Zwei Milliarden verzockt: 31-jähriger UBS-Banker in London verhaftet
Aktualisiert

Zwei Milliarden verzockt31-jähriger UBS-Banker in London verhaftet

Die London City Police hat heute um 3.30 Uhr einen UBS-Banker verhaftet. Der 31-Jährige soll mit unerlaubten Spekulationen zwei Milliarden Dollar verzockt haben. UBS-Boss Grübel versucht zu beruhigen.

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sas/whr

Viel riskiert – und viel verloren, fürs Erste jedenfalls die Freiheit. Wie die Londoner City Police in einer Mitteilung bekannt gibt, hat sie heute um 03.30 Uhr einen Tatverdächtigen verhaftet. Bei dem 31-Jährigen K.A. handelt es sich um einen Investmentbanker der UBS, wie die Bank gegenüber 20 Minuten Online bestätigt. Er soll mit nicht autorisierten Handelsgeschäften einen Verlust von zwei Milliarden Dollar verursacht haben. In welcher Abteilung K.A. genau tätig war, ist unklar. Gerüchten zufolge soll der Mann dem «Global Syntetic Equities Team» angehört haben und seit fünf Jahren bei der UBS arbeiten, was UBS-Sprecher Serge Steiner aber nicht bestätigen wollte. Laut Informationen der «Financial Times» war der Mann im Range eines Direktors zuletzt Händler für passive Indexprodukte (ETF), davor Handelsanalyst. Sein Vorgesetzter ist angeblich bereits zurückgetreten.

Offensichtlich hat die UBS die Machenschaften des kriminellen Mitarbeiters am Mittwoch entdeckt und die Polizei eingeschaltet, die mitten in der Nacht zuschlug. Zudem informierte die Grossbank die Schweizer Aufsichtsbehörde Finma sowie die Behörden Englands und der USA.

Am Donnerstag drei Minuten vor Handelsbeginn verschickte die Bank eine Mitteilung und warnte die Anleger, man werde für das dritte Quartal möglicherweise einen Verlust bekanntgeben müssen. Die UBS-Aktie eröffnet daraufhin 8 Prozent tiefer. Um 15.30 Uhr standen die Papiere rund 9,4 Prozent im Minus bei 9.90 Franken. Damit nahm der Börsenwert der Schweizer Grossbank gegenüber dem Vortag um rund vier Milliarden Franken ab. Ganz anders die Credit Suisse: Ihre Aktie legte um 6,5 Prozent zu.

Grübel schaltet sich ein

In einem E-Mail an seine Belegschaft, das der Agentur Bloomberg vorliegt, versucht UBS-Boss Oswald Grübel zu beruhigen. Der Vorfall werde «die fundamentale Stärke der Bank nicht beeinträchtigen», schrieb Grübel. Damit wollte der Top-Banker aber wohl weniger die eigenen Mitarbeiter als vielmehr die Märkte beruhigen.

Während die Untersuchung der Vorfälle andauert, schätzt die UBS gegenwärtig, dass der durch diese Transaktionen erlittene Verlust sich in einer Höhe von zwei Milliarden Dollar bewegt. Wie die UBS ausdrücklich schreibt, handelt es sich bei den zwei Milliarden um eine Schätzung. Demnach könnte der Verlust durchaus höher ausfallen.

Kontrollmechanismen haben versagt

Unter den milliardenschweren Fehlspekulationen dürfte das Image der Schweizer Grossbank erneut zu leiden haben. Die Meldung sei «katastrophal» für die Bank, das Institut werde wohl wieder Vertrauen einbüssen, sagten Händler. Offenbar gelang es dem Londoner Händler, die Kontrollmechanismen auszuhebeln und auf eigene Faust mit grossen Beträgen zu handeln. Dem Risk Management, das die Bank nach riesigen Verlusten im US-Hypothekenmarkt stark umgebaut hatte, stellt dies keine gute Note aus. In den Jahren 2009 und 2010 hatte die Grossbank wegen des Beinahezusammenbruchs im Zuge der Finanzkrise unter enormem Abfluss von Kundengeldern zu leiden.

Bei Klick auf die Grafik erhalten Sie den interaktiven UBS-Kurs und können sich den Verlauf in verschiedenen Zeitabschnitten anzeigen lassen.

Jérôme Kerviel verzockte 5 Milliarden Euro

Die UBS ist nicht die einzige Bank, die sich wegen eines einzigen Händlers riesige Geldbeträge ans Bein streichen musste. Im Januar 2008 verzockte der Händler Jérôme Kerviel bei der französischen Bank Société Général durch eine eigenmächtige Fehlspekulation fünf Milliarden Euro – und brachte das Finanzinstitut an den Rand des Zusammenbruchs. Ein Pariser Gericht verurteilte den zur Tatzeit 31-jährigen Kerviel für seinen Fehlgriff im Oktober 2010 zu fünf Jahren Haft, zwei davon auf Bewährung. (sas)

Finma in Kontakt mit UBS

In der Affäre um ein Millardenfiasko durch einen UBS- Händler will sich die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Man stehe aber «in engem Kontakt» mit der Grossbank. «Die UBS hat uns umgehend informiert», sagte Finma-Sprecher Tobias Lux. Der Zeitpunkt, an dem die UBS die Machenschaften ihres Mitarbeiters entdeckt hat, wird im Moment aber weder von der Finma noch von der UBS bekannt gegeben.

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