Netter Zahltag: 3000 Dollar Tagesgage für Bärtschi
Aktualisiert

Netter Zahltag3000 Dollar Tagesgage für Bärtschi

Sven Bärtschi (19) ist vom scheuen Bürolehrbuben zum selbstbewussten Hockey-Profi gereift. Er steht bei den Calgary Flames vor dem NHL-Debüt und macht kräftig Kasse.

von
Klaus Zaugg
Sven Bärtschi steht am Wochenende in der NHL im Einsatz. (Bild: Freshfocus)

Sven Bärtschi steht am Wochenende in der NHL im Einsatz. (Bild: Freshfocus)

Ein Blick zurück hilft uns, besser zu verstehen, wer Sven Bärtschi ist. Juni 2011. Er ist zu diesem Zeitpunkt erst für die Hockey-Insider ein Begriff und wird in den nächsten Tagen nach Amerika fliegen. Zum NHL-Draft. Bei dieser Gelegenheit erwerben die NHL-Unternehmen die Rechte an den besten jungen Spielern der Welt. Zeit also, um noch einmal mit Sven Bärtschi zu plaudern.

Zum Treffpunkt schlägt Bärtschi das Sekretariat des SC Langenthal vor. Er hat nicht vergessen, dass er bei diesem Sportunternehmen ausgebildet worden ist. Auf dem Eis und im Büro. Beim SCL hat er seine zweijährige Bürolehre gemacht und vor dem Aufbruch zum grossen Amerika-Abenteuer im Sommer 2010 erfolgreich abgeschlossen. Er hätte schon ein Jahr früher, im Herbst 2009, nach Nordamerika wechseln können. «Aber ich wollte zuerst meine Bürolehre abschliessen. Rückblickend hat sich gezeigt, dass dieser Entscheid richtig war. Ich konnte eine Saison mit Langenthal in der NLB spielen und dort musste ich mich in einer Mannschaft mit Erwachsenen auch mal mit einer Rolle in der vierten Linie zufrieden geben. Das hat mir geholfen.»

Bärtschi in der WHL ein Star

Bereits im Sommer 2011 ist Bärtschi schon viel weiter gekommen als alle Junioren, die bisher beim SC Langenthal ausgebildet worden sind: Nämlich bis nach Amerika. Genauer bis nach Portland (knapp 600 000 Einwohner) an der US-Westküste. Dort ist er bei den Portland Winterhawks in der Western Hockey League (WHL), der härtesten Juniorenliga der Welt, im Laufe der letzten Saison (2010/11) ein Star geworden – und er ist auch in dieser Saison der dominierende Stürmer.

Er erinnert sich noch gut an den Tag, der sein Leben verändern sollte und der ihn nun bis in die NHL gebracht hat: «Der Spielerberater André Rufener hat mich im Frühjahr 2009 zu einem Spiel der Russen an der WM in Bern eingeladen. Ich ging hin, hörte mir an, was er mir zu sagen hatte und bald war mir klar, dass er der richtige Mann für mich ist.» Der ehemalige NLA-Stürmer Rufener (40) ist NHL-Spieleragent und hat vor Bärtschi bereits Luca Sbisa, Roman Wick und Nino Niederreiter in die NHL gebracht. Kein Schweizer Agent hat so gute Beziehungen nach Nordamerika. Er gilt darüber hinaus als smarter Talentsucher und wusste also sehr wohl, warum er Bärtschi zu einem WM-Spiel in Bern eingeladen hatte.

Rufener hat sich nicht getäuscht. Sein Langenthaler Klient ist in Portland rasch ein Star geworden. Die Calgary Flames haben sich die Rechte an Sven Bärtschi beim Draft im letzten Juni bereits in der ersten Runde als Nummer 13 erworben und den Langenthaler anschliessend für drei Jahre unter Vertrag genommen. Der Junioren-Internationale hat zwar im letzten Herbst den Sprung ins NHL-Team noch nicht geschafft und ist wieder zu den Junioren nach Portland zurückgeschickt worden. Doch nun wird er als Belohnung für die herausragenden Leistungen bei den Portland Winterhawks von den Calgary Flames mit der Berufung in die NHL belohnt.

Vom «Klosterleben» in die Glitzerwelt

Bärtschi tauscht nun das «Klosterleben» bei den Junioren gegen die Glitzerwelt der NHL. Die Jungs in den Juniorenligen wohnen bei Gastfamilien und um 23 Uhr muss jeder daheim sein. «Wenn wir nach Hause kommen, müssen wir einem der Assistenztrainer eine SMS-Mitteilung schicken und stichprobeweise wird kontrolliert, ob man dann tatsächlich zu Hause ist.» Verstösse gegen die strengen Sitten können bis zum Teamausschluss führen. Bärtschi erzählt, er wohne in Portland zusammen mit einem Teamkollegen bei einer wunderbaren Gastfamilie. «Rick und Barbara Rankins kennen Europa. Rick arbeitet für die US-Army und war auch schon im Irak. Für uns wird gesorgt, als seien wir ihre Söhne.» Nun wohnt er mit den NHL-Stars im Hotel.

Die Hockey-Verrückte Familie

Langenthals erster NHL-Spieler stammt aus einer Hockeyfamilie. Sein Vater Hansruedi stürmte nicht nur für den SC Langenthal. Sondern auch zwei Jahre für den SC Langnau (1984 bis 86, 58 Spiele/13 Tore). Inzwischen zeichnet sich ab, dass es sein Bub noch weiter bringen wird. Sven Bärtschi wirkt wie ein Kanadier, der perfekt Berndeutsch spricht. Er hat in einem Jahr in Portland enorm an Selbstsicherheit zugelegt und trägt die Baseballmütze in der Art der coolen nordamerikanischen Jungs. In seiner Selbstsicherheit ist keine Spur von Arroganz. Es ist einfach das gesunde Selbstvertrauen eines jungen Mannes, der genau weiss, was er will: In die National Hockey League (NHL), die beste Liga der Welt.

Dort ist er jetzt angekommen und er steht im Aufgebot der Calgary Flames für das Spiel gegen Winnipeg am Freitagabend. Der Aufstieg in die NHL lohnt sich übrigens auch finanziell. Sven Bärtschi hat bei der Unterzeichnung des NHL-Vertrages mit den Calgary Flames ein Handgeld von rund 100 000 Franken erhalten – aber darüber hinaus gibt es in den Junioren-Ligen kein Salär. Wenn er jedoch in die NHL berufen wird, läuft der Zähler des NHL-Vertrages und das NHL-Salär von rund 900 000 Franken (exakt: 925 000 US-Dollar) wird anteilsmässig pro Tag ausbezahlt. Das bedeutet, dass Sven Bärtschi jetzt für jeden Tag mit den Calgary Flames rund 3000 US-Dollar erhält.

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