Aktualisiert 06.07.2012 15:52

Wirtschafts-Krimi

300 Millionen, die Mafia und ein SVP-Politiker

Der Chef eines Schweizer Vermögensverwalters soll hunderte Kunden geprellt haben. Er gaukelte vor, zum berühmten Rothschild-Clan zu gehören. Im VR der Firma sitzt ein Zuger SVP-Kantonsrat.

von
rme
Die italienischen Behörden ermitteln wegen Verdachts auf Kreditmissbrauch und Geldwäsche gegen die Schweizer Firma Rothsinvest.

Die italienischen Behörden ermitteln wegen Verdachts auf Kreditmissbrauch und Geldwäsche gegen die Schweizer Firma Rothsinvest.

Rothsinvest Asset Management lockte vermögende Kunden mit dem Versprechen an, zuverlässig eine Rendite von 10 Prozent zu erwirtschaften. Die Firma mit Sitz im Zürcher Seefeld bot zudem an, das Geld im Ausland zu deponieren, samt der Anonymität vor staatlichen Beobachtern. Vor allem Reiche aus dem Grossraum Rom und aus der südlichen Toskana liessen sich laut dem Wirtschaftsportal «finews.ch» davon überzeugen.

Ende Mai folgte für viele ein böses Erwachen. Damals verhafteten die italienischen Behörden drei Männer und eine Frau, die allesamt für Rothsinvest arbeiteten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass rund 500 Personen um ihr Vermögen geprellt wurden. Die Schadenssumme könnte 250 Millionen Euro (300 Millionen Franken) erreichen.

Verbindungen zur Mafia

Die Firma habe die nötigen Lizenzen, um in Italien Finanzgeschäfte zu tätigen, gar nie gehabt, heisst es bei der Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt laut finews.ch wegen Verdachts auf Kreditmissbrauch und Geldwäsche. In italienischen Medien ist bereits davon die Rede, dass auch die Mafia ihre Finger im Spiel hat. Offenbar diente der Neffe eines Camorra-Bosses Rothsinvest als Vermittler. Einer der vier Verhafteten unterhalte zudem Verbindungen zu einem anderen hohen Mafioso.

Die Firma gibt auf der Internetplattform «LinkedIn» damit an, ein Zweig der weltweit bekannten Rothschild-Dynastie zu sein. Man sei spezialisiert auf die aktive Betreuung und alternative Investments für ausgewählte internationale Kunden. In Tat und Wahrheit fungiert zwar sehr wohl ein Zürcher Anwalt namens Nathan Rothschild als Verwaltungsratspräsident der Rothsinvest Asset Management. Doch dieser hat angeblich keinerlei Verbindungen zu den bekannten britischen und französischen Rothschild-Zweigen.

Die volle Verantwortung für das 300-Millionen-Franken-Schlamassel schiebt die Firma ihrem ehemaligen Direktor Robert Da Ponte in die Schuhe. Der britisch-italienische Doppelbürger ist seit Mitte Mai gemeinsam mit seiner Frau untergetaucht – wohl auch mit dem ergaunerten Geld. Rothsinvest schreibt in einem Communiqué, dass man bis zu jenem Zeitpunkt keinerlei Kenntnisse von kriminellen Handlungen Da Pontes hatte. Die Firma habe eine Strafanzeige wegen Betrugs, Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsführung und weiterer Delikte eingereicht.

SVP-Politiker involviert

Nebst der Mafia und einem raffgierigen Investmentbanker gehört auch ein Politiker zum Wirtschaftskrimi: Manuel Brandenberg. Der SVP-Mann sitzt im Zuger Kantonsparlament und er ist auch im Parlament der Stadt Zug. Zudem sitzt er im Verwaltungsrat der «Schweizerzeit», der Zeitung die der SVP und der AUNS nahe steht.

Bei Rothsinvest fungiert Brandenberg als Verwaltungsratsvizepräsident. Zudem hatte die Firma ihren Geschäftssitz bis vor kurzem in der Kanzlei von Brandenberg. Erst nach der Verhaftungsaktion und dem Verschwinden von Da Ponte zügelte die Gesellschaft ihren Sitz nach Zürich. Der 39-Jährige gilt innerhalb der SVP als aufstrebende Persönlichkeit. Die «NZZ am Sonntag» nannte ihn auch schon den «Hof-Anwalt der SVP».

Offene Fragen gibt es einige in diesem Wirtschaftskrimi, in dem für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung gilt. Es geht um Geldwäscherei, es geht um Betrug – aber es geht auch um die Frage, ob Rothsinvest bewusst Kunden und Behörden getäuscht hat oder gar selber zum Opfer geworden ist. Auch dies scheint möglich, ebenso wie es ein Indiz für die Verwicklung der Mafia gibt: Laut der Staatsanwaltschaft hat sich bislang noch kein einziger Geschädigter gemeldet.

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