Aktualisiert 29.06.2018 07:24

Läden wollen sie nicht

30 Tonnen reife Tomaten sollten vernichtet werden

Sie sind schön reif und fast makellos. Doch wegen ihrer «schlechten Haltbarkeit» wären 30 Tonnen Bio-Tomaten fast in der Biogasanlage gelandet.

von
B. Zanni
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Daniel König, Betreiber des Berner Lola Lorraineladens, wo die Tomaten am Donnerstag ab 12 Uhr verteilt werden, sagt: «Die Tomaten kann man einkochen und danach als Sugo verwenden.» Viele Leute wüssten heute jedoch nicht mehr, wie dies funktioniere. «Im Internet gibt es aber zum Glück genügend Rezepte dafür.»

Daniel König, Betreiber des Berner Lola Lorraineladens, wo die Tomaten am Donnerstag ab 12 Uhr verteilt werden, sagt: «Die Tomaten kann man einkochen und danach als Sugo verwenden.» Viele Leute wüssten heute jedoch nicht mehr, wie dies funktioniere. «Im Internet gibt es aber zum Glück genügend Rezepte dafür.»

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Die Unmengen von Tomaten stammen aus einem Bio-Betrieb, der anonym bleiben will. «Es handelt sich um Tomaten, die aufgrund ihrer schlechten Haltbarkeit für den Verkauf nicht mehr infrage kommen», sagt der Verkaufsleiter.

Die Unmengen von Tomaten stammen aus einem Bio-Betrieb, der anonym bleiben will. «Es handelt sich um Tomaten, die aufgrund ihrer schlechten Haltbarkeit für den Verkauf nicht mehr infrage kommen», sagt der Verkaufsleiter.

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Es ist eine Rettungsaktion im letzten Moment: 30 Tonnen Bio-Rispentomaten will der Anti-Foodwaste-Verein Grassrooted innert zwei Tagen unter die Leute bringen. Die erste Verkaufsaktion fand gestern in Bern statt, die zweite heute Freitag in Zürich.

Die Unmengen an Tomaten, die laut Grassrooted «nahezu in einwandfreiem Zustand sind», hätten Ende Woche in der Biogasanlage vernichtet werden sollen. Sie stammen aus einem Bio-Betrieb, der anonym bleiben will. Dessen Verkaufsleiter sagt: «Es handelt sich um Tomaten, die aufgrund ihrer schlechten Haltbarkeit für den Verkauf nicht mehr infrage kommen.» Es bestehe die Gefahr, dass die Ware zu früh Schimmel ansetze. Eine Überproduktion dieser Dimension falle in ihrem Betrieb das erste Mal an.

Kein Platz im Lager wegen ausländischen Tomaten

Ein Tomatenkäufer in Bern glaubt, den wahren Grund für die drohende Vernichtung zu kennen: «Der Grossverteiler hat anscheinend zu viele italienische Tomaten an Lager und keinen Platz mehr.» Mängel könne er nämlich keine erkennen.

Der Verein Grassrooted ruft auf seiner Website und via Social Media zu Sammelbestellungen auf. «Bildet Gemeinschaft und bestellt gemeinsam grössere Mengen für euer Quartier, ein Mehrfamilienhaus, das Restaurant oder die Kantine.» Mindestbestellmenge ist 10 Kilo. Das Kilo kostet vier Franken. Etwas mehr als ein Drittel davon gehe an die Bauern, verspricht der Verein.

Der Aufruf wurde hundertfach geteilt und geliket. Die meisten können nicht verstehen, warum das schön reife und einwandfreie Produkt vernichtet werden soll:

Daniel König, Betreiber des Berner Lola Lorraineladens, wo die Tomaten am Donnerstag verteilt wurden, sagt: «Die Tomaten kann man einkochen und danach als Sugo verwenden.» Viele Leute wüssten heute jedoch nicht mehr, wie dies funktioniere. «Im Internet gibt es aber zum Glück genügend Rezepte dafür.»

Sehen Sie hier das Interview mit einem Berner, der 18 Kilo Tomaten gerettet hat:

Video: M. Weingartner/B. Lauener

Grassrooted will Foodwaste künftig grossräumiger begegnen. Ab Ende August plant der Verein, Privatkunden und Restaurantbetreiber mit überschüssigem Gemüse zu beliefern. «Der Überfluss in unserer Gesellschaft ist sehr bedenklich», sagt Martin Schiller, Vorstandsmitglied des Vereins. Um einen Versorgungsengpass zu verhindern, komme es immer wieder zu Überproduktionen. «Bauern bleiben deshalb auf vielen Produkten sitzen.»

Tomaten-Aktion

Verteilpunkt Zürich: Freitag, 29. Juni, 12 bis 20 Uhr, Art Dock, Hohlstrasse 258

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