Pemphigoid gestationis – 32-Jährige reagiert auf eigenes Baby «allergisch»
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Pemphigoid gestationis32-Jährige reagiert auf eigenes Baby «allergisch»

Juckende Quaddeln und eitrige Pusteln: Statt ihre Schwangerschaft zu geniessen, litt die Britin Fiona Hooker Qualen. Grund dafür ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung. 

von
Fee Anabelle Riebeling
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Dass Fiona Hooker aus dem britischen Basingstoke ihren Sohn im Arm halten kann, ist für die nun zweifache Mutter nicht selbstverständlich. 

Dass Fiona Hooker aus dem britischen Basingstoke ihren Sohn im Arm halten kann, ist für die nun zweifache Mutter nicht selbstverständlich. 

Kennedy News/Ewa Jones Photograp
Die 32-Jährige leidet nämlich an Pemphigoid gestationis, einer blasenbildenden Autoimmunerkrankung der Haut.

Die 32-Jährige leidet nämlich an Pemphigoid gestationis, einer blasenbildenden Autoimmunerkrankung der Haut.

Kennedy News and Media
Das führte dazu, dass die Schwangerschaft alles andere als angenehm war. 

Das führte dazu, dass die Schwangerschaft alles andere als angenehm war. 

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Darum gehts

  • Fiona Hooker wurde während ihrer zweiten Schwangerschaft von juckenden Quaddeln und eitrigen Pusteln gequält.

  • Die Britin erhielt die Diagnose Pemphigoid gestationis.

  • Dabei handelt es sich um eine sehr seltene Autoimmunerkrankung, bei der sich Autoantikörper gegen ein Molekül im Mutterkuchen richten. 

  • Da es immer wieder zu Schüben der Erkrankung kommen kann, verzichten Hooker und ihr Partner auf weitere Kinder.

Bis zur 31. Schwangerschaftswoche war alles in Ordnung. Dann bemerkte Fiona Hooker aus dem britischen Basingstoke zum ersten Mal juckende rote Stellen auf ihrem Bauch: «Ich hatte ein paar winzige, wirklich juckende Flecken um meinen Bauchnabel herum, die sich anfühlten wie Nesselfieber», so die 32-Jährige.

Nachdem der Ausschlag und das Jucken zunehmend schlimmer wurden, suchte die werdende Mutter einen Arzt auf. Doch erst der dritte Hausarzt erkannte endlich das Problem: «Er sagte, es sehe aus wie Pemphigoid gestationis (siehe Box) und er überwies mich an einen Dermatologen. Dieser gab mir die stärkste Kortisonsalbe, die man bekommen kann. Es war, als wäre ich gegen mein eigenes Baby allergisch.» Zu dem Zeitpunkt war der Körper der Schwangeren bereits mit roten, juckenden Quaddeln und eitrigen Pusteln übersät.

Pemphigoid gestationis

Das Pemphigoid gestationis ist eine blasenbildende Autoimmunerkrankung der Haut. Die Ursache sind bestimmte Autoantikörper. Darunter versteht man spezielle Eiweissstoffe (Antikörper) des Immunsystems, die gegen körpereigene Substanzen (griechisch autos – «selbst») gerichtet sind. Bei Pemphigoid gestationis binden die Autoantikörper an eine Struktur mit dem Namen bullöses Pemphigoid-Antigen 2, kurz BPAg2, die die Oberhaut auf der Lederhaut verankert. Die Bindung der Antikörper führt dazu, dass die Haut sich entzündet und sich die Oberhaut ablöst. Vieles spricht dafür, dass die Autoantikörper primär nicht gegen die Haut, sondern gegen ein Molekül im Mutterkuchen (Plazenta) gebildet werden. Ausserhalb der Schwangerschaft kommt die Erkrankung sehr selten vor. Sie tritt meist im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimester auf. Die Erkrankung ist so selten, dass die grösste durchgeführte Studie zur Behandlung nur 87 Patientinnen umfasst.

Ausschlag nach Geburt noch heftiger

Ein Zustand, der in der 35. Woche für Hooker unerträglich wurde. «Ich bin in den Notfall, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Dort bekam ich Kortison zum Einnehmen.» Und das half anfangs. Doch zwei Tage vor der Geburt sollte sich die Situation wieder ändern: «Es wurde wieder unerträglich und 24 Stunden nach der Geburt explodierte der Ausschlag wieder und es bildeten sich erneut Blasen. Kratzen fühlte sich gut an, aber dadurch schabte ich mir die Haut ab. Also hatte ich am Ende wunde Haut und die Blasen kamen auch wieder zurück.»

«Es tat sehr weh, meinen Sohn zu halten.»

Fiona Hooker.

Die Quaddeln und Pusteln bedeckten mittlerweile nicht mehr nur ihren Bauch, sondern auch sämtliche Gliedmassen und die Brust. Dies machte es ihr fast unmöglich, ihren Sohn überhaupt zu halten: «Es tat sehr weh, meinen Sohn zu halten, deshalb konnte ich die Neugeborenenphase nicht wirklich geniessen», so die zweifache Mutter. Fünf Tage nach der Geburt bestätigte schliesslich ein Bluttest den Verdacht der Ärztinnen und Ärzte: Hooker hat Pemphigoid gestationis.

Die Ärzte vermuten, dass die Reaktion durch ein Gen in der DNA ihres Sohnes ausgelöst worden ist, da sie in ihrer ersten Schwangerschaft mit ihrer mittlerweile dreijährigen Tochter Phoebe nicht an dieser Krankheit litt, so die Britin.

Keine weiteren Kinder mehr

Sechs Monate lang dauerte die Kortison-Behandlung, bis die Quaddeln und Pusteln endlich verschwunden waren. Noch heute muss Hooker sich hin und wieder eincremen und wird für den Rest ihres Lebens unter leichten Schüben leiden. Da die Hypnobirthing-Lehrerin und ihr Ehemann Warren Hooker (35) wissen, dass die Krankheit in weiteren Schwangerschaften erneut auftreten kann, haben sie beschlossen, keine weiteren Kinder zu bekommen. Fiona Hooker hofft nun, das Bewusstsein für die seltene Schwangerschaftserkrankung zu schärfen. Sie selbst habe bis zu ihrer Diagnose noch nie etwas davon gehört. 

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