Novartis: 4 Millionen für eine einzige Behandlung
Aktualisiert

Novartis4 Millionen für eine einzige Behandlung

Für ein Medikament zur Behandlung einer schweren Form von Muskelschwund müssen Patienten tief in die Tasche greifen.

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Novartis hat die Zulassung für ein neues Medikament in vielen Ländern beantragt. Ob auch in der Schweiz, wollte das Unternehmen noch nicht sagen.

Novartis hat die Zulassung für ein neues Medikament in vielen Ländern beantragt. Ob auch in der Schweiz, wollte das Unternehmen noch nicht sagen.

AFP/Fabrice Coffrini
Novartis-CEO Vasant Narasimhan ist seit Februar 2018 im Amt.

Novartis-CEO Vasant Narasimhan ist seit Februar 2018 im Amt.

AFP/Ruben Sprich

Der Basler Pharmakonzern präsentierte am Montag eine spektakuläre Neuigkeit: Das Unternehmen hat eine Gentherapie gegen eine schwere Form von Muskelschwund entwickelt, die bereits Mitte 2019 auf den Markt kommen soll und die vermutlich einen exorbitanten Preis haben wird. Den Wert einer einzigen Infusion bezifferte Novartis an einer Investorenkonferenz auf 4 Millionen Franken. Zur Genesung soll aber eine einzige Infusion ausreichen. Die Zulassungen in der EU, den USA und in Japan hat Novartis bereits beantragt. Auch in der Schweiz dürfte der Antrag um Zulassung bald folgen – auch wenn sich ein Mediensprecher von Novartis gegenüber der «SonntagsZeitung» noch nicht dazu äussern wollte.

Eine Obergrenze, wie viel ein Medikament oder eine Therapie kosten darf, gibt es in der Schweiz nicht. Ein Preis von 4 Millionen Franken für ein Medikament oder eine Therapie ist laut dem Bundesamt für Gesundheit theoretisch möglich.

Im Schnitt 13 Jahre länger leben

Die neue Novartis-Therapie ist für Kinder konzipiert, die mit einer spinalen Muskelatrophie des Typs 1 geboren werden. Dieser Gendefekt gehört zu den schlimmsten Erbkrankheiten überhaupt. Betroffene Babys können weder selbständig atmen noch schlucken. Fast alle sterben vor dem zweiten Lebensjahr.

In der Schweiz werden jährlich bis zu zwölf Babys mit diesem Defekt geboren. Die spinale Muskelatrophie gehört damit zu den seltenen Krankheiten.

Die neue Behandlung von Novartis bekämpft die Krankheit ursächlich. Über modifizierte Viren wird ein Gen in den Körper der kranken Kinder eingeschleust, das die Degeneration der Muskeln stoppt. In einer ersten klinischen Studie mit 15 betroffenen Kinder zeigte die Therapie namens AVXS-101 laut Novartis eine durchschlagende Wirkung. Alle Kinder waren nach zwei Jahren noch am Leben. Einige konnten sogar schon laufen. Den hohen Wert der Therapie rechtfertigte Novartis mit dem Gewinn von durchschnittlich zusätzlichen 13 Lebensjahren für die betroffenen Kinder.

(20 Minuten)

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