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34 Polizisten verletzt, 1400 Autos angezündet

Die Ausschreitungen in Frankreich haben mit mehr als 1.400 angezündeten Fahrzeugen einen neuen Höhepunkt erreicht. In der elften Nacht der Gewalt in Folge steckten Randalierer auch Kirchen, Schulen und eine Kindertagesstätte in Brand.

173 Personen wurden bis zum frühen Montagmorgen festgenommen, wie Polizeisprecher Patrick Hamon mitteilte. Insgesamt 1.408 Autos gingen in Flammen auf. In Grigny südlich von Paris wurden bei Zusammenstössen mit Jugendlichen zehn Polizisten verletzt, zwei von ihnen schwer.

Offenbar hätten Randalierer Schüsse aus Schrot- oder Jagdgewehren abgefeuert, sagte Hamon. Zwei Polizisten wurden in den Nacken und die Beine getroffen, schwebten jedoch nicht in Lebensgefahr. Unruhen wurden auch aus anderen Städten gemeldet, darunter Toulouse und Rennes. In Strassburg stahlen Jugendliche ein Auto, rasten damit in ein Haus mit Sozialwohnungen und zündeten dann das Gebäude sowie das Fahrzeug an.

Im Département Seine-Saint-Denis nördlich von Paris brannten am Sonntagabend etwa 50 Autos. In Saint-Etienne setzten Jugendliche zwei Schulgebäude und einen Bus in Brand. Zwei Menschen wurden verletzt. In Lens und in Sete wurden Kirchen angezündet, wie Hamon erklärte. Das Ausmass der Schäden war zunächst nicht bekannt.

In der Pariser Vorstadt Colombes warfen Jugendliche Steine auf einen Bus. Ein 13 Monate altes Kleinkind wurde mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. In der Vorstadt Saint-Maurice stand eine Kindertagesstätte in Flammen.

Innenminister Nicolas Sarkozy kündigte an, er wolle die beiden verletzten Polizisten im Krankenhaus besuchen. Die Polizei müsse wieder für Recht und Ordnung in Frankreich sorgen, ansonsten würden Banden und Extremisten das Vakuum ausnutzen. «Wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, aber die Ordnung muss wieder hergestellt werden», erklärte der Minister.

Zuvor kündigte Premierminister Dominique de Villepin Schnellverfahren gegen Randalierer an, um die sozialen Unruhen in den Griff zu bekommen. Seine Regierung werde keine «gesetzlosen Zonen» zulassen und alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen. Staatspräsident Jacques Chirac sagte in seiner ersten Ansprache zu den Unruhen, diejenigen, die Gewalt und Angst säten, würden «verhaftet, abgeurteilt und bestraft».

Die Unruhen begannen am 27. Oktober nach dem Tod zweier Jugendlicher aus Mauretanien und Tunesien in Clichy-sous-Bois bei Paris. Diese hatten einen Stromschlag erlitten, als sie sich in einem Trafo-Häuschen vor der Polizei versteckten. Inzwischen griffen die Unruhen auf ganz Frankreich über.

Die australische Regierung forderte ihre Bürger am Montag auf, bei Reisen nach Frankreich besondere Vorsicht walten zu lassen. Die Australier wurden aufgerufen, sich in den Medien über die betroffenen Gebiet zu informieren.

(dapd)

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