Aktualisiert 18.09.2018 09:52

Sensationsfund im Berner Jura3500 Jahre alte Hand aus Gold und Bronze entdeckt

Beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern wurde eine 3500 Jahre alte Hand aus Bronze und Gold abgegeben. Womöglich handelt es sich um die älteste Bronzeplastik Europas.

von
sul
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Das gesamte Fundensemble aus dem Grab von Prêles: ein bronzener Dolch, eine bronzene Gewandnadel und eine Bronzespirale, die als Haarschmuck diente. Die Goldbleche dürften von der Hand stammen.

Das gesamte Fundensemble aus dem Grab von Prêles: ein bronzener Dolch, eine bronzene Gewandnadel und eine Bronzespirale, die als Haarschmuck diente. Die Goldbleche dürften von der Hand stammen.

Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner.
Die unter dem Grab liegende, ältere Steinkonstruktion.

Die unter dem Grab liegende, ältere Steinkonstruktion.

Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Guy Jaquenod.
Die Hand von Prêles ist aus Zinnbronze gegossen und wiegt beinahe 500 g. Das Goldblech im Bereich des Armansatzes ist mit feinen Kreisaugen verziert.

Die Hand von Prêles ist aus Zinnbronze gegossen und wiegt beinahe 500 g. Das Goldblech im Bereich des Armansatzes ist mit feinen Kreisaugen verziert.

Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner.

Anfang Oktober 2017 machten zwei Privatpersonen bei Prêles in der Gemeinde Plateau de Diesse im Berner Jura eine aussergewöhnliche Entdeckung: eine aus Bronze gegossene Hand mit einem goldenen Armband. Zusammen mit der Hand wurden ein bronzener Dolch und eine menschliche Rippe gefunden.

Am Folgetag gaben die Finder die Objekte beim Archäologischen Dienst in Bern ab. Erste Nachforschungen ergaben, dass aus der Schweiz und den umliegenden Ländern bislang keine ähnlichen Fundobjekte bekannt sind.

3500 Jahre altes Unikat

Das Alter der Bronzehand konnte mit Hilfe einer Radiokarbondatierung in die Zeit von 1500-1400 v. Chr. datiert werden. Dazu wurde der pflanzliche Klebstoff beprobt, mit dem das Goldblech an der Hand befestigt ist. Die menschliche Rippe erbrachte ein knapp hundert Jahre jüngeres Datum.

Die beiden Daten weisen in die Mittelbronzezeit und passen zeitlich zum Dolch. Erste Analysen der für die Herstellung der Hand verwendeten Metalle bestätigten, dass es sich um für die Bronzezeit übliche Legierungen handelt.

Bestattung einer bedeutenden Person

Bei der Nachgrabung an der Fundstelle stiess das Team des Archäologischen Dienstes im Frühsommer 2018 auf ein Grab, welches die Knochen eines erwachsenen Mannes enthielt. Die Bestattung war durch jüngere Bodeneingriffe leider massiv gestört. Im Grab fanden sich eine bronzene Gewandnadel, eine bronzene Spirale (Haarschmuck) sowie Reste von Goldblech, das von der Hand stammen dürfte. Ebenso lag hier einer der abgebrochenen Finger der Bronzehand – ein Beleg, dass der Fund wirklich vom angegebenen Fundort stammt.

Unter der Grabstätte wurde eine von Menschen errichtete Steinkonstruktion entdeckt. Der Mann mit der Bronzehand wurde anscheinend bewusst über diesem älteren Bauwerk bestattet. Er dürfte eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein.

Teil eines Zepters oder einer Statue?

Fachleuten aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich sind keine ähnlichen Plastiken der Bronzezeit aus Mitteleuropa bekannt. Die Hand von Prêles ist bislang die weitaus älteste bekannte Bronze in der Form eines menschlichen Körperteils – und damit eine archäologische Sensation.

Ob die Hand im Drei-Seen-Land hergestellt wurde oder aus einem ferneren Gebiet stammt, muss vorerst offenbleiben. Ebenso unbekannt ist, welche Bedeutung und Funktion die Hand einst hatte. Das Goldblech weist sie als Machtsymbol und als Zeichen einer gesellschaftlichen Elite oder womöglich einer Gottheit aus. Der hohl gegossene Armansatz deutet darauf hin, dass die Hand ursprünglich auf einem Gegenstand montiert war. Handelte es sich dabei um einen Teil eines Zepters oder einer Statue?

Diesen Fragen wird sich die in den kommenden Monaten beginnende wissenschaftliche Auswertung des Fundes annehmen.

Die Hand von Prêles kann vom 18. September bis zum 14. Oktober 2018 im NMB, Neues Museum Biel, besichtigt werden.

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