Energiewende: 3934 Fussballfelder voller Solarpanels wären nötig
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Energiewende3934 Fussballfelder voller Solarpanels wären nötig

Das neue Energiegesetz will die saubere Stromproduktion ausbauen. 20 Minuten hat berechnet, wie viele Solarpanels oder Windräder es brauchen würde.

von
P. Michel
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Wie viel zusätzliche Windräder oder Solarpanels bräuchte es, um die Richtwerte der neuen Energiestrategie bis 2035 zu erreichen? 20 Minuten hat nachgerechnet.

Wie viel zusätzliche Windräder oder Solarpanels bräuchte es, um die Richtwerte der neuen Energiestrategie bis 2035 zu erreichen? 20 Minuten hat nachgerechnet.

Grafik: Stefan Wehrle
Photovoltaik: Zusätzliche Kollektoren von der Fläche LuzernsSie liefern heute einen grossen Teil der erneuerbaren Energie. Doch um das Ziel der erste Etappe der Energiestrategie zu erreichen, ist noch einiges nötig: Zu den heute vorhandenen sieben bräuchte es weitere 28 Quadratkilometer Photovoltaikanlagen. Dieser Zubau entspricht etwa der Fläche der Stadt Luzern.

Photovoltaik: Zusätzliche Kollektoren von der Fläche LuzernsSie liefern heute einen grossen Teil der erneuerbaren Energie. Doch um das Ziel der erste Etappe der Energiestrategie zu erreichen, ist noch einiges nötig: Zu den heute vorhandenen sieben bräuchte es weitere 28 Quadratkilometer Photovoltaikanlagen. Dieser Zubau entspricht etwa der Fläche der Stadt Luzern.

Keystone/Jean-christophe Bott
Windkraft: 194 neue Mega-WindräderGerade mal sechs Prozent des erneuerbaren Stroms (Wasserkraft ausgeklammert) liefern Windanlagen. Dementsprechend gross müsste hier der Zubau sein, damit Strom aus Wind seinen Beitrag zu den Zielen der Energiestrategie beitragen könnte. Dafür wären zusätzlich 194 Mega-Windräder mit einem Rotordurchmesser von 100 Metern nötig.

Windkraft: 194 neue Mega-WindräderGerade mal sechs Prozent des erneuerbaren Stroms (Wasserkraft ausgeklammert) liefern Windanlagen. Dementsprechend gross müsste hier der Zubau sein, damit Strom aus Wind seinen Beitrag zu den Zielen der Energiestrategie beitragen könnte. Dafür wären zusätzlich 194 Mega-Windräder mit einem Rotordurchmesser von 100 Metern nötig.

Keystone/Olivier Maire

«Sicher, sauber, schweizerisch»: Nach diesem Credo will Umweltministerin Doris Leuthard die Energieversorgung im Rahmen der Energiestrategie 2050 umbauen. Mit dem ersten Massnahmenpaket, das am 21. Mai zur Abstimmung kommt, soll ein erster Schritt gemacht werden.

Neben mehr Energieeffizienz und der Reduktion des Energieverbrauchs ist in der ersten Etappe auch ein Ausbau der erneuerbaren Energien geplant. Demnach muss die inländische Stromproduktion aus erneuerbaren Energien – darunter Sonne, Wind oder Biogas – von heute 2830 Gigawattstunden (GWh) bis im Jahr 2035 auf 11'400 GWh gesteigert werden. Die Produktion muss also insgesamt um das Vierfache gesteigert werden. Damit könnte ungefähr das AKW Gösgen ersetzt werden.

Minimaler Ausbau der Wasserkraft

Für den Ausbau der Wasserkraft definiert das revidierte Energiegesetz im gleichen Zeitraum separate Ziele. Diese sind weniger ambitioniert: Die heutige Produktion von 37'190 GWh soll um 210 GWh ausgebaut werden.

Doch wie viel zusätzliche Windanlagen, Solaranlagen oder Wasserkraftwerke wären nötig, um die Ziele der Energiestrategie bis 2035 zu erreichen? 20 Minuten hat nachgerechnet. Die Grundlagen für die Berechnung finden Sie in der Box.

Photovoltaik: Zusätzliche Panels von der Fläche Luzerns

Klammert man die Wasserkraft aus, stammt heute der erneuerbare Strom zu fast 40 Prozent aus Solarpanels. Konkret sind 11'563 Solaranlagen mit einer Fläche von 6,99 Quadratkilometern in Betrieb. Das entspricht 978 Fussballfeldern.

Doch um die erste Etappe der Energiestrategie zu erreichen, ist noch einiges nötig: Da Solaranlagen in Zukunft für die Produktion von sauberem Strom noch wichtiger werden, ist anzunehmen, dass sie beim Ausbau die Hauptrolle spielen. Demnach wären zu den heute vorhandenen 6,99 weitere 28,12 Quadratkilometer Photovoltaikanlagen nötig. Dieser Ausbau entspricht der Fläche der Stadt Luzern oder 3934 Fussballfeldern. Und zum Vergleich: Die Dachfläche der Schweiz beträgt etwa 400 Quadratkilometer.

Windkraft: 194 neue Mega-Windräder

Die Windkraft fristet in der Schweiz ein Nischendasein: Sie liefert gerade einmal sechs Prozent des erneuerbaren Stroms. Zusammengerechnet produzieren heute alle Windanlagen so viel wie 16 grosse Windräder, die über Rotoren von einem Durchmesser von 100 Metern verfügen und 99 Meter in die Höhe ragen. Damit der Strom aus Wind seinen Beitrag zu den Zielen der Energiestrategie leistet, bräuchte es 194 Mega-Windräder zusätzlich – oder 11'450 mittelgrosse Anlagen, die 30 Meter hoch sind und deren Rotoren 24 Meter messen.

Wasserkraft: Ein neuer Stausee

Strom aus Laufwasser- oder Speicherkraftwerken ist die wichtigste einheimische Energiequelle der Schweiz. Im Durchschnitt produzieren die 604 Kraftwerke pro Jahr knapp 60 Prozent der hiesigen Elektrizität. Bis 2035 strebt der Bund einen Ausbau der Produktion um 0,56 Prozent an. Um diesen zusätzlichen Bedarf zu decken, wäre ein neues Speicherkraftwerk nötig – etwa eines von der Grösse der geplanten 167 Meter hohen Trift-Staumauer im Berner Oberland.

Thermischer Strom: Über 2000 Biogasanlagen bei Bauern

Thermische Kraftwerke leisten einen bedeutenden Anteil an der erneuerbaren Stromproduktion. Biogas- oder Abwasserreinigungsanlagen erzeugten 2015 genauso viel Strom wie alle Solarpanels. Bei der sogenannten Wärme-Kraft-Kopplung treibt nicht nur das Gas eine Turbine an und erzeugt so Strom, auch die entstehende Abwärme wird genutzt. Um die Produktionsziele bis 2035 zu erreichen, müssten diese Kraftwerke 23,5 Prozent des zusätzlich benötigten sauberen Stroms liefern. Das entspräche umgerechnet zusätzlichen 2142 Biogas-Anlagen von der durchschnittlichen Grösse, wie sie derzeit Schweizer Bauern betreiben.

Bis 2050 ist noch einiges nötig

Mit welchen Massnahmen der Bund die Ziele der Energiestrategie nach der ersten Etappe umsetzen wird, hat er noch nicht festgelegt. Sicher ist: Der angestrebte Ausbau bis 2035 deckt erst knapp die Hälfte des zusätzlichen erneuerbaren Strombedarfs, der bis 2050 auch durch den Ausstieg aus der Atomenergie nötig wird.

Trotz Reduktion des Stromverbrauchs müssen Solarpanels, Windkraftwerke oder auch Geothermie nach der ersten Etappe nochmals Elektrizität in der Grössenordnung vom 1,5-fachen der Leistung des AKW Gösgen zusätzlich erzeugen, während für die Zielerreichung der Wasserkraft etwa drei zusätzliche Staumauern in der Grössenordnung von Grande-Dixence gebaut werden müssten. Die verbleibende Stromlücke will der Bund mit Gaskombikraftwerken oder Importen schliessen.

So viele Projekte könnten bereits gebaut werden

Subventionstopfs der kostendeckenden Einspeisevergütung sind Projekte über insgesamt 4400 GWh aufgeführt. Sie würden den Zubau also zur Hälfte abdecken. Die Zuschüsse für die Realisierung dieser Projekte würden den Bund knapp 1,3 Milliarden Franken kosten.

So wurde gerechnet

Um das Ziel der Energiestrategie zu erreichen, müssen bis 2035 zusätzlich 8570 GWh Strom aus erneuerbaren Quellen (ohne Wasserkraft) produziert werden. In unserer Berechnung gehen wir davon aus, dass Solar 52,5%, Wind 15,9%, Wärme-Kopplungs-Anlagen wie etwa Biogas 23,75% und Geothermie 7,85% des nötigen Stroms beisteuern. Diese Anteile liegen einem konservativen Szenario der Studie «Energieperspektiven 2050» zugrunde, die das Potential für den Ausbau aller erneuerbarer Energien abschätzte. Für die Wasserkraft wurden die Ziele aus den Vorgaben aus dem Energiegesetz abgeleitet.

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