Aktualisiert 12.10.2011 11:06

Berner Oberland300 Häuser von den Fluten beschädigt

Eine erste Schadensbilanz vom Hochwasser im Berner Oberland zeigt das Ausmass der Zerstörung. Allein an Gebäuden ist ein Schaden von zehn Millionen Franken entstanden.

Das Hochwasser vom Montag hat im Berner Oberland wohl an die 300 Gebäude beschädigt. Die Gebäudeversicherung rechnet mit einer Schadensumme von über zehn Millionen Franken.

Diese Zahl sei erst eine Schätzung, die auf Erfahrungen mit früheren Hochwassern beruhe, sagte Kirstin Steyer, Sprecherin der Berner Gebäudeversicherung, am Mittwoch auf Anfrage. In den Gemeinden Kandergrund und Frutigen seien je rund hundert Liegenschaften betroffen, in Kandersteg deren 40.

Dazu kommen laut Steyer noch vereinzelte Schäden in Lauterbrunnen, Meiringen und Reichenbach. Nun gelte es vor Ort, die Schäden zu erfassen.

«Das trifft uns hart»

Hohe Schäden an der Infrastruktur

Die Flurschäden lassen sich derzeit noch nicht genau überblicken. Bei der Hagelversicherung gingen kaum Schadensmeldungen ein, dies aber vor allem deshalb, weil die Versicherung in dieser Region nur wenige Kunden hat, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte.

Kander bei Reichenbach i. K'tal

Ins Gewicht fallen dürften insbesondere die Schäden an der Infrastruktur. Das Bahnunternehmen BLS rechnet im Kandertal mit Kosten von fünf bis sechs Millionen Franken.

Zwischen Frutigen und Kandersteg, Kander

Noch offen ist, wie hoch die Schäden an der Infrastruktur der Berner Oberland-Bahnen im Lauterbrunnental sind, wie Pressesprecher Simon Bickel auf Anfrage sagte. Auch hier dürften aber Kosten in Millionenhöhe anfallen. Laut Bickel dürften die Schäden aber deutlich geringer ausfallen als beim letzten Hochwasser 2005 mit 21 Mio. Franken.

Das grosse Aufräumen im Kandertal

Die Wassermassen haben im Berner Oberland auch Strassen beschädigt. Saniert werden muss insbesondere der Lawinenschutztunnel in Mitholz, wo die Wassermassen den gesamten Strassenbelag ausgespült haben. Auch die Reparatur von Strassen und Wegen dürfte weitere Millionen kosten.

Wassermassen bewegen sich Richtung Berner MittellandIn Frutigen sind die Engstligen und die Kander teilweise über die Ufer getreten. Feuerwehr befindet sich bereits im Einsatz.

«Eine komplett neue Landschaft entstanden»

Fritz Jost, der Chef des Kandersteger Gemeindeführungsstabs, sagte am Mittwoch auf Anfrage, hinter Selden sei «eine komplett neue Landschaft entstanden». Dort sehe es aus wie beim riesigen Murgang, der nahe der Lötschentaler Ortschaft Wiler die Strasse verschüttet hat.

Ganz zuhinterst im Gasterntal, am Kanderfirn, entspringt die Kander. Das ist der Fluss, der am Montag so viel Wasser führte wie im Durchschnitt nur alle hundert Jahre einmal und in Mitholz, weiter unten im Tal, grosse Schäden angerichtet hat.

Berggasthäuser intakt

Trotz allem scheinen die Bewohner des Hochtals auf über 1300 bis 1400 Metern über Meer noch Glück im Unglück gehabt zu haben: Laut Jost sind nämlich alle drei Berghotels und auch das Berghaus Gfellalp vom Wasser verschont geblieben und intakt. Die Existenz dieser Familien sei deshalb nicht gefährdet. (sda)

Leuthard reist ins Kandertal

In den Unwettergebieten des Kandertals erwartet man am Mittwoch hohen Besuch: Bundesrätin Doris Leuthard und zwei Mitglieder der Berner Kantonsregierung wollen sich vor Ort ein Bild machen, wie die örtlichen Behörden mitteilten.

Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten weiter. Die Feuerwehren haben sich an den meisten Orten zurückgezogen. Im Einsatz stehen nun Zivilschutzangehörige. Zudem ist die Armee in Kandersteg mit 20 Mann und in Kandergrund mit 36 Mann und schweren Baumaschinen im Einsatz.

Die Behörden hoffen nach wie vor, die Strasse zwischen Frutigen und Kandersteg am Freitag behelfsmässig wieder in Betrieb nehmen zu können. Die Bahnlinie wird erst am 22. Oktober wieder geöffnet. Kandersteg ist per Zug via Brig und Goppenstein erreichbar.

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