Aktualisiert 02.09.2013 16:24

Illegale Werbeanrufe3000 Beschwerden wegen Telefonterror

Die nervigen Telefonverkäufer hängen den Hörer einfach nicht auf – obwohl sie bereits Anzeigen am Hals haben. 3000 Personen haben sich 2013 wegen der illegalen Praxis beschwert.

von
hal
Um das Schweizer Gesetz zu umgehen, beauftragen die Firmen teilweise ausländische Callcenter.

Um das Schweizer Gesetz zu umgehen, beauftragen die Firmen teilweise ausländische Callcenter.

Mehr als 3200 Beschwerden sind in den letzten acht Monaten bei der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen (AKO) eingegangen – 90 Prozent davon, weil Firmen Privatpersonen trotz Sternchen im Telefonbuch mit Werbeanrufen belästigten.

Seit April 2012 ist dies gesetzlich verboten. 36 Strafanzeigen haben die Konsumentenschützer deshalb gegen Firmen aus verschiedenen Kantonen eingereicht. Die Firmen kümmert dies offensichtlich wenig: Mehrere von ihnen waren schon im Sommer 2012 angezeigt worden. 14 Monate später seien aber erst wenige Urteile gefällt worden, teilten die Konsumentenschützer am Montag mit Ernüchterung mit.

Die Firmen würden sogar diverse Tricks anwenden, um den Telefon-Terror zu tarnen und das Gesetz zu umgehen: Laut der AKO manipulieren sie beispielsweise Telefonnummern, vergeben die Aufträge an ausländische Callcenter oder verstecken die Werbeanrufe hinter Scheinumfragen.

Härtere Strafen sollen abschrecken

Insgesamt reichte die AKO seit April 2012 über 50 Anzeigen wegen Verstoss gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ein. Betroffen waren unter anderem grosse Krankenkassen wie die Groupe Mutuel und Visana. Die AKO verlangt, dass die Justiz Strafen mit abschreckender Wirkung ausspricht. Theoretisch können die Verantwortlichen mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe bestraft werden.

Neben dem Telefon-Terror haben sich dieses Jahr 113 Schweizer wegen Adressbuchschwindel beschwert, 92 wegen intransparenten Verkaufsanbietern im Internet, 75 wegen unhaltbarer Gewinnversprechen und 20 wegen Pyramidensystemen. Knapp zwei Drittel der Beschwerden kamen aus der Deutschschweiz.

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