Aktualisiert 31.12.2011 14:56

Schweizer Kandidatur36 Millionen für einen Olympia-Traum

Olympische Spiele in der Schweiz? St. Moritz und Davos nehmen einen neuen Anlauf, um diese Utopie 2022 Wirklichkeit werden zu lassen. Die Strategie ist ausgearbeitet und kostet 36 Millionen Franken.

von
Klaus Zaugg

Bereits 1928 und 1948 sind die Olympischen Winterspiele in St. Moritz ausgetragen worden. Nun will St. Moritz zusammen mit Davos (fürs Eishockeyturnier) 2022 wieder Olympische Spiele ausrichten.

Inzwischen gibt es erstmals konkrete Zahlen und Pläne. 36 Millionen Franken sind alleine für die Bewerbung budgetiert. Das IOC entscheidet 2015 über die Vergabe der Spiele von 2022 und einer Schweizer Bewerbung werden gewisse Chancen eingeräumt: Als Gegner treten voraussichtlich die USA, die Ukraine, Kasachstan und Schweden oder Norwegen an.

13 Millionen mehr als Sion

23 Millionen hatte Sion vergeblich für die Bewerbung 2006 investiert. 36 Millionen wollen die Bündner in die Bewerbung ausgeben: 12 Millionen durch Sponsoren, 12 Millionen durch die Standortgemeinden und den Kanton Graubünden (dafür braucht es Volksabstimmungen in den Standortgemeinden und im Kanton) und 12 Millionen vom Bund. Alles steht und fällt mit diesen Volksabstimmungen und beim Bundesbeitrag sind noch gewisse Kniffe notwendig, um trotz des noch nicht in Kraft gesetzten Sport-Förderungsgesetzes das Geld doch schon ausgeben zu können. Das sollte allerdings kein Problem sein.

Ex-HCD-Präsident Tarcisius Caviezel, als Nationalrat soeben abgewählt, soll die Fäden ziehen. Wunschkandidat für die Position eines «Frontmannes», der die Olympiabegeisterung entfachen und die Abstimmung gewinnen kann, ist Gian Gilli. Der langjährige Ski-General, heute Sportdirektor bei Swiss Olympic, ist einer der wenigen hochrangigen Schweizer Sportmanager, die auch Rätoromanisch sprechen. Gilli hat sich schon bei der Ski-WM 2003 in St. Moritz und der Hockey-WM 2009 in Bern und Kloten als Organisator von internationalen Grossanlässen bestens bewährt.

Gewährsleute sagen, auch Werner Augsburger hätte gerne einen Posten bei dieser Olympiabewerbung. Zurzeit ist der ehemalige Sportdirektor von Swiss Olympic und spätere Direktor der Eishockey-Nationalliga in Moskau als Technischer Direktor der Olympischen Spiele von Sotschi 2014 engagiert. Verlässliche Informanten sagen aber, Augsburger würde gerne wieder in die Heimat zurückkehren. Nun werde abgeklärt, ob man ihm vielleicht beim Volleyball-Verband einen Posten als Geschäftsführer einrichten könne.

Fasel sieht grosse Chancen

Der Honigtopf Olympia-Bewerbung weckt also Begehrlichkeiten. Werden die Volksabstimmungen gewonnen, dann ist vorgesehen, einen Gang höher zu schalten und dann wird es erst recht rocken und rollen. Dann soll auch Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos in die Bewerbungskampagne eingebunden werden. Natürlich ist die Skepsis gross – wie immer bei solchen Bewerbungen. Schliesslich sind Olympia-Abenteuer unter anderem in Sion, Lausanne, Genf, Zürich, Bern oder Olten entweder gar nie auf die Beine gekommen oder bei der konkreten Bewerbung gescheitert (Sion 2006). Dr. René Fasel, der Präsident des Welteishockey-Verbandes IIHF und IOC-Mitglied räumt einer Kandidatur grosse Chancen ein und er ist ein starker Befürworter der Kandidatur St. Moritz/Davos. Ein alt Bundesrat, dessen Name uns soeben entfallen ist, bezeichnet die Kandidatur hingegen als völlige Utopie.

Am Rande des Spengler Cups ist der neue HCD-Präsident Gaudenz A. Domenig gefragt worden, welche der drei aktuellen Utopien im Eishockey und im Bündner Sport am ehesten Wirklichkeit werden könnte: Die Olympischen Spiele 2022, das Schweizer KHL-Team «Helvetics» ab der Saison 2014/15 oder ein HCD-Meistertitel ohne Reto von Arx. «Eventuell der Meistertitel ohne Reto von Arx», sagte Domenig. Und ergänzte: «Falls das Olympische Turnier 2022 in Davos ausgetragen wird, steht übrigens der Nationaltrainer bereits fest: Arno Del Curto. Er würde den Job nebenamtlich für dieses Turnier machen.»

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