Industrie: 3M soll WTG schlucken
Aktualisiert

Industrie3M soll WTG schlucken

Die Schleifmittel-Spezialistin Winterthur Technologie (WTG) soll vom Technologiekonzern 3M (Schweiz) übernommen werden.

3M unterbreitet ein öffentliches Kaufangebot für alle Aktien zum Preis von 62 Fr. pro Aktie.

3M unterbreitet ein öffentliches Kaufangebot für alle Aktien zum Preis von 62 Fr. pro Aktie.

Der US-Technologiekonzern 3M will die Schleifmittel- Spezialistin Winterthur Technologie (WTG) übernehmen. 3M unterbreitet ein öffentliches Kaufangebot zum Preis von 62 Fr. pro Aktie. Die Transaktion hat einen Gesamtwert von 448 Mio. Dollar. Fernziel ist die vollständige Übernahme.

Der Kaufpreis entspricht einer Prämie von 23 Prozent gegenüber dem Durchschnittspreis der Aktien der letzten 60 Tage, wie WTG am Montag mitteilte. Im Transaktionswert sind Schulden in der Höhe von 40 Mio. Euro enthalten, wie WTG-Verwaltungsratspräsident Edgar Rappold an der Telefonkonferenz erklärt.

Damit die Übernahme zustande kommt, müssen mindestens zwei Drittel aller Winterthur-Aktien angedient werden. Der WTG- Verwaltungsrat unterstützt das öffentliche Kaufangebot von 3M (Schweiz) einstimmig. Rappold hat sich gegenüber 3M zudem verpflichtet, die von ihm gehaltenen Winterthur-Aktien, die 14,4 Prozent des Kapitals entsprechen, anzudienen. Er erhält für sein Aktienpaket den gleichen Preis wie die übrigen Aktionäre.

Unglaubliches Kompliment

Rappold sprach von einem grossen Tag für ihn persönlich und für WTG. Es sei ein unglaubliches Kompliment, wenn ein Weltunternehmen wie 3M sich für ein «Provinzunternehmen» wie WTG interessiere. Dadurch öffneten sich für WTG Türen für neue Märkte, insbesondere in Japan, Brasilien, Mexiko und Asien.

Ausserdem erhalte WTG Zugang zur besten Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Schleifmittel. 3M beschäftigt weltweit rund 7000 Wissenschaftler, WTG deren 70.

Die Produkte der beiden Unternehmen seien «absolut komplementär», betonten sowohl Rappold wie auch Felix Thun-Hohenstein, der Managing Director von 3M (Schweiz).

3M beabsichtige, die bestehenden Winterthur-Produktionsstandorte «im Wesentlichen» weiterzuführen, hiess es in der Mitteilung. Auf eine entsprechende Nachfrage hin erklärte Rappold, dass es das Ziel von 3M sei, alle Leute und Standorte von WTG zu behalten.

Vollständige Übernahme geplant

Auch das kleine Schleifmaschinen-Geschäft von WTG (rund 9 Prozent des Umsatzes) werde von 3M beibehalten. Thun-Hohenstein betonte, dass der wesentliche Fokus bei der Übernahme «Wachstumsphantasien» seien. Das Ziel von 3M sei es WTG vollständig zu übernehmen.

Das Angebotsprospekt von 3M soll voraussichtlich um den 22. Dezember herum veröffentlicht werden. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden. Die Übernahme soll im ersten Quartal 2011 vollzogen werden.

WTG und 3M gehen davon aus, dass die Prüfung durch die Wettbewerbsbehörden reine Formsache ist. Es gebe kaum Überlappungen und auch keine marktbeherrschende Stellung der Unternehmen.

Strategisch logische Übernahme

Der US-Technologiekonzern 3M beschäftigt weltweit rund 75'000 Mitarbeitende bei einem Umsatz von 23 Mrd. Dollar und hat Betriebe in über 65 Ländern. In der Schweiz ist 3M seit fast 50 Jahren aktiv und beschäftigt derzeit 190 Mitarbeitende.

WTG mit Sitz in Zug hat Produktionsbetriebe in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Schweden, Belgien, den USA, Russland, China, Indien und Korea. WTG beschäftigte 2009 über 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte bei einem Umsatz von 137 Mio. Euro einen Gewinn von 1,5 Mio. Euro.

Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sehen die Wahrscheinlichkeit als hoch, dass die Übernahme zustande kommt. Dies vor allem deshalb, weil Rappold seine Anteile andiene. Mit WTG verschwinde nach sia Abrasives der letzte kotierte Schleifmittelkonzern von der Schweizer Börse, heisst es weiter. 3M sei einer der strategisch logischen Übernehmer des Unternehmens.

Kurs steigt auf Angebotspreis

An der Börse eröffneten die WTG-Aktien um 7 Prozent fester auf 62 Fr. und damit genau auf der Höhe des Angebotspreises. Allerdings hatten die Valoren bereits in den letzten Tagen deutlich zugelegt: Am vergangenen Dienstag waren die Titel noch bei 54,50 Fr. aus dem Handel gegangen.

(sda)

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