Libyen-Geisel: 302 Tage Einsamkeit
Aktualisiert

Libyen-Geisel302 Tage Einsamkeit

Vor fast einem Jahr wurde Hannibal Gaddafi in einem Genfer Hotel verhaftet. Die diplomatische Krise zwischen Libyen und der Schweiz hält seither an. Doch der Konflikt hat auch eine ganz persönliche Seite: Sei 302 Tagen wird der Schweizer Ingenieur Max G. in Libyen festgehalten.

Ein Zimmer mit einer Kochnische, einem selbst gebauten Trimmrad, einem TV, einem Bett und einem Computer: So sieht seit rund 302 Tagen das Umfeld von ABB-Ingenieur Max G. aus. Er verbringt seine Tage in diesem Zimmer der Schweizer Botschaft, weil er ausserhalb um seine Sicherheit fürchten muss, wie der «Blick» schreibt.

Der 54-Jährige ist einer der zwei Schweizer, die nach der Verhaftung von Hannibal Gaddafi und seiner schwangeren Frau im Juli 2008 von dessen Vater, Staatschef Muammar al-Gadafi, als Geisel genommen wurde: Ihnen wurde die Ausreise aus Libyen verweigert.

Über eine Woche im Gefängnis

Und noch schlimmer: Erst wurde der Ingenieur gar ins Gefängnis «Al Fellah» gesteckt. Nach mehr als einer Woche liess man Max G. gegen ein Kaution und der Auflage, dass er das Land nicht verlassen dürfe, frei.

Wie der «Blick» schreibt, ist Max G. am Ende seiner Kräfte. «Ich bin zu einem Tagträumer geworden. Das ist einer meiner Tricks. Ich flüchte in Tagträume, um hier nicht verrückt zu werden», mailte G. am Samstag dem Genfer SVP-Politiker Stéphane Valente. Wenige Wochen zuvor betonte er, er lebe einen Tag nach dem anderen. «Ich mache keine Pläne für die Zukunft.»

«Max G. stösst an seine Grenzen»

Valente macht sich grosse Sorgen um G.: «Ich glaube, dass er langsam an seine psychischen Grenzen stösst.» Der SVP-Politiker setzt sich für die Freilassung des 54-Jährigen ein.

Der Schweizer Ingenieur darf telefonieren und e-mailen. Doch seine Nachrichten werden von den libyschen Behörden überwacht. Gestern Abend konnte seine Mutter mit ihm telefonieren, während er gerade auf seinem selbstgebastelten Rad trainierte. «Er hat keine Ahnung, wie lange seine Gefangenschaft noch dauert.»

(mlu)

Zweiter Schweizer festgehalten

Neben Max G. wird in Libyen ein weiterer Schweizer an der Ausreise gehindert. Der 68-Jährige hat in Tripolis für eine Schweizer Firma gearbeitet. Wie der «Blick» schreibt, hat er während seiner Gefangenschaft zwei Enkel bekommen – die er noch nie sehen konnte.

Deine Meinung