Iran: 30 «Mütter in Trauer» festgenommen
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Iran30 «Mütter in Trauer» festgenommen

Mitglieder der Organisation «Mütter in Trauer» protestierten in Teheran gegen die Ermordung oder die Verschleppung ihrer Kinder. Sie wurden von iranischen Sicherheitskräften festgenommen.

Unter Berufung auf einen Augenzeugen berichtete die Internetseite Kaleme.org von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi am Sonntag, dass am Vortag rund 30 Frauen im Park Laleh in Teheran festgenommen worden seien. Insgesamt hätten 70 Frauen versucht, sich in dem Park zu versammeln, was eine Hundertschaft der Polizei verhindert habe.

Die Gruppe «Mütter in Trauer» fordert Aufklärung über das Schicksal ihrer Kinder, die während der Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad am 12. Juni ums Leben kamen oder spurlos verschwunden sind.

Vorwürfe gegen Staatsanwalt

Wegen des gewaltsamen Todes dreier inhaftierter Demonstranten erhob am Sonntag ein Ausschuss des Parlaments in Teheran schwere Anschuldigungen gegen den früheren Staatsanwalt der Stadt und forderte dessen Bestrafung. Laut ihrem Bericht war Said Mortasawi im Juli verantwortlich für die Inhaftierung von 147 Demonstranten im berüchtigten Kahrisak-Gefängnis im Süden der Stadt.

Dort seien die Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinedschad «von den Wärtern geschlagen und gedemütigt» worden, heisst es in dem Bericht des von konservativen Parlamentarieren dominierten Ausschusses weiter. Das Gefängnis von Kahrisak habe dem Ansehen des Landes geschadet.

Die Justizbehörden müssten energisch gegen die Verantworlichen vorgehen - «ohne Ansehen ihrer Funktion». Die iranischen Behörden hatten zunächst erklärt, die drei Demonstranten seien einer Meningitis erlegen, bevor sie später zugaben, dass sie infolge der in Haft erlittenen Misshandlungen gestorben waren.

Auf Anordnung des obersten geistlichen Führers Ayatollah Ali Chamenei war das Gefängnis Ende Juli geschlossen worden. Zwölf Wärter und Polizeibeamte, die im Kahrisak-Gefängnis Dienst taten, wird derzeit der Prozess gemacht.

Journalist freigelassen

Knapp zwei Wochen nach seiner Festnahme wurde am Sonntag nach Angaben der Agentur Fars ein syrischer Journalist in Teheran auf freien Fuss gesetzt. Der Reporter, der für den Sender Dubai TV arbeitet, war Ende Dezember am Rande von blutigen Unruhen in der iranischen Hauptstadt festgenommen worden.

Bei den Unruhen Ende Dezember waren rund 500 Demonstranten festgenommen worden. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede billigte Führer Chamenei am Samstag die Niederschlagung der Oppositionsproteste Ende Dezember. Zugleich forderte er die Behörden auf, ihre «Aufgaben gegen die Verdorbenen und Randalierer» zu erledigen.

Die drei Tage nach den blutigen Strassenschlachten vom 27. Dezember organisierten Massenkundgebungen der Regierung bezeichnete der Ayatollah als «letzte Warnung» an die Opposition. (sda)

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