen Leader FCB? Immerhin reicht es dem FCZ zu einem 2:2 im Letzigrund.

Keystone/urs Flueeler
19. Oktober 2015Nach dem 1:5 in Thun rutscht der FCZ auf den letzten Rang in der Tabelle ab, zum zweiten Mal in der noch jungen Saison. Im «Blick» sagt der FCZ-Präsident: «Wir haben kein Trainer-Problem.» Der erste Sieg mit Coach Sami Hyypiä erfolgt rund einen Monat später.

19. Oktober 2015Nach dem 1:5 in Thun rutscht der FCZ auf den letzten Rang in der Tabelle ab, zum zweiten Mal in der noch jungen Saison. Im «Blick» sagt der FCZ-Präsident: «Wir haben kein Trainer-Problem.» Der erste Sieg mit Coach Sami Hyypiä erfolgt rund einen Monat später.

Keystone/Anthony Anex

Am Tag nach dem Abstieg in die sportliche Zweitklassigkeit der sogenannten Brack Challenge League hüllt sich FCZ-Präsident Ancillo Canepa in Schweigen. 2007 war der Mann angetreten, den FC Zürich «nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen» zu führen und «die Jahresrechnung mit einer schwarzen Null abzuschliessen».

Seither sollen Ancillo Canepa und seine Frau Heliane Canepa schätzungsweise 30 Millionen Franken in den Club investiert haben. Diese stolze, ja fast etwas glamouröse Zahl wird von vielen Medien kolportiert. Die Canepas haben sie weder bestätigt, noch dementiert.

Ein Geben und Nehmen

Die Wahrheit dürfte weniger aufsehenerregend sein. 2009 stand der FC Zürich in der Champions League, war finanziell solide aufgestellt. Seither haben die Zürcher im Jahres-Rhythmus Kapitalerhöhungen durchgeführt – finanziert wurden diese praktisch ausschliesslich von den Canepas. Zusätzlich floss Geld unter dem etwas verschämten Titel «erfolgswirksame Vorausfinanzierung von zukünftigen Transfererträgen». Das bedeutet, dass ein Investor Geld einschiesst und dafür an künftigen Spielerverkäufen beteiligt wird. Dieser Investor dürfte Ancillo Canepa bzw. seine AC Sports Ltd. sein.

Die Canepas haben also gegeben, und sie haben genommen. Zum Beispiel 2012: Damals flossen aus den Transfers von Ricardo Rodriguez (für 10 Millionen Franken nach Wolfsburg) und Admir Mehmedi (für 4,5 Millionen zu Dynamo Kiew) nur rund 5 Millionen Franken in die Erfolgsrechnung der Betriebsgesellschaft FCZ AG. 2015 hat die Fifa die sogenannte «Third Party Ownership» zwar untersagt, doch mit etwas Kreativität in der Buchhaltung lässt sich auch dieses Verbot umgehen.

Drei denkbare Szenarien

Am Freitag will Ancillo Canepa informieren, wie es mit dem zwölffachen Meister und achtfachen Cup-Sieger weitergehen soll. Drei Szenarien sind denkbar:

1. Ancillo Canepa räumt strukturelle Probleme ein. Er werde einen bedeutenden Teil seiner Aktienmehrheit von 90 Prozent veräussern und sich als Minderheits-Aktionär ins VR-Präsidium zurückziehen. Die Besitzverhältnisse sollen breiter abgestützt werden, die sportliche Leitung soll in die Hände von Trainer Uli Forte und einem noch zu bestimmenden Sportchef mit weitgehenden Kompetenzen übergehen. Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent.

2. Ancillo Canepa hat genug. Er verkauft seine 90 Prozent für einen symbolischen Franken an jeden Investor, der ihm verspricht, den FC Zürich im Profi-Fussball zu halten. Wahrscheinlichkeit: 4 Prozent.

3. Ancillo Canepa wird «mit aller Kraft den sofortigen Wiederaufstieg» anstreben. An den Strukturen im Verein, der zur Familien-AG geworden ist, gebe es nichts zu rütteln. Die «kurzen Wege der Entscheidungsfindung» (einmal um den Küchentisch) seien ein grosser Vorteil auf dem Weg zurück. Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent.

Die neue Saison wird ein finanzieller Kraftakt. Die Zuschauerzahlen im Letzigrund werden um 50 Prozent einbrechen. Die Verträge laufen zu den bisherigen Konditionen weiter. Natürlich existiert für Spieler wie Buff, Grgic, Sadiku, Etoundi oder Schönbächler ein Markt, was aber ist mit älteren Profis wie Cabral, Chiumiento oder Nef? Sie von der Lohnliste zu bekommen, dürfte mit Kosten verbunden sein.

Hoffen auf den Cup-Sieg

Canepa bleibt die Hoffnung auf den Cup-Sieg und damit verbunden auf rund 3 Millionen Franken aus der Gruppenphase der Europa League. Aber auch mit diesen Erlösen wird der FCZ im Geschäftsjahr 2016/17 weit von der einst angekündigten «schwarzen Null» entfernt sein. Die Geschäftsberichte des FCZ werden seit 2012 nicht mehr verschickt. Aktionäre dürfen sie auf der Geschäftsstelle einsehen. Ach ja, 2007 hatte Canepa noch etwas versprochen: «Grundregeln moderner Corporate Governance».

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