Ärger in Dübendorf ZH: 300 Wohnungen, aber nur 9 Besucher-Parkplätze
Aktualisiert

Ärger in Dübendorf ZH300 Wohnungen, aber nur 9 Besucher-Parkplätze

Für 300 Wohnungen einer Siedlung in Dübendorf gibt es gerade mal 9 Besucherparkplätze. Wer jedoch notgedrungen sonstwo parkiert, riskiert eine Busse.

von
tür/rom
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Auf dem Areal Zwicky-Süd zwischen Dübendorf und Wallisellen steht seit 2016 eine autoarme Überbauung mit rund 300 Wohnungen.

Auf dem Areal Zwicky-Süd zwischen Dübendorf und Wallisellen steht seit 2016 eine autoarme Überbauung mit rund 300 Wohnungen.

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Parkplätze für Besucher gibt es aber gerade einmal neun. Sollte jemand notgedrungen sein Auto in einem Parkverbot abstellen, weil alle Besucherparkplätze besetzt sind, riskiert dieser, gebüsst zu werden. Das ist Leser-Reporter H. R. passiert.

Parkplätze für Besucher gibt es aber gerade einmal neun. Sollte jemand notgedrungen sein Auto in einem Parkverbot abstellen, weil alle Besucherparkplätze besetzt sind, riskiert dieser, gebüsst zu werden. Das ist Leser-Reporter H. R. passiert.

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«Zwar sollen bis 2019 noch weitere 9 Besucherparkplätze dazu kommen – aber wenn man bedenkt, dass die Siedlung schon seit eineinhalb Jahren bewohnt wird, verstehe ich die Verzögerung nicht», sagt R.

«Zwar sollen bis 2019 noch weitere 9 Besucherparkplätze dazu kommen – aber wenn man bedenkt, dass die Siedlung schon seit eineinhalb Jahren bewohnt wird, verstehe ich die Verzögerung nicht», sagt R.

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Im Niemandsland zwischen Wallisellen und Dübendorf, umgeben von Autobahn, Zuglinien und Wäldern, liegt das Zwicky-Areal. Wo einst Seide hergestellt wurde, wird heute vor allem gewohnt – unter anderem in der 2016 bezogenen Überbauung Zwicky-Süd mit rund 300 Wohnungen.

Wer dort jemanden besuchen möchte, reist allerdings besser nicht mit dem eigenen Auto an. Das musste H. R.* kürzlich erfahren: Weil es für die ganze Überbauung nur neun Besucherparkplätze gibt und alle besetzt waren, suchte er nach einer Alternative. «Doch es gibt weit und breit keine Quartierstrasse mit blauer Zone», sagt R.

Maximale Parkzeit: Vier Stunden

Notgedrungen stellte er sein Auto neben einem der offiziellen Parkfelder ab. Als er zurückkam, klebte unter dem Scheibenwischer ein Busszettel für die Umtriebsentschädigung von 50 Franken. «Das ist eine Frechheit! Wo hätte ich parkieren sollen?», fragt R. «Oder hätte ich etwa den Besuch sausen lassen sollen?»

Immerhin sollen nächstes Jahr neun weitere Besucherparkplätze hinzukommen. Doch R. stört nicht nur die kleinliche Anzahl von Plätzen: «Auch dass man nur maximal vier Stunden parkieren darf und es auch noch kostet, ist ein Witz.» Manchmal dauere ein Besuch eben länger als vier Stunden.

10 Prozent Besucher-Parkplätze

Gewiss sei die Siedlung dank der nahen Glattalbahn gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen, doch es gebe nun mal Leute, die nur mit dem Auto anreisen können, findet R. – etwa weil sie sehr abgelegen wohnen und deshalb für die Reise unverhältnismässig lang bräuchten. Er sagt: «Am Ende bleibt einem nichts anderes übrig, als das Auto im Parkverbot abzustellen und deshalb eine Busse zu riskieren.»

Der Kanton Zürich empfiehlt den Gemeinden für ihre Parkplatzverordnung einen Parkplatz pro Wohnung und 10 Prozent für Besucher zusätzlich. Im Fall von Zwicky-Süd wären dies auf 300 Wohnungen demnach 300 Bewohner-Parkplätze plus 30 Besucher-Parkplätze. Dass es nun weniger sind, liegt am Gestaltungsplan, der ebenfalls wieder vom Kanton genehmigt wird. Über dieses Planungsinstrument können Bauherren an der Anzahl Parkplätze schrauben.

Autoarme Siedlung

«Zum Glück», sagt Markus Knauss, Geschäftsführer des VCS Zürich. Denn von Gesetzes wegen müsse man oft zu viele Parkplätze bauen. «Selbst grosse Immobilien-Entwickler wollen häufig weniger Parkplätze realisieren, weil sie leerstehende Parkplätze sonst über Wohnungsmieten quersubventionieren müssen.» Zwicky-Süd sei bewusst als autoarme Siedlung konzipiert - also wenig Parkplätze und dafür eine eigene Tram-Haltestelle. Knauss: «Wer autofrei wohnt, hat meistens auch Freunde ohne Auto oder macht sie zumindest darauf aufmerksam, dass es in der Siedlung wenig Parkplätze hat.»

Selbst Reto Cavegn, Geschäftsführer des TCS Zürich, anerkennt die gesellschaftliche Entwicklung Richtung autoarm zu leben und dass die Bewohner solcher Siedlungen sich bewusst dafür entscheiden: «Mühe habe ich allerdings damit, dass man die Verhaltenserziehung auch noch auf die Besucher überträgt.»

*Name der Redaktion bekannt

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