Aktualisiert 11.01.2010 14:18

Essverhalten

37 Prozent der Schweizer sind zu dick

Das Ernährungsverhalten der Schweizer Bevölkerung ist laut einer Studie weiter verbesserungsfähig: Defizite wurden vor allem bei Männern, Jungen und weniger Gebildeten beider Geschlechter fesgestellt.

Forscher des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich haben im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und mit Hilfe der Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2007 die bestehenden Daten zum Übergewicht und einigen Ernährungsgewohnheiten aktualisiert, wie dem BAG-Bulletin vom Montag zu entnehmen ist. Dabei stellten sie fest, dass rund 70 Prozent der fast 19 000 Befragten bei ihrer Ernährung auf irgend etwas achten. Gemessen an den Empfehlungen des BAG und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) könnten einige Ernährungsgewohnheiten aber weiter optimiert werden. Zwischen 1992 und 2007 habe sich das Essverhalten nur wenig verbessert.

Zu wenig Früchte und Gemüse

Die empfohlenen fünf Portionen Früchte und Gemüse pro Tag konsumieren laut den Daten nur rund 30 Prozent der Befragten. Bei den Frauen ist der Anteil mit 38 Prozent deutlich höher als bei den Männern mit 21 Prozent. Noch schlechter befolgt wird die Empfehlung, täglich mindestens drei Portionen Milch oder Milchprodukte zu sich zu nehmen, um die empfohlene Tagesmenge Calcium abzudecken. Dies tut laut den Daten nur jeder Zehnte in der Schweiz. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass die Gesundheitsbefragung den Milchkonsum vermutlich deutlich unterschätzt, weil die Milch im Kaffee und im Tee nicht mitgerechnet wurde. Auch andere mögliche Calciumquellen wie Hahnen- oder Mineralwasser seien nicht berücksichtigt.

Junge essen wenig Fisch

Bei den Eiweissquellen wird empfohlen, abwechslungsweise Fleisch, Fisch, Eier oder andere Produkte wie Tofu oder Quorn zu essen. Rund 37 Prozent essen allerdings nach wie vor nur selten oder nie Fisch. Die höchsten Anteile bei den seltenen Fisch-Essern haben die Jungen zwischen 15 und 34 Jahren. Knapp jeder Fünfte isst dafür täglich Fleisch und Wurstwaren, wobei die Männer hier deutlich stärker vertreten sind als die Frauen. Zudem essen laut der Studie gut ausgebildete Männer und Frauen seltener täglich Fleisch und Wurst als schlechter Gebildete, dafür aber häufiger Fisch. Die Resultate deuteten darauf hin, dass weiterhin Anstrengungen in den Bereichen Verhalten und Verhältnisse unternommen werden sollten, hiess es. Zielgruppen sollten insbesondere Männer, Junge und weniger gebildete Männer und Frauen sein.

Ein wichtiges Folgeproblem falscher Ernährung ist das Übergewicht. Der Anteil der Übergewichtigen hat sich zwischen 2002 und 2007 in der Schweiz gesamthaft auf hohem Niveau stabilisiert. Von Übergewicht waren in der Befragung 2007 37 Prozent betroffen, wobei die Männer deutlich häufiger zu schwer waren. Bei ihnen beträgt der Anteil der Übergewichtigen 46 Prozent, bei den Frauen sind es 29 Prozent. Mit dem Alter nimmt der Anteil Übergewichtiger bei beiden Geschlechtern markant zu. (dapd)

Schweizer hören kaum auf Ärzte

Nur elf Prozent der Schweizerinnen und Schweizer geben den Rat des Arztes als Motivation für einen Diätversuch an. Dies zeigt eine Umfrage im Auftrag von «Reader's Digest». 71 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen haben bereits einmal versucht abzunehmen. Damit liegt die Schweiz gleichauf mit Brasilien, also jenem Land, in dem der Schlankheitswahn nachgewiesenermassen grassiert. Gemäss Mitteilung von «Readers's Digest» vom Montag gaben ein Drittel bis fast die Hälfte der 1001 Befragten in der Schweiz zu, dass sie es gerne sehen würden, wenn ihr Lebenspartner abnehmen würde. Das Land, in dem sich die meisten Ehemänner, also 48 Prozent, wünschen, dass ihre Frauen abnehmen, ist Indien. (ap)

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