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Verkehrspolitik in Winterthur4 autofreie Sonntage im Jahr – «das wird die Leute nur verärgern»

In Winterthur soll es vier autofreie Sonntage im Jahr geben. Motionärin Franziska Kramer-Schwob (EVP) freut sich über den Entscheid des Stadtrats. Bei der FDP Winterthur findet man das Vorhaben nicht zumutbar.

von
Monira Djurdjevic
Lynn Sachs
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An jeweils vier Tagen im Jahr sollen bestimmte Teile der Stadt Winterthur für die Bevölkerung autofrei sein. 

An jeweils vier Tagen im Jahr sollen bestimmte Teile der Stadt Winterthur für die Bevölkerung autofrei sein.

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Wie der Winterthurer Stadtrat am Montag mitteilte, will er die Motion «4 autofreie Sonntage im Jahr» teilweise umsetzen.

Wie der Winterthurer Stadtrat am Montag mitteilte, will er die Motion «4 autofreie Sonntage im Jahr» teilweise umsetzen.

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«Es ist ein Pilotversuch», sagt Stadträtin Katrin Cometta auf Anfrage. 

«Es ist ein Pilotversuch», sagt Stadträtin Katrin Cometta auf Anfrage.

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Darum gehts

  • Am 19. September will der Winterthurer Stadtrat die Technikumstrasse für einen Tag sperren.

  • Laut Stadträtin Katrin Cometta soll die Sperrung als Pilotversuch für die autofreien Tage dienen.

Der Winterthurer Stadtrat will die Motion «4 autofreie Sonntage im Jahr» teilweise umsetzen. An jeweils vier Tagen im Jahr sollen bestimmte Teile der Stadt Winterthur für die Bevölkerung autofrei sein. Bereits am 19. September werde die Technikumstrasse für einen Tag gesperrt, heisst es in einer Mitteilung am Donnerstag.

«Es ist ein Pilotversuch», sagt Stadträtin Katrin Cometta (GLP) auf Anfrage. Laut der Vorsteherin des Departements für Sicherheit und Umwelt sieht der Stadtrat in der Motion einen Nutzen für die Bevölkerung. «Die Bewohnerinnen und Bewohner Winterthurs sollen die Mobilität in der Stadt neu wahrnehmen können.»

Wie das Projekt der vier autofreien Tage im Jahr genau umgesetzt wird, ist laut Cometta noch unklar. Der Stadtrat habe dafür das Departement Sicherheit und Umwelt beauftragt, ein detailliertes Konzept mit einem entsprechenden Kreditantrag für die regelmässige Umsetzung von vier autofreien Tagen zu erarbeiten. «Sobald wir das Konzept erarbeitet haben, muss es noch vom Gemeinderat bekräftigt werden», so Cometta.

Die geforderte Sperrung von sämtlichen kommunalen und wenn möglich kantonalen Strassen, insbesondere im Stadtzentrum und in den Wohngebieten, stelle aber ein Problem dar. «Die Stadt Winterthur ist nicht berechtigt, ein generelles Fahrverbot zu erlassen.»

Initiantin freut sich über Entscheid

Initiantin Franziska Kramer-Schwob freut sich über den Entscheid des Stadtrats. «Es zeigt, dass der Stadtrat das Thema ernst nimmt und den Willen hat, die Motion umzusetzen.» Die vom Stadtrat schon lange geplante Sperrung der Technikumstrasse sei dabei ein möglicher Probelauf, so Kramer-Schwob. «Es ist aber schade, dass die Rechtslage keine tageweise Sperrung aller Strassen zulässt.»

Trotzdem hofft die EVP-Politikerin, dass Winterthur damit eine Vorreiterrolle einnehmen kann. Ihre Grundanliegen: Raum schaffen und die Entschleunigung der Bevölkerung. Die Initiantin hat dafür verschiedene Ideen: «Im Sommer könnte man die Quartiere sperren, um Strassenfeste zu feiern. Im Frühling oder Herbst könnten die Strassen für Skater und Velofahrer offenstehen.»

«Das Vorhaben ist nicht zumutbar»

Für Gemeinderat Urs Bänziger «ist das Vorhaben nicht zielgerichtet und verärgert nur die Leute». «Anstatt die Menschen auf gewisse Probleme aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, will man sie mit Verboten strafen. Das Vorhaben ist nicht zumutbar und kontraproduktiv.»

Der Vize-Präsident der FDP Winterthur stellt sich vor allem gegen die Sperrung ganzer Quartierstrassen. «Wie will man das überhaupt umsetzen? Müssen Stadtpolizisten an diesen Tagen Kontrollen durchführen und Bussen verteilen?» Zudem sei das Autoverbot besonders für ältere Personen und Menschen mit einer Gehbehinderung ein Problem. «An diesen Tagen fällt für sie die Mobilität komplett weg.»

Die FDP begrüsse hingegen einen autofreien Tag im Jahr. «In der Winterthurer Innenstadt den Autoverkehr für einen Tag im Jahr auszusetzen und eine grosse Veranstaltung zu organisieren, um Informationen zum Thema zu vermitteln, erachten wir als sinnvoll und ausreichend.»

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