Fall Morena Diaz - 33-Jähriger erhält wegen sexueller Nötigung fünf Jahre Landesverweis
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Fall Morena Diaz 33-Jähriger erhält wegen sexueller Nötigung fünf Jahre Landesverweis

Influencerin Morena Diaz sagte am Donnerstag vor dem Strafgericht Schwyz gegen einen ehemaligen Kollegen aus. Dieser bestreitet, die sexuelle Nötigung begangen zu haben.

von
Monira Djurdjevic
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Vor dem Strafgericht Schwyz fand der Prozess am Donnerstag statt.

Vor dem Strafgericht Schwyz fand der Prozess am Donnerstag statt.

20min/Monira Djurdjevic
Mit einem Post sorgte Influencerin Morena Diaz vor gut einem Jahr für Schlagzeilen.

Mit einem Post sorgte Influencerin Morena Diaz vor gut einem Jahr für Schlagzeilen.

Instagram / morenadiaz
Sie berichtete, dass sie im Dezember 2018 vergewaltigt worden sei.

Sie berichtete, dass sie im Dezember 2018 vergewaltigt worden sei.

Instagram / morenadiaz

Darum gehts

  • 2020 machte Body-Positivity-Aktivistin Morena Diaz auf Instagram öffentlich, dass sie vergewaltigt worden sei.

  • Am Donnerstag bestritt der ehemalige Kollege vor dem Strafgericht Schwyz die Tat.

  • Diaz berichtete von dem Vorfall.

Mehrfach habe sie an dem Abend «Nein» gesagt und ihn dabei weggestossen: Am Donnerstag schilderte Body-Positivity-Aktivistin Morena Diaz vor dem Strafgericht Schwyz einen Vorfall vom 21. Dezember 2018. Einem 33-jährigen Italiener wird vorgeworfen, die Influencerin sexuell genötigt zu haben. Er wurde vom Gericht am Donnerstag zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt. Zudem wird er für fünf Jahre des Landes verwiesen.

Vor Gericht sagt die 28-Jährige, der Beschuldigte und sie seien gute Freunde gewesen. Kennengelernt hatten sie sich, als er sie für einen Video-Clip angefragt hatte. Aus der geschäftlichen Beziehung sei eine «schöne Freundschaft» entstanden. Er habe aber zunehmend romantische Gefühle für sie entwickelt. «Er sprach das Thema mehrfach an. Ich fühlte mich unwohl, da ich seine Gefühle nicht erwiderte.» Schliesslich habe sie sich immer mehr von ihm distanziert.

«Mit einem Ruck sass er auf mir»

Für den besagten Abend hatten sie sich in seiner Wohnung verabredet: «Ich hatte ein ungutes Gefühl und sprach das an. Er meinte aber, ich müsse mir keine Sorgen machen.» Nach dem Abendessen hätten sie einen Film geschaut. Sie seien nebeneinander auf dem Bett gesessen und er habe immer wieder versucht, ihr näher zu kommen. Schliesslich sei er mit einem Ruck auf ihr gesessen. «Ich sagte mehrfach Nein und stiess ihn weg. Er hörte aber nicht auf.»

Er habe ihren BH heruntergezogen, sie unter anderem auf den Bauch und die nackte Brust geküsst. Schliesslich sei er mit mehreren Fingern in sie eingedrungen. Erst später habe er begriffen, dass es ihr nicht gefalle. «Er schaute mich an und realisierte es.» Laut Diaz hat der Beschuldigte an diesem Abend Alkohol getrunken und einen Joint geraucht. Nach dem Vorfall brach sie den Kontakt zu ihm komplett ab.

«Das ist eine Lüge»

Der Beschuldigte betont am Prozess mehrfach, dass es nie zu sexuellen Handlungen gekommen sei: «Das, was Frau Diaz erzählt, ist eine Lüge.» Er gibt aber zu, dass sie sich an diesem Abend zweimal geküsst hätten. Der erste Kuss sei einvernehmlich gewesen, der zweite dagegen nicht. Diaz habe sich danach ihre Schuhe angezogen und sei gegangen. Er widerspricht auch, an dem Abend übermässig Alkohol oder einen Joint konsumiert zu haben. Er selbst habe auch nie Gefühle für Diaz gehabt.

Für den Kuss habe er sich am nächsten Tag per Whatsapp entschuldigt. «Ich wollte die Freundschaft zu Frau Diaz nicht riskieren.» Als Diaz den Vorwurf der Vergewaltigung publik machte, sei er schockiert gewesen. «Ich habe mir Sorgen um sie gemacht und nicht gedacht, dass sie mich meint.» Er kritisiert, dass die Öffentlichkeit ein falsches Bild von ihm habe. «Ich wurde wie ein Monster dargestellt.» Der 33-Jährige ist überzeugt, dass Diaz den Fall publik gemacht hat, um noch bekannter zu werden. Zum Schluss sagt er: «Wahrscheinlich bin ich schuldig, aber nur für meine Zeit, mein Herz und meine Seele.»

Bedingte Freiheitsstrafe gefordert

Als Zeuge trat der Bruder des Beschuldigten auf. «Mein Bruder verhielt sich am Tag nach dem Vorfall seltsam und sagte kaum etwas.» Besorgt habe er Diaz angerufen. Sie habe nur gesagt: «Frag deinen Bruder, was passiert ist.» Seinem Bruder traut er die Tat nicht zu. «Er kann nicht mal einer Fliege etwas zuleide tun.»

Die Staatsanwaltschaft forderte einen Schuldspruch und eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Von einem Landesverweis sei abzusehen. Eigentlich ist sexuelle Nötigung gemäss der Ausschaffungsinitiative eine Katalogtat. Vor Gericht sagte die Staatsanwältin, dass der 33-Jährige im Kanton Schwyz gut integriert sei und machte einen Härtefall geltend. Der Verteidiger beantragte einen Freispruch und eine Genugtuung von 5000 Franken. Die Rechtsvertretung von Diaz forderte eine Genugtuung von 10’000 Franken.

Das Gericht sprach den 33-Jährigen schuldig. Er wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt. Sollte er innerhalb von zwei Jahren rückfällig werden, muss er ins Gefängnis. Der 33-Jährige erhält zudem einen Landesverweis von fünf Jahren. Das Gericht sieht keinen Grund für einen Härtefall. Die Richterin begründet das Urteil damit, dass die Aussagen von Diaz glaubwürdig und im Kerngeschehen schlüssig waren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 33-Jährige will Berufung gegen das Urteil einlegen, wie sein Anwalt nach dem Prozess sagt.

Morena Diaz

Morena Diaz (28) arbeitete früher als Lehrerin und ist heute hauptberuflich als Influencerin tätig. Vor einem Jahr hatte sie auf Instagram öffentlich gemacht, dass sie vergewaltigt worden sei. Später zeigte sie einen ehemaligen Freund an.

Mit dem Fall hatte sie eine Debatte über das Sexualstrafrecht angestossen. Sie tritt auch als Aktivistin von Amnesty International auf. Inzwischen liegt eine Vernehmlassungsvorlage für eine Revision vor. Diese geht ihr zu wenig weit. Sie fordert, dass beide Sexualpartner vor dem Akt ihre Zustimmung geben müssten.

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