300 Schweizer aus Scharm el Scheich zurückgekehrt
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300 Schweizer aus Scharm el Scheich zurückgekehrt

Nach den verheerenden Bombenanschlägen im ägyptischen Scharm el Scheich haben fast 300 Schweizer Touristen ihre Ferien abgebrochen und sind vorzeitig in die Schweiz zurückgekehrt.

Weder das EDA noch die Reiseunternehmen hatten Kenntnis von Schweizer Opfern.

Rund 1000 Schweizer Touristen hatten sich zum Zeitpunkt der Anschläge in dem ägyptischen Badeort aufgehalten. Am Sonntag konnten die drei grössten Reiseveranstalter Kuoni, Hotelplan und TUI definitiv bestätigen, dass alle ihre Kunden wohlauf sind.

Auch beim Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hatte bis am Sonntag keine Hinweise über Schweizer Opfer. Ein Team des Reiseversicherers ELVIA überprüfte die Spitäler vor Ort. Es gelte als gesichert, dass keine Schweizer hospitalisiert wurden, teilte ELVIA-Sprecher Simon Aeschlimann mit.

Bei den Anschlägen waren in der Nacht auf Samstag mindestens 88 Menschen ums Leben gekommen, darunter mehrere ausländische Urlauber. Entgegen ersten Berichten blieben die zwei Mövenpick- Hotels in Scharm el Scheich verschont.

Hotlines und Krisenzelle

Sowohl das EDA als auch die Reiseveranstalter reagierten prompt. Bereits wenige Stunden nach den Anschlägen setzte das Aussenministerium in Bern eine Krisenzelle ein, welche in ständigem Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Kairo stand.

Der Schweizer Botschafter in Ägypten reiste noch am selben Tag nach Scharm el Scheich, um die Koordination zu gewährleisten. Das EDA und die Reiseunternehmen richteten Hotlines für besorgte Angehörige ein.

Der Reiseversicherer ELVIA schickte zudem ein dreiköpfiges Careteam nach Scharm el Scheich, um die Betreuung der Schweizer Reisenden zu unterstützen. Das Betreuungsteam fliegt nach getaner Arbeit am Montag zurück in die Schweiz.

293 reisten nach Hause

Trotz dieses Supports wollten 293 Schweizer Touristen den ägyptischen Badeort so schnell wie möglich verlassen. Die Reiseveranstalter organisierten dafür einen Spezialflug, der am Sonntagmorgen kurz nach 8.30 Uhr in Zürich-Kloten eintraf.

An Bord der Maschine wurden die frühzeitig zurückgekehrten Touristen von zwei Psychologinnen und zwei Psychologen des ELVIA- Care-Teams betreut. Ein weiteres Team nahm die sichtlich erschütterten Personen am Flughafen in Empfang.

Im Verlauf des Sonntags landeten zudem zwei planmässige Maschinen in Zürich mit je rund 100 Touristen aus Scharm el Scheich an Bord.

Mehrere hundert bleiben

Mehrere hundert Schweizer Touristen entschieden dagegen, ihre Ferien in Ägypten fortzusetzen. Insgesamt hat TUI noch 170 Touristen im Badeort am Roten Meer. Von Kuoni sind laut Sprecherin Andrea Hemmi noch 239 Gäste dort, von Hotelplan gemäss Sprecherin Claudia Zimmermann noch 125.

Damit befinden sich noch 534 Touristen der drei grössten Schweizer Reiseveranstalter in Scharm el Scheich.

«Barbarischer Akt»

Die Schweiz verurteilte die Anschlagsserie in Scharm el Scheich «mit grösster Bestimmtheit» und zeigte sich schockiert über den «barbarischen Akt». Bundesrätin Micheline Calmy-Rey rief im Westschweizer Radio zu einer Analyse der Ursachen von Terrorismus auf, um so präventive Massnahmen ergreifen zu können.

Das EDA rät von Reisen in den Sinai via Scharm el Scheich ab. Kuoni-Kunden mit Abflügen bis und mit 8. August können ihre Reise nach Scharm el Scheich spesenfrei annulieren. Hotelplan hat zur Anulierung noch keinen Entscheid getroffen.

(dapd)

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