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Studie 34 Verletzte wegen Wattestäbchen – pro Tag

Viele Menschen reinigen ihre Ohren mit Wattestäbchen – obwohl davon eigentlich abgeraten wird. Eine Studie zeigt, wie gefährlich das ist.

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Bloss nicht: Wer mit Wattestäbchen in seinen Ohren herumstochert, macht etwas ganz falsch. Das, was Ärzte schon lange sagen, belegte 2017 auch eine Studie.

Bloss nicht: Wer mit Wattestäbchen in seinen Ohren herumstochert, macht etwas ganz falsch. Das, was Ärzte schon lange sagen, belegte 2017 auch eine Studie.

iStock/Voyagerix
Laut dieser verletzten sich in den USA jährlich rund 12'500 Kinder mit den vermeintlichen Ohrreinigern. Das entspricht 34 Fällen pro Tag.

Laut dieser verletzten sich in den USA jährlich rund 12'500 Kinder mit den vermeintlichen Ohrreinigern. Das entspricht 34 Fällen pro Tag.

iStock/Kwanchaichaiudom
Deshalb raten sie, sofort und für immer die Finger von den Stäbchen zu lassen.

Deshalb raten sie, sofort und für immer die Finger von den Stäbchen zu lassen.

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Wattestäbchen gehören nicht in die Ohren. Das predigen Hals-Nasen-Ohrenärzte seit Jahren. Trotzdem lässt sich kaum jemand davon abhalten.

Eine Studie aus den USA könnte das aber ändern. Sie zeigt, wie viel Schaden die Stäbchen in Kinderohren anrichten können.

12'500 Fälle pro Jahr

Für die im «Journal of Pediatrics» veröffentlichte Arbeit wertete das Team um Kris R. Jatana vom Ohio State University College of Medicine eine umfangreiche Datenbank aus. Darin sind die Verletzungen dokumentiert, mit denen Menschen in den USA die Notaufnahme aufsuchen.

Dabei zeigte sich, dass zwischen 1990 und 2010 rund 263'000 Buben und Mädchen unter 18 Jahren ins Spital kamen, nachdem sie sich mit einem Wattestäbchen verletzt hatten. Das entspricht etwa 12'500 Fällen pro Jahr – oder 34 pro Tag.

Verschiedene Ursachen, verschiedene Schäden

Rund 73 Prozent der Schäden passierten während des Versuchs, das Ohr zu reinigen. In zehn Prozent der Fälle war der Unfall beim Spielen passiert, bei neun Prozent war ein Sturz schuld. Bei den restlichen acht Prozent lagen andere Gründe vor.

Doch nicht nur die Ursachen variierten, sondern auch die Art der Beschwerden. So suchten 39 Prozent der Betroffenen den Arzt wegen eines Fremdkörpergefühls im Ohr auf. 35 Prozent hatten sogar eine blutende Wunde.

Nicht immer geht es gut

In 30 Prozent der Fälle entdeckten die Ärzte tatsächlich einen Fremdkörper im Ohr, bei jedem vierten Kind diagnostizierten sie einen Schaden am Trommelfell. Wirklich schlimm waren die Verletzungen in der Regel nicht. So gut wie alle Patienten (mehr als 99 Prozent) konnten nach der Behandlung wieder nach Hause gehen.

Trotzdem warnen Jatana und ihre Kollegen davor, die Stäbchen zur Ohrreinigung zu verwenden: In besonders schweren Fällen könnten Schäden am Trommelfell und Innenohr zu Schwindel, Gleichgewichtsbeschwerden oder nicht heilbaren Hörschwierigkeiten führen.

«Die beiden grössten Missverständnisse, die ich als Hals-Nasen-Ohren-Arzt höre, sind, dass es notwendig ist, den Gehörgang selbst zu Hause zu säubern – mit einem Wattestäbchen», sagt Jatana. Beides sei falsch. Das Reinigen übernehme der Körper selbst.

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