Der Joker: 4 Konflikte, 1 gemeinsamer Demonstrant
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Der Joker4 Konflikte, 1 gemeinsamer Demonstrant

Der Film «Joker» zeigt die Entwicklung eines Menschen, der Misshandlung ausgesetzt war. Dass die Figur bei Konflikten in vier verschiedenen Regionen auftaucht, ist kein Zufall.

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Libanon: Drei Männer geschminkt als Joker fordern den Sturz der Regierung.

Libanon: Drei Männer geschminkt als Joker fordern den Sturz der Regierung.

Hassan Ammar
Auch die Wut dieses Mannes in Beirut richtet sich gegen die politische Elite und die verbreitete Korruption im Land.

Auch die Wut dieses Mannes in Beirut richtet sich gegen die politische Elite und die verbreitete Korruption im Land.

ali Hashisho
Dass viele Demonstranten, wie diese Frau in Beirut, als Joker verkleidet an Protesten teilnehmen, ist kein Zufall.

Dass viele Demonstranten, wie diese Frau in Beirut, als Joker verkleidet an Protesten teilnehmen, ist kein Zufall.

Nabil Mounzer

Chile

Die Erhöhung der Preise für U-Bahn-Tickets löste in der Hauptstadt Santiago de Chile eine Protestwelle aus. In der Folge entlud sich auf den Strassen der Ärger, der sich bei den Chilenen unter anderem wegen niedriger Löhne und tiefen Renten, hoher Preise und Studiengebühren sowie wegen extremer Unterschiede zwischen Armen und Reichen in den vergangenen 30 Jahren aufgestaut hat. Rasch weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. 17 Menschen kamen bei den schweren Ausschreitungen bisher ums Leben.

Libanon

Das Vorhaben der Regierung, eine neue Steuer auf Anrufe über Onlinedienste wie Whatsapp zu erheben, versetzte die Libanesen in Rage. Drei Millionen Menschen gingen auf die Strasse und forderten den Sturz der Regierung. Diese zog den Plan zwar schnell wieder zurück, doch die Proteste hielten an. Die Massenproteste richten sich gegen die politische Elite, die verbreitete Korruption sowie die unablässigen Ausfälle bei der Strom- und Wasserversorgung.

Irak

Seit Wochen finden regierungskritische Demonstrationen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sowie in der Schiiten-Bastion Sadr-City statt. Die Proteste richten sich unter anderem gegen die chronischen Stromausfälle und die hohe Arbeitslosigkeit. Die rund 40 Millionen Einwohner im Irak leiden unter den Folgen von Krieg, Arbeitslosigkeit und Korruption. Seit Beginn der Unruhen sind insgesamt 157 Menschen getötet worden.

Hongkong

Seit über 20 Wochen demonstrieren die Menschen in Hongkong gegen ihre Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking. Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, geniessen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

Der Joker kommt mit einer Warnung

Vier Konflikte, die einen gemeinsamen Protagonisten haben: den «Joker». Bei allen Konflikten sieht man Demonstranten, die Masken (oder Make-up) mit dem Gesicht des Cartoon-Schurken tragen. Dass die Protestierenden den populären fiktiven Bösewicht wählten, ist kein Zufall.

Der Film «Joker», der gerade weltweit in den Kinos läuft, zeigt das elende Leben eines Menschen, der Misshandlung und Missbräuchen ausgesetzt war. In seiner Entwicklung nimmt die Figur die Stimme jener an, die wie er, nichts haben und leiden, jene, um die sich niemand kümmert.

Am Ende des Filmes wird der «Joker» nach einem schweren Unfall von einer Menschengruppe in Gotham gerettet und zum Helden gemacht – obwohl er eigentlich ein Serienmörder ist.

Wie der chilenische Journalist Eugenio Rivera Urrutia in der Zeitung El Mostrador erkennt, scheint sich Regisseur Todd Phillips damit eine Botschaft an die politische Klasse erlaubt zu haben: Löst die Politik die Probleme der Menschen nicht und bleiben die Unterschichten dauerhaft auf der Strecke, wird ihr Unbehagen auf gewaltsame Weise ausarten.

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