Unispital Zürich : 33 Ärzte operieren mit falschen Doktortiteln
Aktualisiert

Unispital Zürich 33 Ärzte operieren mit falschen Doktortiteln

Mehr als dreissig Chirurgen mit falschen Doktortiteln tummeln sich am Unispital Zürich. Laut den Verantwortlichen liegen keine betrügerischen Absichten vor.

von
som
33 Ärzte sollen sich am Unispital mit einem falschen Titel schmücken.

33 Ärzte sollen sich am Unispital mit einem falschen Titel schmücken.

Am Zürcher Uni-Spital (USZ) soll eine ganze Reihe von Ärzten operieren, die sich auf der Spital-Website Dr. med. nennt, ohne je eine Dissertation verfasst zu haben. Die falschen Doktoren stammen aus fünf verschiedenen chirurgischen Kliniken: Neben insgesamt zehn Unfallchirurgen sind acht Mitarbeiter der Klinik für Thoraxchirurgie betroffen, drei in der Herzklinik, vier in der plastischen Chirurgie. Acht falsche Doktoren sind es in der Klinik für Viszeralchirurgie.

Die «nicht korrekten Titel» würden selbstverständlich geändert, «damit sich Patientinnen und Patienten nicht getäuscht vorkommen», sagte das Unispital gegenüber der «Weltwoche». Laut der Wochenzeitung entfernte das USZ bis jetzt auf seiner Website bei nicht weniger als 33 Angestellten die Bezeichnung Dr. med. Die 33 Chirurgen haben zwar allesamt eine abgeschlossene medizinische Ausbildung. Sie sind also in der Lage, ihre Patienten zu operieren. Trotzdem stellt sich die Frage, warum sie sich mit fremden Federn schmücken.

Unispital: «Keine betrügerischen Absichten»

Gemäss der Spitalleitung liegt «in keinem der Fälle betrügerische Absicht» vor. Die Einträge auf der Homepage würden von «Editoren» gemacht. Diese Mitarbeiter der Kliniken seien «keine Ärzte und kennen daher den Unterschied zwischen pract. med., Dr. med. und Dr. med. univ. nicht zwingend», schreibt das USZ in einer Stellungnahme.

Gemäss der «Weltwoche» kann aber jeder Mitarbeiter auf der Homepage des Spitals seinen Titel selber in den persönlichen Einstellungen angeben. Dort stehen alle möglichen akademischen Grade (auch med. pract.) in einem Drop-down-Menü zur Auswahl bereit. Die betroffenen Ärzte haben also bewusst einen falschen Titel gewählt, der nachher auf Krankengeschichten und auf Austrittsberichten prominent erscheint.

Anzeige gegen falsche Doktoren

Intern ist das Problem im Unispital offenbar seit Längerem bekannt. Im August hat ein am Unispital tätiger Arzt bei der Zürcher Staatsanwaltschaft vier Kollegen der Klinik für Viszeralchirurgie angezeigt: drei wegen eines falschen Doktortitels; einen, weil er sich mit einem Professorentitel schmückte, den er noch gar nicht hatte. Der zuständige Staatsanwalt Daniel Kloiber sagt, er habe eine Online-Recherche vorgenommen. «Die Ärzte waren auf der Homepage als med. pract. geführt, und nicht als Dr. med. Der Professor wird als Professor bezeichnet. Beim Anzeigenerstatter nachfragen konnte ich nicht, denn die Anzeige erfolgte anonym.» Kloiber hat deshalb kein Verfahren eröffnet.

Das Unispital ist nun um Schadenbegrenzung bemüht. Eine Täuschung von Patienten sei «nicht akzeptabel», heisst es. Für die Zukunft gelobt die Spitalleitung Verbesserung: So sollen die Titel von Ärzten, die keinen Doktortitel einer Schweizer Uni vorweisen können, «detaillierter als bis anhin» geprüft werden. Ausserdem sollen die für Internet zuständigen Editoren für das Problem «sensibilisiert werden».

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